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Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Coenagrion

Azurjungfern

DE:

Fledermaus-Azurjungfer

EN:

Variable Bluet

Variable Damselfly

FR:

Agrion joli

IT:

Agrion leggiadro

Azzurrina variabile

Wissenswertes

Lange, auffallend schlanke und stets dunkel erscheinende Azurjungfer (Coenagrion spp.). In der Schweiz eher selten und nur verstreut verbreitet. In geeignetem Habitat ist sie allenfalls lokal häufig und kann dann als typische Frühlingsart besonders im Mai zahlreicher auftreten als die sonst häufigeren Hufeisen-Azurjungfern (Coenagrion puella) und Gemeinen Becherjungfern (Enallagma cyathigerum).


Merkmale

  • Gesamtlänge: 34–38 mm

Die Zeichnung ist bei dieser Art sehr variabel. Der gattungstypische Interpleuralstreifen auf den Brustseiten ist jedoch immer vorhanden. Der helle Antehumeralstreifen ist meist unterbrochen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich ansonsten stark.

Männchen

Sehr schlanke, dunkle, schwarz-blau gefärbte Azurjungfer mit schwarzer «Fledermaus»-Zeichnung auf S2, meist eher wie ein fettes «Y» aussehend, fast immer gestielt (Achtung sehr variabel), meist mit hellen Ausrufezeichen auf Thoraxoberseite (zum Teil auch ununterbrochene Streifen), S3–S5 mit schwarzen Ringen (Schwarzanteil 25–50% der Segmentlänge) und seitlichen Linien, S7 schwarz mit blauem Vorderrand. Wirkt von weitem gleichmässig schwarz-blau geringelt.

Weibchen

Färbung sehr variabel. Grundfarbe gelbgrün oder blau mit schwarz. Häufigste Form: Hinterleibsoberseite schwarz mit hellen basalen Flecken (S3–S6 oder S7). Weitere Formen: Hinterleibsoberseite entweder komplett schwarz oder mit Pokalzeichnung auf S2 und hellem S8. Pronotum-Hinterrand immer mit zwei tiefen Einbuchtungen, zentralem Zipfel und hellem Fleckenpaar (oft einziges verlässliches Merkmal).

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte, Farben blass/weisslich.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen-Oberseite (inkl. Zeichnung auf S2)
W: Sicht auf Abdomen-Oberseite (Pronotum muss deutlich sichtbar sein)


Verbreitung

Die Art ist in ganz Europa weit verbreitet, hat aber ein weniger geschlossenes Verbreitungsareal als die Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) und kommt im Westen und Süden nur lokal vor. Die nördlichsten Populationen befinden sich in Schottland, in Nordschweden und in Finnland.

Coenagrion pulchellum ist in der Nordschweiz weit, aber eher lückenhaft verbreitet. In den Kantonen Waadt, Genf, Tessin und im Rhonetal kommt sie nur lokal vor. Insgesamt ist sie in mehreren Regionen der Schweiz in den letzten Jahren seltener geworden. Als typische Tieflandart entwickelt sie sich hauptsächlich zwischen 300 und 500 m, nur gelegentlich bis 1000 m. Festgestellt wurde sie bis 1200 m.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Mai bis Ende Juni
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte Juli (wenige Individuen fliegen noch bis Anfang September)

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Nährstoffreiche und eher reifere stehende Gewässer (Weiher, naturnahe Teiche, Altarme, Torfstiche) sowie strömungsberuhigte Stellen von Flüssen und Kanälen mit reicher Wasservegetation. Meist mit Schwimm- und Tauchblattvegetation, Röhricht und Ufergehölzen. Die Gewässer sind meist nährstoffreicher, tiefer, schattiger und stärker bewachsen als jene der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella). Die Arten kommen trotzdem häufig zusammen vor.

Lebensweise Imagines

Als Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat nutzt Coenagrion pulchellum umliegende Wiesen und Weiden.

Am Fortpflanzungsgewässer warten die Männchen oft auf Schwimmblattvegetation oder Schilfhalmen auf die Weibchen. Die Paarung wird meist abseits des Gewässers oder am Ufer eingeleitet. 

Die Eier werden entweder mit angekoppeltem Männchen oder allein in pflanzliches Substrat (oft Schwimmblattpflanzen) unter der Wasseroberfläche abgelegt. Häufig findet die Eiablage wie bei Coenagrion puella in Gruppen statt.

Der Schlupf erfolgt in der Ufervegetation.

Lebensweise Larven

Die Larven leben in submerser Vegetation und können mit Fischen koexistieren. Coenagrion pulchellum überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert vermutlich ein Jahr.


Gefährdung & Schutz

Coenagrion pulchellum ist in Europa nicht gefährdet. Auch in der Schweiz war die Art früher häufig. In den letzten 30 Jahren sind die Bestände regional zurückgegangen. Die Gründe dafür sind weitgehend unbekannt. Vermutlich sind Lebensräume verschwunden, andere wurden umgenutzt, isoliert oder in ihrem Nährstoffhaushalt verändert. In der Schweiz ist die Art deshalb als potenziell gefährdet eingestuft (NT).

Zur Förderung sollen besiedelte Gewässer erhalten und stark verlandete von Vegetation und Schlamm befreit werden. Zudem sollen Pufferzonen eingerichtet werden. Mit einem funktionierenden Netzwerk an geeigneten Gewässern soll der Austausch innerhalb der Metapopulation verbessert werden.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    NT - Potenziell gefährdet
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Alle Azurjungfern sehen sich sehr ähnlich. Coenagrion pulchellum stellt auf Grund der variablen Färbung eine besondere Herausforderung dar. Männchen können innerhalb der Gattung vor allem mit der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum) und der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) verwechselt werden. Weibchen können häufig einzig durch den Vergleich des Pronotum-Hinterrandes unterschieden werden. Dunkle Weibchen müssen zusätzlich von Weibchen anderer Kleinlibellengattungen abgegrenzt werden.

Gabel-Azurjungfer – Coenagrion scitulum
Gesamthaft meist weniger schwarz und heller blau, helle Antehumeralstreifen immer durchgehend. Pterostigma lang und hell. Bevorzugt warme, flache Pioniergewässer (nicht reife, tiefe und schattige Gewässer) und tritt erst im Juni auf.
M: Schwarze «Gabel»-Zeichnung auf S2. Manchmal ähnlich wie «Fledermaus»-Zeichnung der Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum). Ohne schwarze Striche an den Seiten der Abdomensegmente.
W: Grundfarbe des Abdomens häufig blau, aber auch grünlich-braun, mit schwarzer «Torpedo»-Zeichnung.

Hufeisen-Azurjungfer – Coenagrion puella
Helle Antehumeralstreifen immer durchgehend. Im gleichen Lebensraum oft häufiger.
M: Schwarze «U»-Zeichnung auf S2 (keine Fledermaus), wirkt insgesamt heller.
W: Pronotum-Hinterrand schwach-gewellt.

Gemeine Becherjungfer – Enallagma cyathigerum
Helle Antehumeralstreifen breit und immer durchgehend. Ohne Interpleuralstreifen auf der Brustseite. Im gleichen Lebensraum oft häufiger.
M: S2 mit «Weinglas»-Zeichnung, Abdomen weniger schwarz und leuchtender blau. Breiter heller Ring zwischen S6 und S7.
W: Torpedoförmige Zeichnung auf Hinterleibssegmenten. Unterseite von S8 mit deutlichem Dornfortsatz.

Weitere Azurjungfern – Coenagrion spp.
M: Zeichnung auf S2 keine Fledermaus, Vergleich schwarze Ringe auf Hinterleibssegmenten.
W: Form des Pronotum-Hinterrandes andersförmig (nicht: mit zwei tiefen Einbuchtungen, Zipfel und hellem Fleckenpaar). Weibchen sind fast nur über dieses Merkmal unterscheidbar.

Saphirauge – Erythromma lindenii
M: S2 mit schwarzer «Pokal»-Zeichnung, S3–S6 mit Spiess-Zeichnung, Augen leuchtend blau, Postokularflecken zu Schlitzen reduziert oder fehlend.
W: Hinterleib grünlich, in der Mitte blau.

Blaue Federlibelle – Platycnemis pennipes
M: Hellblaue Grundfärbung, Schienen breit und gefiedert.

Kleines Granatauge – Erythromma viridulum und Grosses Grantauge – Erythromma najas
W: Postokularflecken fehlend, Augen von oben rot-braun.

Kleine Pechlibelle – Ischnura pumilio
W: Flügelmale hell, rautenförmig und auf Vorderflügeln grösser als auf Hinterflügeln.