Skip to main content

Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Erythromma

Granataugen

DE:

Kleines Granatauge

EN:

Small Redeye

Small Red-eyed Damselfly

FR:

Naïade au corp vert

Agrion vert

IT:

Ninfa dal corpo verde

Occhirossi minore

Wissenswertes

Als südliche Art hat sich Erythromma viridulum in den letzten Jahren deutlich nach Norden und Osten ausgebreitet. Sie schlüpft rund einen Monat später als das viel seltenere Grosse Granatauge (Erythromma najas). Bei Zählungen sind die beiden Granataugen, die oft weit vom Ufer entfernt auf See- oder Teichrosenblättern sitzen, kaum sicher zu unterscheiden.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 26–32 mm

Gesamthaft sehr dunkle Kleinlibelle mit deutlich roten bis rötlichen Augen. Männchen und Weibchen sehr unterschiedlich gefärbt.

Männchen

Augen rot (teils rot-braun), Postokularflecken fehlend. Antehumeralstreifen komplett oder unterbrochen (nie abwesend), Abdomen-Oberseite S2–S8 schwarz, Segmentseiten S2 und S3 blau, S9 und S10 bilden ein blaues Schlusslicht, das sich seitlich als Keil auf S8 weiterzieht. Oberseite S10 mit schwarzem «X».

Weibchen

Grösstenteils dunkel, an Brustseiten sowie Hinterleib (vor allem Basis und Ende) blau, grün oder gelb, Augen oben braun-rötlich, Postokularflecken fehlend oder zu Schlitzen reduziert, Antehumeralstreifen immer vollständig und meist grün, Pronotum-Hinterrand ohne mittigen Lappen.

Jungtiere

Junge Männchen sind weibchenfarbig gelb mit Schlusslicht, Farben blass. Junge Weibchen auch bronzefarbig. Achtung: Verwechslung mit Binsenjungfern (Lestes spp.) möglich.

Belegfoto

M: Sicht auf Thorax-Oberseite oder auf Abdomen-Seite.
W: Sicht auf Thorax-Oberseite.


Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in West-, Süd- und Zentraleuropa. In den letzten hundert Jahren hat sich ihr Verbreitungsgebiet nach Nordwesten erweitert. Nördlichste Populationen befinden sich in Südostengland, Südfinnland, Lettland und Litauen. Verglichen mit Erythromma najas liegt der Schwerpunkt ihres Verbreitungsgebiets deutlich südlicher.

Bis 1974 war Erythromma viridulum in der Schweiz selten. Heute kommt sie hauptsächlich im Mittelland und um Genf vor, seltener in tiefen Lagen im Wallis, Tessin, Graubünden und Jura. Die meisten Entwicklungsgewässer liegen unter 500 m, maximal auf 800 m. Einzeltiere wurden bis bis 1800 m beobachtet.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Juni bis Ende Juli, grösstenteils erst im Juli. Schlüpft etwa einen Monat später als das Grosse Granatauge (Erythromma najas).
Flugzeit: Ende Juni bis Ende August. Hauptflugzeit ab Mitte Juli.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Hauptlebensraum sind kleinere und mittelgrosse, gut besonnte und teils nährstoffreiche Stillgewässer mit gut ausgebildeter, bis an die Wasseroberfläche reichender Submersvegetation. Teilweise weisen die Gewässer Schwimmblattvegetation, Algenwatten und Röhricht auf. Auch werden langsam fliessende Flüsse, Moorgewässer und Baggerweiher besiedelt. Die Art kommt häufig zusammen mit Fischen vor.

Lebensweise Imagines

Wo die Art die Reifungszeit verbringt, ist nicht bekannt. Sie hat eine gute Ausbreitungsfähigkeit und kann neue Standorte schnell auffinden.

Erythromma viridulum ist eine wärmeliebende Art, fortpflanzungsbereite Männchen kommen frühestens am späten Vormittag an die Gewässer und sitzen wie das Grosse Granatauge (Erythromma najas) häufig auf Schwimm- und Tauchblattpflanzen, Sprossspitzen oder Algenwatten. Jedoch zeigt Erythromma viridulum oft ein angehobenes Abdomen («hohles Kreuz»). Die nähere Umgebung ihrer Sitzwarte verteidigen sie gegen Rivalen. Ihr Flug ist hektisch und erfolgt in Zickzack-Linie wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche. Die Paarung findet meist auf schwimmenden Pflanzenteilen oder in niedriger Ufervegetation statt.

Die Eiablage findet im Tandem statt. Das Männchen hält sich dabei an aus dem Wasser ragenden Pflanzenteilen fest oder steht horizontal bis schräg in der Luft. Die Eier werden in feinblättrige Unterwasservegetation abgelegt.

Schlupfsubstrat sind an die Wasseroberfläche reichende Unterwasserpflanzen sowie schräg oder senkrecht herausragende Stängel.

Lebensweise Larven

Erythromma viridulum überwintert im Larvenstadium, die Entwicklung dauert ein Jahr. Die Larven leben im dichten Pflanzengewirr oder auf dem Gewässergrund (vor allem im Winter). Für die Häutung zum letzten Larvenstadium und zur Imago benötigt Erythromma viridulum eine Temperatur von über 15 °C.


Gefährdung & Schutz

Erythromma viridulum ist in der Schweiz und gesamteuropäisch nicht gefährdet (LC).

Lokale Gefährdungsursachen sind ein hoher Fischbesatz (insbesondere mit Graskarpfen), Entfernung von Wasserpflanzen, winterliches Ablassen von Teichen, Beschattung durch Bäume und Freizeitbetrieb.

Wichtigste Fördermassnahme ist das Erhalten der Unterwasservegetation. Zudem sollen stark beschattende Bäume ausgelichtet und auf hohen Fischbesatz (vor allem mit Graskarpfen) sowie winterliches Trockenlegen verzichtet werden. Auch profitiert die Art von neu angelegten gut besonnten Flachgewässern. 

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Besonders ähnlich bezüglich Lebensraumpräferenz, Verhalten und Aussehen ist Erythromma najas. Obschon das Saphirauge (Erythromma lindenii) in die gleiche Gattung eingeteilt ist, weist sie kaum offensichtliche Gemeinsamkeiten auf. Dagegen kann Erythromma viridulum leicht mit beiden Geschlechtern der Pechlibellen (Ischnura spp.) verwechselt werden. Die weitgehend schwarz gefärbten Weibchen haben Ähnlichkeiten mit vielen dunklen Formen weiblicher Kleinlibellen und müssen für eine sichere Bestimmung genau betrachtet werden.

Grosses Granatauge – Erythromma najas
Erscheint etwa einen Monat früher und ist oft etwas grösser.
M: S9 und S10 vollständig blau, Schlusslicht seitlich gerade abgeschnitten, nicht auf S8 erweitert. Abdomen komplett schwarz. S2 und S3 ohne blaue Seiten. Antehumeralstreifen fehlend. Fliegt geradlinig und weniger hektisch. Krümmt beim Sitzen auf See- und Teichrosenblättern das Abdomen nie hoch.
W: Antehumeralstreifen nicht komplett, Pronotum-Hinterrand mit Lappen (dreilappig).

Pechlibellen – Ischnura spp.
Halten sich selten über dem offenen Wasser, sondern eher in der Ufervegetation auf. Postokularflecken rund.
M: Augen nie leuchtend rot. Das blaue Schlusslicht ist nicht endständig, S10 vollständig schwarz. Vorderflügel mit zweifarbigem Flügelmal (Pterostigma).
W: Pterostigmen hell und rautenförmig.

Saphirauge – Erythromma lindenii
Ebenfalls oft weit vom Ufer entfernt über dem Wasser fliegend. Kommt allerdings eher an langsam fliessenden Flüssen vor.
M: Mit leuchtend blauen (nie roten) Augen, ganzer Körper vorwiegend blau.
W: Dreifarbige Grundfärbung (gelblich-blau-grünlich), breite Antehumeralstreifen.

Weitere Azurjungfern – Coenagrion spp. und Gemeine Becherjungfer – Enallagma cyathigerum
W: Postokularflecken voll ausgebildet, Antehumeralstreifen vollständig.