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Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Coenagrion

Azurjungfern

DE:

Gabel-Azurjungfer

EN:

Dainty Bluet

Dainty Damselfly

FR:

Agrion mignon

IT:

Azzurrina delicata

Wissenswertes

Coenagrion scitulum ist in der Schweiz erst seit Beginn dieses Jahrtausends nachgewiesen und breitet sich seither ziemlich rasant aus. Sie taucht vorwiegend an warmen Gewässern in frühen Sukzessionsstadien wie etwa Kiesgrubengewässer auf. Neubeobachtungen sind in geeigneten Lebensräumen in der ganzen Schweiz möglich und sollen möglichst fotografisch dokumentiert und gemeldet werden.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 30–33 mm

Im Vergleich zur Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) eher kleine Azurjungfer, mit gattungstypischem Interpleuralstreifen auf den Brustseiten und durchgehenden schmalen Antehumeralstreifen auf der Brustoberseite. Flügelmale hell und lang. Männchen und Weibchen unterscheiden sich stark.

Männchen

Abdomen blau-schwarz: S3–S5 halb schwarz, halb blau, S6–S7 komplett schwarz; erscheint dadurch vorne wie eine Azurjunfer (Coenagrion, schwarz-blau geringelt) hinten wie eine Pechlibelle (Ischnura, schwarz mit blauem Schlusslicht). S2 mit «Stimmgabel»-Zeichnung (oder: Katzenkopf mit langen Ohren). Ohne schwarze Striche an den Seiten der Segmente.

Weibchen

Grundfarbe variabel, grünlich-braun bis leuchtend blau (erscheint meist mehrfarbig) mit viel schwarz (Hinterleib-Oberseite fast durchgehend schwarz mit hellen Segmentbasen), und schwarzer «Torpedo/Speerspitzen»-Zeichnung auf S3–S5. Augen unten gelb. Pronotum-Hinterrand mit schmalem Lappen in der Mitte.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte, Farben blass, Augen oberseits rötlich.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen-Oberseite (inkl. Zeichnung auf S2)
W: Sicht auf Abdomen-Oberseite (Pronotum muss für die Artbestimmung deutlich sichtbar sein)


Verbreitung

Im südlichen und westlichen Europa ist Coenagrion scitulum eher lückenhaft verbreitet, nur in West- und Zentralfrankreich sowie in Nordspanien ist sie durchgehend verbreitet und häufiger.

Die ersten Funde von Coenagrion scitulum in der Schweiz stammen aus den Jahren 2001 und 2002 vom St. Galler Rheintal und der Ajoie. Die Nachweise haben seit 2005 exponentiell zugenommen, sodass sich im Mittelland und im Jura das Bild einer praktisch flächendeckenden Verbreitung ergibt und auch die tieferen Lagen der Voralpen und Alpentäler besiedelt werden. Es scheint, dass weiterhin jedes Jahr neue Fundorte hinzukommen. Im Tessin wurde die Art erst wenige Male ganz im Süden beobachtet, was sich mit einer nur lückigen Verbreitung in Norditalien deckt.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Mai bis Mitte Juli (Maximum im Juni)
Flugzeit: Anfang Juni bis Mitte August (Hauptflugzeit: Juni, Juli)

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Generell besiedelt Coenagrion scitulum gut besonnte, wenig tiefe Gewässer mit gut ausgebildeter Tauchblattvegetation. In der Schweiz kommt sie oft an neu angelegten Flachgewässern in frühen Sukzessionsstadien in wärmebegünstigten, windgeschützten Lagen vor.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringt die Art meist in Gewässernähe. Hier befindet sich auch ihr Jagd- und Ruhehabitat.

Ähnlich wie Gemeine Becherjungfern (Enallagma cyathigerum) fliegen Männchen meist in der heissesten Zeit des Tages und oft niedrig über der offenen Wasserfläche. Im Vergleich ist Coenagrion scitulum aber kleiner und dunkler. Die Paarung findet in emerser Vegetation statt.

Für die Eiablage bleibt das Paar meist im Tandem, oft in Gemeinschaft mit anderen Paaren. Das Weibchen legt die Eier in untergetauchte Halme oder Stängel von Uferpflanzen.

Schlupfsubstrat sind senkrechte Halme von im Wasser oder an Land wurzelnden Uferpflanzen.

Lebensweise Larven

Coenagrion scitulum überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert vermutlich ein Jahr. Die Larven halten sich dabei meist im Gewirr von Wasserpflanzen in Ufernähe auf.


Gefährdung & Schutz

Coenagrion scitulum ist in der Schweiz nicht gefährdet (LC). Gesamteuropäisch ist sie ebenfalls nicht gefährdet, die Populationen sind stabil.

Zurzeit sind keine gezielten Fördermassnahmen nötig. Da sie in der Schweiz offenbar warme Pionierstandorte bevorzugt, profitiert sie von der Neuschaffung gut besonnter Flachgewässer. Im Zuge der momentanen Ausbreitung der Art ist an solchen Gewässern überall in der Schweiz weiterhin mit einer Besiedlung zu rechnen.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Das Männchen ist auf Grund der sehr ähnlichen Zeichnung auf S2 am ehesten mit der Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum) zu verwechseln, es muss aber von allen anderen blau-schwarzen Kleinlibellen ebenso sorgfältig abgegrenzt werden. Bei den Weibchen besteht auf Grund der Torpedo-Zeichnung auf der Abdomenoberseite eine Verwechslungsgefahr mit der Gemeinen Becherjungfer (Enallagma cyathigerum) oder allenfalls vom Saphirauge (Erythromma lindenii).

Fledermaus-Azurjungfer – Coenagrion pulchellum
Bevorzugt reife und eher schattige Gewässer und erscheint deutlich früher im Jahr. Antehumeralstreifen oft unterbrochen, Pterostigmen kürzer und dunkler.
M: Ebenfalls mit grossem Schwarzanteil der Segmente und ähnlicher Zeichnung auf S2. S6 nicht vollständig schwarz, zudem mit schwarzen Längsstrichen an den Abdomenseiten (wie Coenagrion puella).
W: Abdomen meist mit mehr schwarz und ohne Torpedo-Zeichnung.

Azurjungfern – Coenagrion spp.
M: Keine andere Azurjungfer hat S3–S5 halb schwarz, halb blau und S6–S7 komplett schwarz. Zudem ist das Zeichen auf S2 und das Pterostigma diagnostisch.
W: Stets ohne typische Torpedo-Zeichnung.

Gemeine Becherjungfer – Enallagma cyathigerum
Brustseiten ohne schwarzen Interpleuralstreifen. Pterostigmen kurz und dunkel.
M: S6–S7 nicht komplett schwarz, S2 mit Weinglas-Zeichnung. Antehumeralstreifen breiter.
W: Ebenfalls mit Torpedo-Zeichnung auf Abdomenoberseite, meist noch deutlicher (bei Coenagrion scitulum eher Speerspitzen). S8 mit deutlichem Dornfortsatz an Unterseite.

Saphirauge – Erythromma lindenii
Eher an Fliessgewässern oder Flachteichen in Auengebieten zu finden. Postokularflecken zu Schlitzen reduziert.
M: S2 mit schwarzer Pokal-Zeichnung, S3-S6 mit Spiess-Zeichnung, Augen leuchtend blau.
W: Erscheint ebenfalls oft mehrfarbig, typischerweise dreifarbig (vorne gelblich, Mitte blau, hinten hellbraun). Zeichnung auf Segmenten nur entfernt an Torpedos erinnernd.

Blaue Federlibelle – Platycnemis pennipes
M: Hellblaue Grundfärbung, Schienen breit und gefiedert.