Ischnura pumilio
Familie:
Coenagrionidae
Schlanklibellen
Gattung:
Ischnura
Pechlibellen
DE:
Kleine Pechlibelle
EN:
Small Bluetail
Scarce Blue-tailed Damselfly
FR:
Agrion nain
Ischnure naine
IT:
Agrion nano
Codazzurra minore
Wissenswertes
Ischnura pumilio ist unter der sehr ähnlichen und bedeutend häufigeren Grossen Pechlibelle (Ischnura elegans) leicht zu übersehen. Trotz ihrem deutschen Namen ist die geringere Grösse nicht immer augenfällig. Das Suchmuster ist eine zierliche Pechlibelle (schwarzes Abdomen mit blauem Schlusslicht) mit grünlichen Thoraxseiten. Die unterschiedliche Ausdehnung des blauen Schusslichtes ist oft erst im Feldstecher erkennbar. Sie ist vorwiegend an vegetationsarmen, flachen und meist gut besonnten Gewässern zu finden.
Merkmale
-
Gesamtlänge: 26–31 mm (eine der kleinsten Libellenarten der Schweiz)
Grundfarbe schwarz. Flügelmale rautenförmig und auf den Vorderflügeln grösser als auf den Hinterflügeln (Unterschied beim Weibchen weniger gross als beim Männchen). Postokularflecken rundlich. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich.
Männchen
Thorax und Abdomenbasis blau, meist mit leichtem Grünstich. Abdomen weitgehend schwarz (auch Unterseite), mit blauem Schlusslicht auf S9 und auf der hinteren Hälfte von S8. Nur S10 schwarz, das Schlusslicht wirkt so fast endständig. Flügelmal auf Vorderflügeln zweifarbig (dunkelgrau und weiss) und fast doppelt so gross als auf Hinterflügeln (einfarbig). Pronotum-Hinterrand ohne aufgerichteten Mittellappen.
Weibchen
Abdomen-Oberseite komplett schwarz ohne «Schlusslicht», Thorax grünlich-bräunlich, selten auch bläulich, meist ohne schwarzen Humeralstreifen. Im Alter mit dunkler Bereifung dumpf erscheinend. Hinterrand des Pronotums leicht geschwungen. Vulvadorn unterseits an S8.
Jungtiere
Farben blasser als bei ausgewachsenen Individuen. Junge Weibchen sind hellorange mit wenig schwarz an Kopf, Thorax und Abdomen (forma aurantiaca).
Belegfoto
M: Sicht auf Abdomen-Oberseite.
W: Sicht schräg von der Seite auf Abdomen, inkl. Flügelmale.
Verbreitung
Ischnura pumilio kommt in weiten Teilen Europas vor. Nördlich erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis Mitte England und Südskandinavien, im Süden bis ins Mittelmeergebiet. Verglichen mit der Grossen Pechlibelle (Ischnura elegans) liegt der Verbreitungsschwerpunkt etwas weiter südlich.
Die Art kommt in der ganzen Schweiz vor, ist aber weniger verbreitet als die Grosse Pechlibelle (Ischnura elegans). Die meisten Meldungen kommen aus tiefen Lagen bis 600 m, in den Alpen gibt es aber Entwicklungsnachweise bis über 2000 m, Einzeltiere wurden bis 2200 m beobachtet.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Anfang Mai bis Mitte Juni und Anfang bis Ende August.
Flugzeit: Anfang Mai bis Ende September (über 1500 m: Anfang Juli bis Mitte September).
Lebensraum
Ischnura pumilio besiedelt hauptsächlich Gewässer in frühen Sukzessionsstadien, zum Beispiel frisch angelegte Naturschutzweiher. Meist sind diese kaum bewachsen, gut besonnt, flachgründig und warm mit wenig Konkurrenten und Räubern. Mit fortschreitender Sukzession, wenn sich konkurrenzstärkere Libellen etablieren oder bei Fischbesatz, verschwindet die Art wieder. Kommt auch an offenen Stellen von Gewässern in späteren Sukzessionsstadien vor.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit verbringt Ischnura pumilio in strukturreicher Umgebung des Gewässers. Die meisten Individuen einer Population sind extrem ortstreu. Trotzdem scheint die Art sehr mobil zu sein und besiedelt neu entstandene Lebensräume sehr schnell. Im Sommer kann sie sich auch an temporär überfluteten Stellen in kurzer Zeit entwickeln.
Fortpflanzungsbereite Männchen warten auf lückiger Vegetation nahe am Gewässer oder auf Algenwatten und auf dem Boden auf Weibchen, welche nur zur Paarung ans Gewässer kommen. Die Paarung findet nahe am Gewässer statt und kann wie bei der Grossen Pechlibelle (Ischnura elegans) einige Stunden dauern.
Das Weibchen legt die Eier allein ab. Entweder legt es die Eier direkt in den Boden, in senkrechte Pflanzenteile nahe an der Wasseroberfläche oder in auf dem Wasser liegende Substrate. Dabei kann es auch vollständig unter Wasser tauchen.
Der Schlupf findet in der Ufervegetation oder an emersen Pflanzen statt.
Lebensweise Larven
Ischnura pumilio überwintert im Larvenstadium. Meist macht die Art zwei Generationen pro Jahr, in höheren, kühleren Lagen nur eine. Die Larven entwickeln sich in seichten Gewässerzonen in unterschiedlichen Substraten.
Gefährdung & Schutz
Obwohl ihr ursprünglicher Lebensraum (Gewässer in Auengebieten) weitgehend verschwunden ist, gilt Ischnura pumilio in der Schweiz und gesamteuropäisch als nicht gefährdet (LC). Sie ist sehr anpassungsfähig und kann sich in unterschiedlichen temporären Kleingewässern in der Kulturlandschaft fortpflanzen, sofern diese gut besonnt, wenig bewachsen und flachgründig sind.
Förderlich ist die Erstellung von neuen Gewässern, zum Beispiel Wiesentümpel, Mulden, Radspuren und Naturschutzweiher. Zudem profitiert die Art von einer gezielten Pflege vorhandener Gewässer (Verjüngung) sowie von grossräumiger Revitalisierung von Fluss- und Bachauen.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:LC - Nicht gefährdet
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Das Männchen ist ähnlich gefärbt wie die häufigere und meist grössere Grosse Pechlibelle (Ischnura elegans). Auch die noch kleinere Zwerglibelle (Nehalennia speciosa) kommt als Verwechslungsart in Frage. Zudem muss die Art von vom Grossen und Kleinen Granatauge (Erythromma najas und Erythromma viridulum) abgegrenzt werden. Das oberseits weitgehend schwarze Weibchen kann mit vielen dunklen Formen weiblicher Azurjungfern (Coenagrion spp.) verwechselt werden. Zur sicheren Unterscheidung sind Detailmerkmale ausschlaggebend.
Grosse Pechlibelle – Ischnura elegans
M: «Schlusslicht» nur auf S8. S9 komplett schwarz. Flügelmal auf Vorder- und Hinterflügel gleich gross und zweifarbig. Pronotum-Hinterrand mit langem, aufgerichtetem Mittellappen (Haken).
W: S8 mit blauem oder bräunlichem «Schlusslicht», Flügelmal auf Vorder- und Hinterflügel gleich gross. Junge Weibchen mit lila oder pinkem Thorax und blauem «Schlusslicht».
Zwerglibelle – Nehalennia speciosa
Noch schlanker und zierlicher, mit kurzen Flügeln und hellen Flügelmalen. Grundfarbe metallisch grün, Thorax und Abdomen unterseits hellblau. Hinterkopf mit hellblauer bogenförmiger Linie, S8–S10 oberseits hellblau gefleckt (Schlusslicht). Keine runden Postokularflecken, keine Antehumeralstreifen und kein schwarz auf S10.
M: Selbe Merkmale wie frisch ausgefärbte Weibchen.
W: Ältere Weibchen orange und braun anstatt hellblau gezeichnet. Ähnlich wie weibliche Ischnura pumilio, S8 ohne Vulvadorn.
Grosses Grantauge – Erythromma najas und Kleines Granatauge – Erythromma viridulum
Hauptsächlich an reiferen Gewässern mit guter Unterwasser- und Schwimmblattvegetation. Fliegen meist über dem offenen Wasser. Postokularflecken fehlend oder zu Schlitzen reduziert. Pterostigmen nicht rautenförmig.
M: Mit leuchtend roten Augen. Abdomen schwarz, S9 und S10 blau (endständiges Schlusslicht).
W: Mit rotbraunen Augen. Thoraxoberseite dunkel, Antehumeralstreifen zumindest im Ansatz vorhanden.
Azurjungfern – Coenagrion spp.
W: Meist deutlich grösser, Abdomen weniger schwarz gefärbt. Flügelmale dunkel, rechteckig (nicht rautenförmig) und auf Vorder- und Hinterflügeln gleich gross. Hinterrand des Pronotums meist charakteristisch.