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Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Enallagma

Becherjungfern

DE:

Gemeine Becherjungfer

Becher-Azurjungfer

EN:

Common Bluet

Common Blue Damselfly

FR:

Portecoupe holarctique

Agrion porte-coupe

IT:

Agrion coppiere

Azzurrina portacalice

Wissenswertes

Enallagma cyathigerum ist in Europa die einzige Art ihrer Gattung. Auf den ersten Blick ist sie aber kaum von Azurjungfern (Gattung Coenagrion) zu unterscheiden, da die Männchen ebenfalls schwarz-blau gefärbt sind («kleine blaue-schwarze Stäbchen»). Von diesen ist Enallagma cyathigerum nach der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) die häufigste und verbreitetste Art in der Schweiz. Beide kommen oft im gleichen Lebensraum vor.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 29–36 mm

Kräftig gebaute Kleinlibelle. Thorax-Seiten nur schwach gezeichnet (erscheint einfarbig) und im Gegensatz zu allen Azurjungfern ohne schwarzen Interpleuralstreifen. Die hellen Antehumeralstreifen sind breit (breiter als der schwarze Streifen darunter), die Postokularflecken gross. Ansonsten unterscheiden sich die Geschlechter sehr stark.

Männchen

Abdomen schwarz-blau gefärbt wie bei Azurjungfern (Coenagrion spp.), Blau aber etwas leuchtender. Bei kalten Temperaturen verblassen die Farben. Mit schwarzer «Weinglas»- oder «Becher»-Zeichnung auf S2 (Achtung variabel), S8 und S9 komplett blau, blauer Ring zwischen S6 und S7 breit.

Weibchen

Grundfarbe bräunlich, gelblich, grünlich, seltener auch blau mit schwarzer «Torpedo»-Zeichnung auf Abdomen, ventraler Dorn an S8, Pronotum-Hinterrand nur schwach-gewellt.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Männchen/Weibchen, Farben weisslich/lila.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen-Oberseite (Zeichnung auf S2) oder von der Seite.
W: Sicht auf Abdomen-Oberseite (schräg, mit sichtbaren Thoraxseiten).


Verbreitung

Enallagma cyathigerum ist in ganz Europa weit verbreitet und häufig. Einzig gegen Süden weist die Verbreitung lokale Lücken auf.

Auch in der Schweiz ist die Art weit verbreitet, insbesondere in der Ebene nördlich der Alpen. In den Zentralalpen ist sie seltener und von der Alpensüdseite gibt es nur wenige Funde. Die meisten Populationen befinden sich in tiefen Lagen (300 bis 700 m), die Art wurde aber bis in Höhen über 2400 m beobachtet.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Sehr lange Emergenz von Anfang Mai bis Anfang August. Im Gebirge beginnt der Schlupf bis vier Wochen später und dauert bis in den September.
Flugzeit: Anfang Mai bis Mitte Oktober mit einem Höhepunkt zwischen Anfang Juni und Ende August.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Besiedelt mittelgrosse und grössere Stillgewässer mit offenen Wasserflächen, auch strömungsberuhigte Stellen von Flüssen, Kanälen und Gräben, grössere Torfstiche und neu erstellte Gewässer in frühen Sukzessionsstadien. Einzig sehr kleine verlandende Gewässer sind ungeeignet.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringen die frisch geschlüpften Tiere in Landhabitaten in der näheren Umgebung des Gewässers an gut besonnten, geschützten Plätzen. Diese werden auch als Jagd-, Ruhe- und Paarungshabitat genutzt.

Geschlechtsreife Männchen fliegen oft weit vom Ufer entfernt über der offenen Wasserfläche. Häufig sitzen sie mit fast horizontalem Körper auf emersen Pflanzenstängeln (die Hufeisen-Azurjungfer Coenagrion puella sitzt mit schräg abgewinkeltem Körper) oder halten sich auch in der Ufervegetation auf. Die Paarung findet meist in der Ufervegetation oder in den Landlebensräumen statt.

Die Eiablage beginnt im Tandem. Das Weibchen taucht dabei häufig unter und zieht das Männchen mit. Dieses koppelt sich ab, bevor es vollständig untergetaucht ist. Unter Wasser bohrt das Weibchen die Eier in submerse Pflanzen oder Wurzeln und kann bis zu einer Stunde untergetaucht bleiben. Oft warten an der Oberfläche mehrere Männchen auf eine erneute Kopulation.

Der Schlupf findet an emersen senkrecht aus dem Wasser ragenden Pflanzenteilen oder in der Ufervegetation statt.

Lebensweise Larven

Enallagma cyathigerum überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert in Tieflagen 1 Jahr (selten entwickeln sich 2 Generationen pro Jahr), in höheren Lagen 2–4 Jahre. Larven leben zuerst im Bereich der Eiablagepflanzen, danach auch in sehr dichter Submersvegetation oder am schlammigen Grund.


Gefährdung & Schutz

Enallagma cyathigerum ist in der Schweiz und in Europa nicht gefährdet (LC). Hauptgefährdungsursachen sind Wasserverschmutzung, Fischbesatz und Freizeitbetrieb.

Zurzeit sind keine artspezifischen Schutzmassnahmen nötig. Die oben genannten Gefährdungsursachen können mit einer Verbesserung der Wasserqualität, dem Einrichten von Schutzzonen an freizeitlich und fischereilich genutzten Gewässern, der Förderung von Wasserpflanzen und geregeltem Fischbesatz (keine Graskarpfen) verbessert werden.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Da die Gattungsmerkmale von Enallagma allesamt nicht auffällig sind, gleichen Männchen und blaue Weibchen von Enallagma cyathigerum auf den ersten Blick allen anderen blau-schwarzen Kleinlibellen. Die Art muss im Feld besonders oft von der häufigeren Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) abgegrenzt werden, oft aber auch vom Saphirauge (Erythromma lindenii) und der Blauen Federlibelle (Platycnemis pennipes). Die Weibchen aller Farbvarianten können an der auffälligen «Torpedo»-Zeichnung leicht von anderen Arten unterschieden werden. Einzig Weibchen von der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum) und vom Saphirauge (Erythromma lindenii) zeigen eine ansatzweise ähnliche Zeichnung.

Hufeisen-Azurjungfer – Coenagrion puella 
Schlanker und zierlicher, mit gattungstypischem schwarzem Interpleuralstreifen an der Thoraxseite. Antehumeralstreifen hell und schmal (schmaler als schwarzer Streifen darunter).
M: Mit schwarzer U-Zeichnung (Hufeisen) auf S2. Blauer Ring zwischen S6 und S7 schmal. Nur S8 ist vollständig blau. Wirkt besonders aus Distanz weniger intensiv blau. Hält sich eher am Rand der Gewässer auf und sitzt eher in spitzem Winkel auf emersen Pflanzenstängeln.
W: Grundfarbe gelbgrün (häufiger) oder blau (selten) mit schwarz. Dunkle Form oberseits komplett schwarz und stets ohne «Torpedo»-Zeichnung.

Gabel-Azurjungfer – Coenagrion scitulum  
W: Ebenfalls grünlich braun oder blau mit Torpedo-Zeichnung, die aber etwas weniger ausgeprägt ist. Mit langem hellem Pterostigma und ohne ventralen Dorn auf S8.

Azurjungfern – Coenagrion spp. 
Antehumeralstreifen schmaler, Thoraxseiten mit schwarzen Interpleuralstreifen.
M: Zeichnung auf S2 nicht in Form eines Weinglases, heller Ring zwischen S6 und S7 schmal, wirkt fast durchgehend schwarz.
W: Keine «Torpedo»-Zeichnung auf Abdomen (ausser Coenagrion scitulum). Kein ventraler Dorn an S8.

Saphirauge – Erythromma lindenii  
M: S2 mit schwarzer «Pokal»-Zeichnung, S3–S6 mit «Spiess»-Zeichnung, Augen leuchtend blau, Postokularflecken zu Schlitzen reduziert oder fehlend.
W: Hinterleib grünlich, in der Mitte blau. Schlanker und ohne klare «Torpedo»-Zeichnung.

Blaue Federlibelle – Platycnemis pennipes 
M: Hellblaue Grundfärbung, Schienen breit und gefiedert.