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Familie:

Lestidae

Teichjungfern

Gattung:

Lestes

Binsenjungfern

DE:

Glänzende Binsenjungfer

EN:

Scarce Emerald Damselfly

Emerald Spreadwing (Amerika)

FR:

Leste dryade

IT:

Leste dryade

Verdina rubusta

Wissenswertes

Lestes dryas ist der viel häufigeren Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa) sehr ähnlich und kommt oft mit ihr zusammen vor. Generell wirkt Lestes dryas intensiver und glänzender gefärbt und etwas kräftiger gebaut. Der lateinische Name Lestes dryas kommt vermutlich von der mythologischen Figur der Dryaden, Baumnymphen, die mit dem Wald verschmelzen können. Entsprechend lebt die Art eher versteckt und heimlich und kann vor allem bei gleichzeitigem Vorkommen mit der häufigeren Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa) schwierig festzustellen sein.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 35–40 mm

Körper metallisch grün, im Alter kupferfarben. Pterostigmen einfarbig dunkel. Hinterkopf dunkel.

Männchen

Abdominalsegment S2 nur in den ersten zwei Dritteln und S1 sowie S9 und S10 komplett blau bereift. Augen tief blau. Untere Hinterleibsanhänge löffelförmig verbreitert und nach innen gebogen.

Weibchen

Körper komplett metallisch grün. Robust gebaut. Oberseite von S2 mit viereckigen grünen Flecken (nicht dreieckig). Legebohrer überragt S10.

Jungtiere

Junge Männchen sind wie Weibchen gefärbt, bevor die blaue Bereifung auftritt. Pterostigmen hell.

Belegfoto

M: Libelle von oben mit gut sichtbarem S2. Hinterleibsanhänge möglichst in Detailaufnahme.
W: Libelle von oben mit gut sichtbarem S2 oder Ovipositor von der Seite.


Verbreitung

Lestes dryas kommt in ganz Europa und fast bis zum Polarkreis vor, ist aber in den meisten Gebieten lückenhaft verbreitet und selten. Das europäische Verbreitungsgebiet überschneidet sich weitgehend mit jenem der Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa). Lestes dryas ist die einzige europäische Binsenjungfer, die auch in Nordamerika vorkommt.

In der Schweiz existieren grössere Populationen nur in den Kantonen Waadt und Graubünden. Ansonsten tritt sie sehr lokal auf. In der Regel findet man sie unter 600 m. Nur in den Kantonen Wallis und Graubünden werden höhere Lagen bis 2000 m bewohnt. Im Kanton Tessin fehlt sie ganz.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: In den Niederungen von Ende Mai bis Mitte Juli, in höheren Lagen von Juli bis Ende August.
Flugzeit: Mitte Juni bis Ende August (vereinzelt bis September). Hauptaktivität im Juli und August.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Lestes dryas bewohnt ein breites Spektrum an Gewässern mit schwankendem Wasserstand: Teiche, Weiher, Tümpel, Flachmoore und Sumpfwiesen, Torfstiche und Alptümpel. Optimal sind teilweise austrocknende, seggen- und binsenreiche Vernässungs- und Überschwemmungsflächen. Die Entwicklungsgewässer befinden sich oft in Waldnähe. Leichte Beschattung wird toleriert. Oft trocknen die Gewässer im Jahresverlauf ganz oder teilweise aus. Ufervegetation und senkrechte Vegetationsstrukturen im Wasser (Grosseggen, Binsen) sind in der Regel vorhanden. Seltener werden auch neu angelegte Flachgewässer mit Pioniercharakter besiedelt.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit wird bis zu einigen hundert Metern entfernt auf Wiesen, Seggenrieden und an Waldrändern verbracht. Dabei wandern sie gerne ab.

Reife Männchen besetzen Sitzwarten am Gewässer und warten auf Weibchen. Die Paarung findet meist um die Mittagszeit und über Wasser statt.

Nach der Paarung erfolgt die Eiablage meist im Tandem. Die Eier werden in die Stängel von Seggen, Binsen und anderen Wasserpflanzen nahe über der Wasseroberfläche oder über trockenem Boden eingestochen. 

Exuvien sind meist an emerser Vegetation nahe der Wasseroberfläche zu finden.

Lebensweise Larven

Lestes dryas überwintert im Eistadium und erträgt in dieser Zeit längere Trockenperioden. Die Larve schlüpft im Frühling, wenn das Gelände mit Wasser bedeckt ist. Bei Trockenheit kann das Ei auch ein weiters Jahr überdauern. Nach dem Schlupf entwickelt sich die Larve innert eineinhalb bis drei Monaten fertigen Libellen.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist Lestes dryas eine gefährdete Art (VU) der Roten Liste und eine national prioritäre Art mit Handlungsbedarf für Artenschutzmassnahmen. Europaweit gilt sie nicht als gefährdet.

Hauptgefährdungsursachen sind Veränderungen im Wasserhaushalt als Folge von Drainagen, Wasserentnahme oder Aufstau sowie Beeinflussungen des Grundwasserstandes. Weitere Gefährdungsursachen sind Nährstoffeinträge aus der Umgebung, zu starke Beschattung infolge Verbuschung, vollständige Mahd oder zu starke Beweidung während der Entwicklungsphase (Juni bis August). Wichtigste Schutzmassnahme ist die Erhaltung und Förderung von temporär wasserführenden, im Jahresverlauf austrocknenden Gewässern.

Pflegeeingriffe in die Wasser- und Uferzonen sollten niemals grossflächig, sondern im Rotationsprinzip erfolgen. Lestes dryas kann auch durch neu geschaffene Gewässer gefördert werden, bevorzugt mit regulierbarem Wasserstand. Optimal sind dabei mehrere benachbarte Gewässer verschiedener Grösse und Tiefe.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    VU - verletzlich
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Ähnlichste Art ist die viel häufigere Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa), welche oft im selben Lebensraum vorkommt. Anhand ihres dicken Hinterleibes sind Weibchen von Lestes dryas auf Distanz fast schneller und einfacher zu bestimmen als Männchen. Sämtliche anderen weiblichen Lestiden sind deutlich schlanker.

Gemeine Binsenjungfer – Lestes sponsa
Färbung weniger intensiv.
M: S2 meist komplett blau bereift. Augen weniger leuchtend blau. Untere Hinterleibsanhänge gerade und nicht löffelförmig und nach innen gebogen.
W: Deutlich schlanker. Grüne Flecken auf S2 sind dreieckig. Ovipositor endet Ende S10.

Kleine Binsenjungfer – Lestes virens
Unterseite des Hinterkopfes scharf abgegrenzt und gelb. Pterostigmen hellbraun mit weissen Rändern.
M: S2 unbereift. Untere Hinterleibsanhänge kurz und gerade.

Südliche Binsenjungfer – Lestes barbarus
Unterseite des Hinterkopfes scharf abgegrenzt und gelb. Pterostigma zweifarbig, innen hellbraun, aussen weisslich. Antehumeralstreifen auffällig breit und hell. Wirkt insgesamt heller.
M: Höchstens S10 teilweise bereift, sonst unbereift. Hinterleibsanhänge hell, untere Anhänge kurz, nach aussen gebogen.
W: Ovipositor vollständig hell gefärbt. Scheide des Ovipositors abgerundet.

Weidenjungfer – Chalcolestes viridis
Pterostigmen einfarbig hellbraun. Thoraxseite mit spornartiger Zeichnung.
M: Komplett unbereift.