Lestes barbarus
DE:
Südliche Binsenjungfer
EN:
Migrant Spreadwing
Southern Emerald Damselfly
FR:
Leste sauvage
IT:
Leste selvaggio
Verdina barbara
Wissenswertes
Lestes barbarus gehört zu den grösseren Binsenjungfern (Lestes spp.) in der Schweiz. Insgesamt wirkt sie sehr hell und ist eindeutig über ihr zweifarbiges Pterostigma zu bestimmen. In der Schweiz sind keine dauerhaften Populationen bekannt. Sie taucht aber seit vielen Jahren immer wieder bei uns auf.
Merkmale
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Gesamtlänge: 40–45 mm
Körper metallisch grün bis kupferfarben. Antehumeralstreifen auffällig breit und hell. Seiten von S9 und S10 elfenbeinfarben/hell (wirkt gesamthaft sehr hell). Pterostigma zweifarbig, innen hellbraun, aussen weisslich. Unterseite des Hinterkopfes scharf abgegrenzt und gelb. Männchen und Weibchen sind sich ähnlich.
Männchen
Ohne Bereifung, höchstens S10 oberseits teils leicht bereift. Hinterleibsanhänge hell/weiss, untere Anhänge kurz und nach aussen gebogen.
Weibchen
Stets ohne Bereifung, gilt auch für S10. Ovipositor vollständig hell gefärbt. Scheide des Ovipositors abgerundet.
Jungtiere
Dieselben Merkmale wie Adulttiere. Pterostigmen bei sehr jungen Tieren teils einfarbig hell und Farben des Hinterkopfs nur schwach abgegrenzt.
Belegfoto
M: Seitenansicht parallel zur Kamera oder schräg von oben mit sichtbaren Pterostigmen, Hinterleibsanhängen und Hinterkopf.
W: Seitenansicht parallel zur Kamera oder schräg von oben mit sichtbaren Pterostigmen und Hinterkopf oder Detailansicht Legescheide.
Verbreitung
Lestes barbarus ist schwerpunktmässig im Mittelmeerraum verbreitet. In Mitteleuropa kommt die Art bis an die Nord- und Ostseeküste vor. Viele Populationen sind jedoch unstet und hängen von geeigneten Entwicklungsgewässern ab.
In der Schweiz sind keine dauerhaften Populationen bekannt. Temporär tritt die Art vor allem im Mittelland meist unterhalb von 600 m auf. Als wanderfreudige Art wurde sie aber auch in höheren Lagen beobachtet. Im Wallis und im Tessin fehlt sie komplett.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Mitte Juni bis Ende Juli.
Flugzeit: Anfang Juli bis Ende September. Wandernde Tiere werden hauptsächlich von Mitte August bis Ende September angetroffen.
Lebensraum
Die Art stellt hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie bevorzugt kleine Gewässer mit temporärem Charakter oder schwankendem Wasserstand, die sich dank ganztägiger Besonnung schnell erwärmen und mit binsenartigen Gewächsen bestanden sind. Solche Gewässer trocknen im Sommer oft aus. Für eine erfolgreiche Entwicklung muss die Larvenentwicklung vor dem Austrocknen abgeschlossen sein. Die Art kann durch frühzeitiges Trockenfallen des Fortpflanzungsgewässers lokal verschwinden. Wiederum ist winterliches Austrocknen des Gewässers eine Bedingung dafür, dass sie langfristig nicht durch stärkere Arten verdrängt wird.
Die Imagines halten sich gerne abseits des Gewässers in umliegenden Feuchtwiesen oder Brachen auf. Auf ihren Wanderungen werden sie auch weit von geeigneten Brutgewässern entfernt angetroffen.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit dauert sechs Wochen und wird zuerst am Brutgewässer verbracht, später auch in der weiteren Umgebung.
Die Paarung findet am Gewässer statt. Das Weibchen legt die Eier im Tandem ab, bei niedriger Männchen-Dichte auch allein.
Die Eier werden stets über Wasser, meist in Binsen oder Seggen, eingestochen, seltener auch über trockenem Boden.
Exuvien sind meist dicht über der Wasseroberfläche an aufrechten Pflanzenteilen in der Uferzone zu finden.
Lebensweise Larven
Lestes barbarus überwintert im Eistadium. Die Larven schlüpfen im frühen Frühjahr. Sie halten sich während ihrer rund zweimonatigen Entwicklung meist am Grund oder zwischen abgestorbenen Pflanzenteilen auf. Sie verhalten sich sehr lebhaft und reagieren empfindlich auf Prädation und Konkurrenz. Trocknet das Gewässer aus, sterben sie. Noch im selben Jahr entwickeln sie sich zur Imago.
Gefährdung & Schutz
Lestes barbarus ist europaweit nicht gefährdet. Da es in der Schweiz nur wenige Entwicklungsnachweise und keine dauerhaften Populationen gibt, gilt sie nicht als indigen. Ihr Gefährdungsgrad ist deshalb nicht eingeschätzt (NE).
Grund für ihre Seltenheit ist der Mangel an geeigneten Entwicklungsgewässern. Wichtigste Schutzmassnahme ist die Erhaltung bestehender Populationen. Optimale Bedingungen würde Lestes barbarus wohl in einer Auenlandschaft mit ursprünglicher Dynamik vorfinden, die es in der Schweiz kaum mehr gibt.
Zur Förderung der Art lassen sich, insbesondere im Bereich der Flussauen, mehrere nebeneinander liegende Flutmulden und Kleingewässer schaffen. Diese sollten im optimalen Fall von März bis September Wasser führen, dazwischen aber austrocknen und nicht verlanden. Die Mahd der Vegetation sollte nicht vor September erfolgen.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:NE - Nicht beurteilt
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Lestes barbarus ist die einzige einheimische Teichjungfer (Familie Lestidae) mit zweifarbigem Pterostigma. Bei Jungtieren ist das Pterostigma jedoch häufig noch nicht ausgefärbt und deshalb kein sicheres Merkmal. Deshalb sollte bei diesen die Form der äusseren Geschlechtsorgane als Bestimmungsmerkmal verwendet werden. Ähnlichste Art ist die Kleine Binsenjungfer (Lestes virens vestalis), bei dem der untere Teil des Hinterkopf ebenfalls scharf abgegrenzt gelb ist.
Kleine Binsenjungfer – Lestes virens vestalis
Erscheint insgesamt dunkler. Pterostigmen hellbraun mit weissen Rändern.
M: Hinterleibssegmente S9 und S10 vollständig blau bereift. Untere Hinterleibsanhänge nicht divergent.
W: Scheide des Ovipositors mehr zugespitzt.
Gemeine Binsenjungfer – Lestes sponsa und Glänzende Binsenjungfer – Lestes dryas
Hinterkopf und Pterostigmen dunkel.
M: Hinterleibssegmente S2 und S9-S10 blau bereift. Augen blau. Untere Hinterleibsanhänge lang und gerade.
W: Ovipositor zweifarbig, Scheide zugespitzt und ebenfalls zweifarbig.
Dunkle Binsenjungfer – Lestes macrostigma
Beide Geschlechter blau bereift. Bei uns erst einmal (unsicher) nachgewiesen.
Weidenjungfer – Chalcolestes viridis
Hinterkopf dunkel. Pterostigmen einfarbig hellbraun. Ohne auffällig helle Antehumeralstreifen oder helle Seiten von S9-S10.