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Familie:

Aeshnidae

Edellibellen

Gattung:

Aeshna

Mosaikjungfern

DE:

Hochmoor-Mosaikjungfer

EN:

Bog Hawker

Subarctic Hawker

FR:

Aeschne subarctique

IT:

Aeshna subarctica

Dragone artico

Wissenswertes

Die Nominatform Aeshna subarctica subarctica kommt nur in Nordamerika vor. In Europa ist ausschliesslich die Unterart Aeshna subarctica elisabethae zu finden. Zwischen Tieren aus den Alpen und aus dem nördlichen Mitteleuropa gibt es teils Farbunterschiede. Sie ist eine der seltensten Libellenarten der Schweiz, kommt ausschliesslich in höheren Lagen in Moorgewässern vor und ist der viel häufigeren Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) sehr ähnlich. Insgesamt erscheint sie aber einiges dunkler.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 70–76 mm

Thorax braun mit zwei blass gelblichen oder weisslichen bis bläulichen Seitenstreifen. Flügelvorderrand braun (nicht gelb). Hinter den Augen völlig schwarz (ohne gelben Flecken). Waagrechte Linie unterhalb Stirn einheitlich dick (nicht gegen die Augen hin schmaler). Obere Hinterleibsanhänge breit.

Männchen

Abdomen mit viel schwarz und nur kleinen mosaikartigen Flecken in blassen Farbtönen von bläulich, grünlich bis gelblich. Mit langen, schmalen, nagelförmigen und blass bläulichen Antehumeralstreifen.

Weibchen

Abdomen dunkelbraun, mit kleinen gelben bis grünlichen Flecken, die auch bläulich erscheinen können. Antehumeralstreifen kaum sichtbar, auf kleine helle Punkte reduziert. Hinterleibsanhänge von hinten waagrecht in einer Ebene liegend und mit rundlichem Ende. Bei der Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) in V-Stellung und mit spitzem Ende.

Jungtiere

Noch blasser als die ausgereiften Tiere. Frische Jungtiere sind am besten über strukturelle Detailmerkmale wie die breiten Hinterleibsanhänge oder die breite waagrechte Linie im Gesicht zu bestimmen (siehe Artmerkmale). Da frische Jungtiere auf Berührung sehr empfindlich sind, sollen die entsprechenden Merkmale am besten kontaktlos mit einem guten Makro-Objektiv festgehalten werden.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben mit Antehumeralstreifen, Hinterleibsanhänge scharf abgebildet oder Seitenansicht von schräg hinten, so dass der schwarze Hinterkopf ohne gelbe Flecken hinter dem Auge sichtbar ist.


Verbreitung

Aeshna subarctica elisabethae ist eine nördliche Art. In Europa liegt ihr Hauptverbreitungsgebiet rund um die Ostsee und reicht im Norden bis zum 69. Breitengrad. In Mitteleuropa existieren auf Grund der starken Bindung an Hochmoore lediglich lückig verstreute Populationen. 

Auch in der Schweiz ist sie nur inselartig verbreitet. Erste Nachweise der Art stammen von 1970 und 1976. Auch heute beschränken sich die Fundorte auf Regionen mit Hoch- und Zwischenmooren zwischen 900 bis 1900 m. Grössere Vorkommen gibt es nur in der Innerschweiz (Luzern, Obwalden) und im Berner Oberland. Isolierte Vorkommen sind im Kanton Graubünden bekannt. Im Waadtländer Jura konnte Aeshna subarctica elisabethae 1991 nachgewiesen werden. Im Neuenburger Jura gelang 2013 ein Neunachweis. Seither wurde das Vorkommen der in im Rahmen von Hochmoor-Regenerationen geschaffenen Gewässern mehrfach bestätigt. Mit den Arbeiten für die aktuelle Rote Liste wurden zwei Vorkommen an sehr isolierten Standorten, in den Kantonen Glarus und Waadt, bestätigt.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Emergenzperiode: Ende Juni bis Mitte August. Schlupfnachweise sind in der Schweiz selten.
Hauptflugzeit: Ende Juli bis Anfang September, vereinzelt schon ab Ende Juni und bis Anfang Oktober.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Vorwiegend Hochmoore, die mit Torfmoosen bewachsen und meist von Nadelwald umgeben sind, aber grössere baumfreie Zentren aufweisen. Oft liegen diese in Gebieten mit niederschlagsreichem und eher kühlem Klima. Bevorzugt werden nährstoffarme, saure, gut besonnte Gewässer, welche nicht vollständig von Wald eingeschlossen sind.

Lebensweise Imagines

Die Reifezeit verbringt sie bis zu 10 km vom Schlupfgewässer entfernt an lichten Stellen im Wald. Nur ein geringer Teil der Tiere kehrt zum Entwicklungsgewässer zurück, die meisten wandern ab.

Das Paarungsverhalten gleicht dem der Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea). Das Männchen patrouilliert für jeweils etwa eine halbe Stunde an einem Gewässer und zieht dann weiter. Zum Aufwärmen setzt es sich besonders morgens und abends gerne auf besonnte Baumstämme. Das Paarungsrad bildet sich am Gewässer, danach fliegt es in die Baumkronen.

Das Weibchen legt die Eier alleine ab, bevorzugt in horizontaler Lage in Torfmoose, aber auch in totes Pflanzenmaterial oder nassen Uferschlamm. Anders als die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) legt es nie in senkrecht stehender Position ab.

Schlüpft am Vormittag. Exuvien findet man im Gegensatz zu jenen der Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) nur in Hoch- und Zwischenmooren und auch bei ungünstigem Flugwetter, meist wenige Zentimeter über dem Wasser an senkrechter Vegetation oder auch an Torfmoos.

Lebensweise Larven

Den ersten Winter verbringt Aeshna subarctica elisabethae im Eistadium. Die Larven schlüpfen ab Mitte des darauffolgenden Juni. Meist halten sie sich zwischen flutenden Moosen auf. Insgesamt dauert die Entwicklung drei bis vier Jahre. Im letzten Winter vor dem Schlupf zur Imago macht die ausgewachsene Larve einen Entwicklungsstillstand.


Gefährdung & Schutz

Aeshna subarctica wird gemäss der Europäischen Roten Liste der Libellen (2024) als «potenziell gefährdet» (NT) eingestuft. Die verstreuten Populationen der Gebirge Mitteleuropas dagegen sind regional unterschiedlich stark bedroht.

In der Schweiz gilt Aeshna subarctica elisabethae aufgrund der geringen Anzahl an Vorkommen als stark gefährdet (EN) und als national Prioritäre Art. Ihre Entwicklungsgewässer befinden sich fast immer in Hochmooren, welche in der Schweiz selten und überall, trotz gesetzlichem Schutz, gefährdet sind. Beweidung, Überdüngung und Wintertourismus (vor allem Betrieb von Langlaufloipen) sind besonders schädlich für die Entwicklungsgewässer.

Zum Schutz dieser Art muss der gesetzliche Schutz von Hochmooren konsequent durchgesetzt werden. Dies beinhaltet Verzicht auf Drainagen auch in der weiteren Umgebung, Einzäunung von Entwicklungsgewässern zum Schutz vor Weidevieh, Verhinderung jeglicher Nährstoffeinträge und die Aufwertung des Hochmoor-Umfelds (Pufferzonen). Entwässerte Moore können durch entsprechende Massnahmen regeneriert werden. Aeshna subarctica reagiert positiv auf Wiedervernässungsmassnahmen und besiedelt geeignete Habitate offenbar rasch (zum Beispiel Neuenburger Jura). Mit ihrer Vorliebe für kühleres Klima ist es denkbar, dass sie im Zuge der Klimaerwärmung in höhere Lagen verdrängt wird. Fehlt diese Ausweichmöglichkeit, so könnten Populationen auch erlöschen.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    EN - Stark gefährdet
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Die ähnlichste und sehr viel häufigere Art ist die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea). Im Flug sind die beiden Arten kaum zu unterscheiden. Die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) wirkt jedoch durch die grossen und leuchtenden Farbflecken auf dem Abdomen viel bunter und weniger dunkel.

Torf-Mosaikjungfer – Aeshna juncea
Flügelvorderrand gelb. Zwei gelbe Flecken hinter den Augen. Thoraxseiten mit breiteren gelben Bändern, die höchstens oben bläulich enden. Obere Hinterleibsanhänge bei beiden Geschlechtern schmaler. Waagrechte Linie im Gesicht wird gegen die Augen hin schmaler.
M: Blau- und Gelbfärbung leuchtender und kontrastreich voneinander abgegrenzt, nicht blass und verwaschen. Abdomen schwarz, mit grossen blauen und kleinen gelben Flecken.
W: Abdomen mit leuchtend gelben Flecken, die sich im Alter grünlich oder bläulich verfärben.

Herbst-Mosaikjungfer – Aeshna mixta und Südliche Mosaikjungfer – Aeshna affinis
Tieflandarten mit ähnlichem Farbmuster, Höhenverbreitung überlappt aber nicht. Deutlich kleiner.

Alpen-Mosaikjungfer – Aeshna caerulea
Deutlich kleiner. Thorax mit zwei schmalen, S-förmig gewellten, hellen Seitenlinien. Augen berühren sich nur auf einer kurzen Linie.
M: Abdomen schwarz mit grossen, mosaikartigen blauen Flecken.
W: Keine Antehumeralstreifen.

Blaugrüne Mosaikjungfer – Aeshna cyanea
Ebenfalls gross. Antehumeralstreifen sehr breit, oval, grün. Thoraxseiten meist grün mit zwei breiten, schwarzen Schrägstreifen
M: Abdomen schwarz, oberseits mit grünen Flecken auf S1–S7. Flecken auf Abdomenseite und oberseits auf S8–S10 sind blau.
W: Abdomen braun, mit grünen Flecken.

Früher Schilfjäger – Brachytron pratense
Deutlich kleiner. Thorax und oberes Abdomen sind auffällig dicht behaart. S1 mit arttypischem kleinem Fleck zu sehen. Thorax grün, mit zwei durchgehenden schwarzen Linien an der Seite.

Königslibellen – Anax spp.
Thorax einfarbig, ohne Antehumeralstreifen. Abdomen ohne Mosaikzeichnung, beinahe einfarbig oder mit dunklen Längsstreifen.