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Familie:

Aeshnidae

Edellibellen

Gattung:

Aeshna

Mosaikjungfern

DE:

Torf-Mosaikjungfer

EN:

Moorland Hawker

Common Hawker, Sedge Hawker (Amerika)

FR:

Aeschne des joncs

IT:

Aeshna dei giunchi

Dragone alpino

Wissenswertes

Aeshna juncea ist eine sehr grosse Mosaikjungfer und fliegt sowohl im Tiefland als auch in höheren Lagen, wo sie mit Abstand die häufigste Mosaikjungfer ist. In tieferen Lagen ist sie insbesondere mit der dort häufigeren aber deutlich kleineren Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) zu verwechseln. Im Jura, in den Voralpen und Alpen ist eine Verwechslung mit der viel selteneren Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica), mit der sie oft den Lebensraum teilt, möglich.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 65–80 mm

Sehr grosse Aeshna. Thoraxseiten braun mit zwei breiten gelben Bändern, die oben bläulich enden können. Flügelvorderrandader gelb. Dicke T-Zeichnung auf der Stirn. Zwei gelbe Flecken hinter den Augen (selbst im Feldstecher oder auf Fotos sichtbar).

Männchen

Abdomen schwarz, mit relativ grossen blauen und kleinen gelben Flecken. Lange, dünne gelbe Antehumeralstreifen.

Weibchen

Abdomen braun mit gelben Flecken, die sich im Alter grünlich oder bläulich verfärben. Gelbe Antehumeralstreifen kurz.

Jungtiere

Junge Männchen sind weibchenfarbig braun mit gelben Flecken.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben mit Antehumeralstreifen, Hinterleibsanhänge scharf abgebildet oder Seitenansicht von schräg hinten, so dass die gelben Flecken hinter dem Auge sichtbar sind.


Verbreitung

Aeshna juncea ist von vier sehr ähnlichen Arten in Europa die häufigste und am weitesten verbreitete. Von den anderen drei kommt lediglich Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica) in der Schweiz vor. Die Sibirische Mosaikjungfer (Aeshna crenata) und die Baltische Mosaikjungfer (Aeshna serrata) sind in Europa nur in Skandinavien und im baltischen Raum verbreitet. Das geschlossene europäische Verbreitungsgebiet von Aeshna juncea reicht im Süden bis zu den Alpen. Weiter südlich gibt es nur inselartige Vorkommen in Gebirgen.

In der Schweiz ist sie, ausser im Flachland, weit verbreitet und kann in allen Höhenlagen zwischen 200 und 2800 m gefunden werden. In tieferen Lagen ist sie stets nur selten anzutreffen und nicht unbedingt bodenständig. Hingegen ist sie in höheren Lagen meist die häufigste Libellenart überhaupt. Zusammen mit der Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris) gehört Aeshna juncea zu den Arten mit Fortpflanzungsnachweisen auf über 2400 m.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Abhängig von Höhenlage und Lokalklima. Ab Mitte Juni (Tiefland) oder Mitte Juli (Gebirge) über drei bis vier Wochen, im Gebirge bis Ende August.
Flugzeit: Mitte Juni bis Ende September, spärlich bis Mitte Oktober.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Eine typische Moorlibelle, dabei aber nicht ganz strikt an diesen Lebensraum gebunden. Mit zunehmender Höhenlage nimmt die Bindung an Moorgewässer ab. In tieferen Lagen vor allem an Torfstichen und Moorgräben, in mittleren Lagen an kleinen Schlenken bis hin zu moorigen Kleinseen, über der Waldgrenze besiedelt sie alle Arten von Stehgewässern, sofern diese Vegetation aufweisen. Als Reproduktionsgewässer bevorzugt sie solche mit dunklem Untergrund.

Lebensweise Imagines

Die Reifezeit verbringen die Tiere meist weitab der Schlupfgewässer, auch später wandern sie weit umher. Die Männchen patrouillieren meist in recht gemächlichem Flug etwa einen Meter über dem Wasser, rütteln dabei oft und setzen sich nur selten. Sie verweilen nur kurze Zeit an einem Gewässer und ziehen danach weiter, besuchen einzelne Gewässer aber mehrmals täglich. Zu Beginn der Saison fliegen auch Weibchen auffällig über dem Wasser, und signalisieren so Paarungsbereitschaft. Später fliegen sie die Gewässer direkt im Tiefflug an, um ungestört Eier zu legen. Aeshna juncea ist gut an ein Leben in kühlerem Klima angepasst und kann auch Nächte mit Frost und tiefe Temperaturen überleben, wenn es dazwischen wieder warm ist. In höheren Lagen ist sie über andere Gebirgsarten wie Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica) und Alpen-Mosaikjungfer (Aeshna caerulea) dominant.

Das Paarungsrad bildet sich am Gewässer. Danach setzt es sich in einen Baum oder Strauch.

Das Weibchen legt die Eier allein ab, bevorzugt in senkrecht oder schräg stehende pflanzliche Substrate. Den Hinterleib können sie vollständig eintauchen und flattern dabei oft mit den Flügeln, um nicht auszukühlen. Durch das entstehende Flügelgeräusch verrät sie sich dem Beobachter. Um Störungen durch Männchen zu vermeiden, verstecken sie sich in der Vegetation und nutzen zur Eiablage gerne die Randstunden, insbesondere die Abenddämmerung.

Der Schlupf beginnt meist am frühen Morgen. Nur bei hohen Temperaturen schlüpfen die Tiere in der Nacht. Exuvien sind an dichter Vegetation meist über seichtem Wasser zu finden.

Lebensweise Larven

Den ersten Winter verbringt diese Art im Eistadium. Die Larven schlüpfen ab dem darauffolgenden Mai und leben im dichten Gewirr von Wasserpflanzen, auch an senkrechten Torfwänden oder auf dem Gewässergrund. Ältere Larven können ein Austrocknen und Durchfrieren über zwei bis drei Monate überdauern. Einige wandern nachts oder bei Regen auch über Land, vermutlich um neue Gewässer zu erreichen.


Gefährdung & Schutz

Aeshna juncea verzeichnet europaweit einen beachtlichen Rückgang und wird gemäss der Europäischen Roten Liste der Libellen von 2024 als «stark gefährdet» (EN) eingestuft. In der Schweiz ist sie, vor allem im Jura, in den Voralpen und Alpen häufig und gilt darum weiterhin als nicht gefährdet (LC). Allerdings ist der berechnete Entwicklungstrend für Aeshna juncea und weitere eurosibirisch verbreitete Arten in der Schweiz sinkend und eine zukünftige Gefährdungseinstufung auch in der Schweiz möglich. Als kälteliebende Art mit holarktischer Verbreitung und borealer Tendenz könnte Aeshna juncea also künftig in ihrem Bestand zurückgehen, sollte sich die Klimaveränderung fortsetzen. In den Verbreitungsdaten ist ein Rückgang in tief gelegenen Gebieten während der letzten Jahrzehnte erkennbar.
Im Tiefland ist sie zusätzlich mit Verlust und Degeneration mooriger Lebensräume konfrontiert. Im Gebirge kann das Larvenhabitat erhebliche Schäden durch Tritt und Frass von Grossvieh erleiden.

Fördern lässt sie sich im Tiefland durch Grabeneinstau und Neuschaffung von Weihern in Mooren, im Gebirge sollen Gewässer zum Schutz vor weidendem Grossvieh eingezäunt werden. Dank ihrer Wanderfreudigkeit besiedelt sie neue Gewässer schnell.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Im Tiefland hat insbesondere die häufige Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) ein ähnlich gefärbtes Abdomen und Thoraxseiten. Auch die Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis), die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) oder der Frühe Schilfjäger (Brachytron pratense) können mit ihr verwechselt werden. In den Alpen besteht insbesondere Verwechslungsgefahr mit der fast identisch gefärbten Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica).

Hochmoor-Mosaikjungfer – Aeshna subarctica
Wirkt dunkler. Helle Streifen an Thoraxseite weniger breit und blass gefärbt (weniger hell). Flügelvorderrand braun. Keine gelben Flecken hinter den Augen, völlig schwarz. Waagrechte Linie im Gesicht einheitlich dick (bei Aeshna juncea gegen die Augen hin schmaler). Obere Hinterleibsanhänge breiter.
M: Abdomen dunkel mit viel schwarz und kleinen mosaikartigen Flecken in blassen Farbtönen.
W: Abdomen dunkelbraun, mit sehr kleinen und hellen gelben bis grünlichen Flecken.

Herbst-Mosaikjungfer – Aeshna mixta
Deutlich kleiner. Flug hektischer. Abdomen mit kurzem gelbem Keil auf S2, und brauner Flügelvorderkante.
M: Körperhaltung im Flug mit leicht angehobenem Abdomen (bogenförmig). Antehumeralstreifen kurz und gelb.
W: Hinterleibsanhänge auffällig lang (länger als S9–S10 zusammen).

Alpen-Mosaikjungfer – Aeshna caerulea
Deutlich kleiner. Thorax mit zwei schmalen, S-förmig gewellten, hellen Seitenlinien. Augen berühren sich nur auf einer kurzen Linie.
M: Abdomen schwarz mit grossen, mosaikartigen blauen Flecken.
W: Keine Antehumeralstreifen.

Blaugrüne Mosaikjungfer – Aeshna cyanea
Ebenfalls gross. Antehumeralstreifen sehr breit, oval, grün. Thoraxseiten meist grün mit zwei breiten schwarzen Schrägstreifen
M: Abdomen schwarz, oberseits mit grünen Flecken auf S1–S7. Flecken auf Abdomenseite und oberseits auf S8–S10 sind blau.
W: Abdomen braun, mit grünen Flecken.

Südliche Mosaikjungfer – Aeshna affinis
Thoraxseiten grösstenteils hell.
M: Augen auffällig hellblau leuchtend. Thoraxseiten gelb/bläulich/grünlich. Wirkt blau-gelb-blau (Augen-Thorax-Abdomen).
W: Thoraxseiten gelbgrün. Abdomen hellbraun, mit mosaikartigen gelben bis gelbgrünen Flecken

Früher Schilfjäger – Brachytron pratense
Thorax und oberes Abdomen sind auffällig dicht behaart. S1 mit arttypischem kleinem Fleck. Thorax grün, mit zwei durchgehenden schwarzen Linien an der Seite.

Königslibellen – Anax spp.
Thorax einfarbig, ohne Antehumeralstreifen. Abdomen ohne Mosaikzeichnung, beinahe einfarbig oder mit dunklen Längsstreifen.