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Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Ceriagrion

Rubinjungfern

DE:

Zarte Rubinjungfer

Späte Adonislibelle, Scharlachlibelle

EN:

Small Red Damsel

Small Red Damselfly

FR:

Cériagrion délicat

Agrion délicat

IT:

Agrion delicato

Scintilla zamperosse

Wissenswertes

Ceriagrion tenellum ist in Südwesteuropa eine verbreitete Art und in der Schweiz ziemlich selten, obwohl sich die Art in den letzten fünf Jahren an diversen Orten neu etablieren konnte. Grund könnte die fortschreitende Klimaerwärmung sein. Ceriagrion tenellum ist die einzige Kleinlibelle mit rot gefärbten Beinen, weshalb rote Kleinlibellen stets auf dieses Merkmal überprüft werden sollten. Dieses Merkmal unterscheidet sie von der viel häufigeren Frühen Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula).


Merkmale

  • Gesamtlänge: 25–35 mm

Beine rötlich, Abdomen unterschiedlich rot und schwarz gefärbt. Flügelmale rötlich. Keine Postokularflecken. Männchen und Weibchen unterscheiden sich einzig in der Ausdehnung der Schwarzfärbung.

Männchen

Abdomen komplett intensiv rot, keine Antehumeralstreifen.

Weibchen

Abdomen unterschiedlich rot und schwarz gefärbt (Form typica: S4–S8 schwarz; Form erythrogastrum: Abdomen komplett rot; Form melanogastrum: Abdomen-Oberseite komplett schwarz; Form intermedium: Färbung zwischen Form typica und erythrogastrum).

Jungtiere

Gleiche Musterung wie Adulte, Farben blass. Die rötlichen Beine sind auch bei Jungtieren ein verlässliches Merkmal, die Flügelmale dagegen können noch weiss sein.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen oder Sicht auf Beine.
W: Sicht von oben auf Thorax oder Sicht auf Beine.


Verbreitung

Ceriagrion tenellum hat ihr europäisches Verbreitungszentrum in Südwesteuropa (Spanien, Frankreich, Italien). Zudem gibt es Populationen in Norddeutschland, Belgien, den Niederlanden und Südengland.

Ceriagrion tenellum war in der Schweiz nie häufig und kommt in verschiedenen Regionen ziemlich isoliert vor. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen im westlichen Mittelland (Region Neuenburgersee, Bern) und im Jura, im östlichen Mittelland (Kanton Zürich) sowie im Tessin südlich des Monte Ceneri. Kleinstvorkommen gibt es seit längerem bei Giswil und bei Goldau. In den letzten Jahren wurden an einigen Standorten neue Vorkommen entdeckt. Es gibt Hinweise, dass die Art – wie im südlichen Verbreitungsgebiet – auch nördlich der Alpen vermehrt Gräben und kleine Fliessgewässer besiedelt, womit sie künftiger etwas häufiger und an neuen Standorten auftreten dürfte.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Ende Mai bis Anfang August. Maximum Mitte Juni bis Ende Juli.
Flugzeit: Anfang Juni bis Ende August. Höhepunkt: im Juli. 

Diagramm © info fauna

Lebensraum

In der Schweiz kommt Ceriagrion tenellum in zwei Lebensraumtypen vor. Einerseits besiedelt sie Quellwasseraufstösse in Kalkflachmooren mit Kopfbinsen und Binsen, andererseits Verlandungszonen von Stillgewässern mit Schneidebinse. Im Tessin kommt sie auch an Gräben in Feuchtwiesen und künstlichen Tümpeln vor. Alle Entwicklungsgewässer sind im Winter mindestens teilweise eisfrei, führen ganzjährig Wasser, sind klein, seicht, nährstoffarm, gut besonnt und haben einen schlammigen Grund.

Lebensweise Imagines

Die meisten Tiere verbringen die Reifungszeit in der Nähe des Entwicklungsgewässers in der Moorvegetation. Die Art ist ein schwacher Flieger. Die meisten Individuen entfernen sich nicht weit von ihrem Schlupfort. Dennoch wurden Neubesiedlungen in einigen Kilometern Distanz von bestehenden Populationen beobachtet.

Ceriagrion tenellum ist witterungsabhängig. Imagines überleben längere Schlechtwetterperioden kaum. Die Paarung findet meist nahe am Wasser statt. Dabei sieht man die Paarungsräder häufig in der Vegetation sitzen, teils auch weiter vom Gewässer entfernt.

Das Weibchen legt die Eier im Tandem oder allein, über oder unter Wasser, in schwimmende und untergetauchte Pflanzenteile.

Der Schlupf findet nur bei Temperaturen über 20°C an aufrechten Pflanzenteilen, max. 10 cm über der Wasserfläche statt. Exuvien sind sehr schwierig zu finden.

Lebensweise Larven

Ceriagrion tenellum überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert insgesamt ein bis zwei Jahre. Larven halten sich meist im Schlamm oder zwischen Pflanzenteilen auf. Vollständiges Austrocknen und Durchfrieren des Entwicklungsgewässers ertragen sie nicht.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz, am Rande ihres Verbreitungsgebiets, ist Ceriagrion tenellum stark gefährdet (EN) und als National Prioritäre Art eingestuft. Hauptgefährdungsursachen sind das Zuwachsen der Entwicklungsgewässer, Verbuschung und Verschilfung, Austrocknen der Eiablagebereiche sowie die Isolation der verbleibenden Populationen. Europaweit ist die Art nicht gefährdet.

Schutzmassnahmen: Besonnte Schlenken durch Mahd offenhalten. Bei starker Verschilfung zusätzlichen Schnitt durchführen. Dichte der Sträucher gering halten, Hecken zurückschneiden. Wasserhaushalt durch Stauwehre regulieren und damit überflutete Wasserflächen vergrössern.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    EN - Stark gefährdet
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

In der Schweiz kommen nur zwei rot gefärbte Kleinlibellen-Arten vor. Deshalb können adulte Tiere einzig mit der viel häufigeren Frühen Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) verwechselt werden. Besondere Vorsicht ist aber bei Jungtieren geboten, da eine Verwechslung mit den typischerweise orange gefärbten weiblichen Jungtieren der Kleinen Pechlibelle (Ischnura pumilio) möglich ist.

Frühe Adonislibelle – Pyrrhosoma nymphula
Beide Geschlechter haben schwarze Beine, schwarze Pterostigmen und breite, rote Antehumeralstreifen. Zudem fliegt diese Art viel früher im Jahr (Ende April bis Mitte Juni).

Kleine Pechlibelle – Ischnura pumilio
Weibliche Jungtiere mit oranger Grundfarbe (nicht rot), mit schwarzer Zeichnung. Beine hellorange. Oberseite des Thorax ebenfalls orange, mit breiter dunkler Mittellinie (nicht ganz schwarz).