Sympecma paedisca
DE:
Sibirische Winterlibelle
EN:
Sibirian Winter Damsel
FR:
Leste enfant
IT:
Leste di Brauer
Invernina delle brughiere
Wissenswertes
Sympecma paedisca ist nebst der Gemeinen Winterlibelle (Sympecma fusca) die einzige Libellenart Europas, die im Imaginalstadium überwintert. Sie ist der viel häufigeren Gemeinen Winterlibelle (Sympecma fusca) sehr ähnlich und fast nur am ausgebuchteten Unterrand des oberen Bruststreifens eindeutig zu identifizieren. Die Arten sind so ähnlich, dass es bei überlappender Verbreitung zu Fremdpaarungen mit Eiablagen kommen kann. Ob die Eier sich entwickeln, ist hingegen nicht bekannt.
Merkmale
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Gesamtlänge: 36–39 mm
Grundfarbe hellbraun, oberseits mit dunkelbrauner bis kupfern irisierender Zeichnung. Zeichnung auf S3–S6 torpedoförmig. Unterrand des oberen Bruststreifens ausgebuchtet. Alle vier Flügel in Ruhe und zum Aufwärmen meist auf einer Körperseite geschlossen angelegt. Pterostigmen hellbraun und länglich, an Vorder- und Hinterflügel nicht gleich weit von der Spitze entfernt (bei geschlossenen Flügeln beide sichtbar; Gattungsmerkmal). Augen von geschlechtsreifen Tieren – im Frühling zu beobachten – mit bläulichem Glanz. Männchen und Weibchen fast identisch (nur an Geschlechtsteilen zu unterscheiden).
Männchen
Die unteren Hinterleibsanhänge überragen den Basalzahn der oberen nicht.
Weibchen
Die Geschlechtsteile des Weibchens sind wenig charakteristisch.
Jungtiere
Augen hell, ohne blauen Glanz. Dunkelbraune Färbung schimmert zuerst grünlich.
Belegfoto
M/W: Thoraxseite von schräg oben (Bruststreifen sichtbar).
Verbreitung
Die europäische Verbreitung dieser Art konzentriert sich auf den Nordosten. In den übrigen Gebieten ist Sympecma paedisca selten oder abwesend. Die nächstgelegene grosse Population befindet sich in Südbayern.
Die Schweiz stellt somit den Westrand des gesamten Verbreitungsgebietes dar. Bei uns ist Sympecma paedisca seit jeher selten und nur lokal verbreitet. So ist sie aktuell nur noch im Walliser Rhonetal und am Bodensee nachgewiesen. Ältere Funde weisen darauf hin, dass sie vor den grossen Gewässerkorrekturen im Schweizer Mittelland noch weiter verbreitet war. Sie bevorzugt Höhenlagen zwischen 300 bis 600 m.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Ende Juli bis Ende August (vereinzelt ab Anfang Juli und bis Anfang September).
Flugzeit: Imagines können fast das ganze Jahr über beobachtet werden.
Lebensraum
Sympecma paedisca bewohnt vorwiegend flache, sich rasch erwärmende Überflutungs- und Verlandungszonen von Seen, Weihern und Teichen, zudem Moorgewässer sowie grundwasserbeeinflusste Flutmulden und selten auch Abbaugewässer. Bevorzugt werden Gewässerbereiche mit reicher bulten- und schlenkenreicher Vegetation sowie schwankendem Wasserstand. Vorübergehendes Trockenfallen der Gewässer im Frühsommer können die Eier vermutlich überdauern und sich erst im darauffolgenden Jahr entwickeln.
Die Art ist wie die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) auf geeignete Winterquartiere in der Umgebung der Gewässer angewiesen. Dabei handelt es sich teilweise um die Ufervegetation des Entwicklungsgewässers, aber auch um kilometerweit davon entfernte Orte. Sie bevorzugt geschützte Stellen im Wald, kann aber auch unter raueren Bedingungen an windexponierten Orten überwintern.
Lebensweise Imagines
Während der Reifungszeit halten sie sich meist in der näheren Umgebung des Gewässers auf. Danach entfernen sie sich zunehmend auch weiter vom Fortpflanzungsgewässer weg und nutzen die Zeit bis in den Spätherbst zur Jagd, um sich Fettreserven anzulegen. Den Winter verbringen sie meist bis 60 cm hoch frei in der Vegetation entweder in der Ufervegetation des Gewässers oder weiter davon entfernt. Sie überleben eingeschneit oder von Raureif bedeckt nachweislich Temperaturen von bis zu -17 °C. Bei Temperaturen über 0 °C können sie sich bewegen, ab 12 °C sind sie flugfähig. In wärmeren Wintern mit nassem Wetter erlebt die Art Einbussen, weil sie zeitweise aktiv wird und dabei Energiereserven verbraucht.
Im März/April kommen die geschlechtsreifen Tiere an ihre Fortpflanzungsgewässer. Die Männchen verteidigen Reviere und warten auf Weibchen.
Die Eiablage erfolgt in totes Pflanzenmaterial oder grüne Pflanzen und findet meist im Tandem statt.
Der Schlupf erfolgt meist an emersen oder Uferpflanzen 10 bis 20 cm über der Wasseroberfläche.
Dank ihres guten Ausbreitungsvermögens kann die Art neue geeignete Gewässer vermutlich schnell besiedeln.
Lebensweise Larven
Die Larven schlüpfen wenige Wochen nach der Eiablage im Frühling und entwickeln sich in zwei bis drei Monaten.
Gefährdung & Schutz
Gesamteuropäisch ist die Art nicht gefährdet (LC). Aufgrund ihrer spärlichen Verbreitung und lokalen Seltenheit ist Sympecma paedisca in der Schweiz und weiteren Ländern Mitteleuropas vom Aussterben bedroht (CR). Die Schweizer Populationen befinden sich am südwestlichen Rand ihres Verbreitungsgebiets. Die Art war hier immer selten und es bleibt ungewiss, ob sie sich hier halten kann.
Generell sind die Populationen durch Unregelmässigkeiten im Wasserregime, Verbuschung, Freizeitaktivitäten im Uferbereich und Nährstoffeintrag aus der Umgebung gefährdet. Die Population im Wallis ist insbesondere durch ihre Isolation bedroht.
Wichtigste Massnahme ist der konsequente Schutz aller bekannten Standorte sowie eine jährliche Kontrolle der Restpopulationen im Hinblick auf allenfalls notwendige Pflegemassnahmen.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:CR - Vom Aussterben bedroht
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NHV:Geschützt
Artenschutzblatt
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DE:
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FR:
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Sympecma paedisca sieht der viel häufigeren Gemeinen Winterlibelle (Sympecma fusca) sehr ähnlich. Die Arten sind nur anhand eines kleinen Details auf der Thoraxseite zu unterscheiden. Zudem kann es zu Verwechslungen mit Weibchen und Jungtieren der Blauen Federlibelle (Platycnemis pennipes) kommen, die ebenfalls hellbraun bis beige gefärbt sind. Auch sind die meisten frisch geschlüpften Tiere der Schlanklibellen (Familie Coenagrionidae) blass bräunlich gefärbt.
Gemeine Winterlibelle – Sympecma fusca
Äusserer Rand des oberen Bruststreifens gerade, ohne Ausbuchtung.
M: Untere Hinterleibsanhänge überragen den Basalzahn der oberen.
Blaue Federlibelle – Platycnemis pennipes
W: Heller und niemals intensiv dunkelbraun gezeichnet. Thoraxseiten mit zwei schwarzen Streifen. Hinterschienen weiss gefiedert und verbreitert.
Schlanklibellen – Coenagrionidae
J: Pterostigmen der Vorder- und Hinterflügel decken sich bei geschlossenen Flügeln.