Sympecma fusca
DE:
Gemeine Winterlibelle
EN:
Common Winter Damsel
FR:
Leste brun
IT:
Leste bruno
Invernina comune
Wissenswertes
Sympecma fusca ist nebst der Sibirischen Winterlibelle (Sympecma paedisca) die einzige Libellenart Europas, welche im Imaginalstadium überwintert. Imagines können fast über das ganze Jahr beobachtet werden, am einfachsten ist die Art während der Paarungszeit im April und Mai zu finden. Im Winterquartier ist es hingegen sehr schwierig, sie aufzuspüren. Die Gattung ist unverwechselbar, die beiden in der Schweiz vorkommenden Arten sind sehr ähnlich. Die viel häufigere Sympecma fusca kennzeichnet sich durch den mehr oder weniger geraden Aussenrand des oberen Bruststreifens.
Merkmale
-
Gesamtlänge: 34–39 mm
Grundfarbe hellbraun, oberseits mit dunkelbrauner bis kupfern irisierender Zeichnung. Zeichnung auf S3–S6 torpedoförmig. Unterrand des oberen Bruststreifens mehr oder weniger gerade, ohne Ausbuchtung. Pterostigmen hellbraun und länglich, am Vorder- und Hinterflügel nicht gleich weit von der Spitze entfernt, weshalb bei geschlossenen Flügeln beide sichtbar sind (Gattungsmerkmal). Augen von geschlechtsreifen Tieren – im Frühling zu beobachten – mit bläulichem Glanz. Männchen und Weibchen fast identisch, nur an Geschlechtsteilen zu unterscheiden.
Männchen
Untere Hinterleibsanhänge überragen den Basalzahn der oberen Anhänge.
Weibchen
Geschlechtsteile (Eilegeapparat) wenig charakteristisch.
Jungtiere
Augen hell, ohne blauen Glanz. Dunkelbraune Zeichnung kann je nach Lichteinfall metallisch grün erscheinen.
Belegfoto
Thoraxseite von schräg oben!
Verbreitung
In Süd- und Mitteleuropa weit verbreitet und ziemlich häufig.
Auch in der Schweiz besiedelt die Art grosse Teile der Niederungen zwischen 400 und 500 m. Es gibt aber auch bodenständige Vorkommen bis 950 m.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Juli und August.
Flugzeit: Imagines können das ganze Jahr beobachtet werden.
Lebensraum
Besiedelt eine Vielzahl thermisch begünstigter Stehgewässer mit lichtem Röhricht oder lockerem Seggenbewuchs. Die Gewässer sind gut besonnt, weisen Flachwasserzonen auf und liegen in der Nähe von Gehölzen oder Zwergstrauchbeständen.
Landhabitate in der weiteren Umgebung der Gewässer, die sich als Winterquartier eignen, haben eine besondere Bedeutung für Sympecma fusca. Diese sind sonnenexponiert, windgeschützt und strukturreich, beispielsweise Ruderalstellen, Lichtungen oder Gehölzränder.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit verbringt Sympecma fusca in Gewässernähe. Danach zieht sie sich in ihre Winterquartiere zurück. liegen nahe beim Entwicklungsgewässer, können aber bis zu mehrere Kilometer davon entfernt sein. Es handelt sich dabei meist um gut besonnte Waldränder, Lichtungen oder Brachflächen. Mit ihrer braunen Farbe sind sie besonders in abgestorbener Vegetation gut getarnt. Bei warmem Wetter fliegen und jagen sie auch im Winter, bei Kälte verstecken sie sich an geschützten Stellen und können dabei auch eingeschneit werden. Selbst bei Temperaturen von bis zu -4 °C können sie sich noch leicht bewegen. Lange nasskalte Perioden führen zu Verlusten.
In warmen Jahren erscheinen die Tiere bereits im März zur Paarung am Gewässer. Die Männchen besetzen Sitzwarten, meist auf toten Pflanzenteilen, die aus dem Wasser ragen. Sie bevorzugen sonnige Stellen und halten ihre Flügel geschlossen auf der sonnenabgewandten Seite des Abdomens, vermutlich zur optimalen Erwärmung des Körpers. Im Sitzen sind sie gut getarnt. Dem Beobachter fallen oft erst auf, wenn sie kurz auffliegen.
Die Paarung wird abseits des Gewässers in niedriger Vegetation eingeleitet. Danach sitzt das Paarungsrad in der Ufervegetation.
Die Eier werden im Tandem abgelegt, meist in horizontaler Lage in abgestorbene schwimmende Pflanzenteile, seltener an grünen, senkrecht aufragenden Pflanzen.
Der Schlupf findet meist am frühen Morgen an aufrechten Pflanzen in Ufernähe statt.
Lebensweise Larven
Die Larven schlüpfen wenige Wochen nach der Eiablage im Frühling und entwickeln sich in zwei bis drei Monaten bis zur Imago. Sie verhalten sich lebhaft und fressen viel. Meist halten sie sich in Ufernähe zwischen untergetauchten Pflanzen oder auf der Unterseite von Schwimmblattpflanzen auf, an seichten Stellen auch auf dem Grund.
Gefährdung & Schutz
In Europa und in der Schweiz ist die Art «nicht gefährdet» (LC).
Die Art profitiert von der Förderung der natürlichen Auendynamik oder der Neuanlage von Flachgewässern. Zumindest ein Teil des Röhrichts soll über den Winter stehen gelassen werden.
Da für Sympecma fusca die Landhabitate als Winterquartier besonders wichtig sind, ist sie in der Umgebung auf naturnahe Pflege von Waldrändern und Gehölzen angewiesen.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:LC - Nicht gefährdet
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Sympecma fusca sieht der Sibirischen Winterlibelle (Sympecma paedisca) sehr ähnlich. Die Arten sind nur anhand eines kleinen Details auf der Thoraxseite zu unterscheiden. Zudem kann es zu Verwechslungen mit Weibchen und Jungtieren der Blauen Federlibelle (Platycnemis pennipes) kommen, die ebenfalls hellbraun bis beige gefärbt sind. Zudem sind die meisten frisch geschlüpften Tiere der Schlanklibellen (Familie Coenagrionidae) ebenfalls blass bräunlich gefärbt.
Sibirische Winterlibelle – Sympecma paedisca
Äusserer Rand des oberen Bruststreifens mit deutlicher Ausbuchtung.
M: Untere Hinterleibsanhänge reichen nicht bis zum Basalzahn der oberen Anhänge.
Blaue Federlibelle – Platycnemis pennipes
W: Heller und niemals intensiv dunkelbraun gezeichnet. Thoraxseite mit doppeltem schwarzem Streifen. Hinterschienen weiss gefiedert und verbreitert.
Schlanklibellen – Coenagrionidae
J: Pterostigmen der Vorder- und Hinterflügel decken sich bei geschlossenen Flügeln.