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Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Coenagrion

Azurjungfern

DE:

Vogel-Azurjungfer

EN:

Ornate Bluet

FR:

Agrion orné

IT:

Agrion ornato

Azzurrina balcanica

Wissenswertes

Coenagrion ornatum wurde in der Schweiz 1957 zum letzten Mal gesehen und gilt als ausgestorben. Da die Art im selben Lebensraum wie die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) vorkommt, ist es aufgrund intensiver Schutz- und Förderungsmassnahmen für die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) durchaus denkbar, dass Coenagrion ornatum in der Schweiz wieder auftaucht.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 30–31 mm

Relativ kleine aber kräftig gebaute Azurjungfer. Postokularflecken mit gezähntem Hinterrand. Abdomenoberseite beider Geschlechter blau-schwarz gefärbt, bei Weibchen gelegentlich auch grünliche Bereiche. Die Form und die Ausdehnung der schwarzen Farbflecken unterscheiden sich jedoch deutlich.

Männchen

Schwarz-blaue Grundfärbung mit schwarzer «W»-Zeichnung auf S2, die an einen fliegenden Vogel erinnern soll (Achtung: variabel). Auf S3–S6 schwarze Spiesse mit lang ausgezogenen Spitzen.

Weibchen

Thorax mit grüner Grundfarbe. Hinterleib oberseits schwarz mit viel blau an Segmentbasis, unterseits allenfalls grünlich. Zentrale Spitze der Schwarzzeichnung auf S3 und S4 überragt seitliche Spitzen. Pronotum-Hinterrand wellenartig mit kleinem Fortsatz in der Mitte.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte, Farben blass.

Belegfoto

Obschon die Art aufgrund von Färbung und Musterung bestimmbar ist, sollten auf einem Belegfoto für einen Nachweis in der Schweiz unbedingt die Postokularflecken klar zu erkennen sein.
M/W: Sicht auf Abdomen-Oberseite (Postokularflecken!)


Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Südost-Europa. Isolierte Vorkommen sind auch aus Deutschland und Zentralfrankreich bekannt.

Coenagrion ornatum ist in der Schweiz ausgestorben. Der letzte Nachweis gelang im Jahr 1957 am Lobsigensee (BE). Ältere Beobachtungen stammen aus dem Kanton Bern, eine aus Basel.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Relativ kurze Emergenz von Mitte Mai bis Ende Juni.
Flugzeit: Mitte Mai bis Anfang August.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Besiedelt ausschliesslich Fliessgewässer. Meist schmale, langsam fliessende Gräben und Bäche mit guter Besonnung und ganzjähriger Wasserführung, häufig mit dunkler Sohle. Die Gewässer sind mit krautartigen Uferpflanzen und in tieferen Bereichen mit untergetauchten Wasserpflanzen bewachsen. Besiedelte Strecken sind nur abschnittsweise bestockt. Das Habitat ist dem der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) sehr ähnlich. Die Arten können auch zusammen vorkommen.

Lebensweise Imagines

Als Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat werden extensive, noch nicht gemähte Wiesen genutzt.

Geschlechtsreife Männchen sitzen oft auf Krautvegetation im Bachbett oder fliegen in geringer Höhe über offenen Wasserflächen. Die Paarung beginnt meist in der Ufervegetation.

Bei der Eiablage, welche meist im Tandem stattfindet, sticht das Weibchen die Eier unter Wasser in Pflanzenteile ein. In der Regel taucht das Weibchen dabei nur mit dem Hinterleib unter Wasser. Meist breitet sich Coenagrion ornatum nur über einige hundert Meter entlang von offenen Fliessgewässern aus. Zur Besiedlung neuer Gewässer kann die Art auch bis zu wenige Kilometer über Land zurücklegen.

Der Schlupf findet in der Ufervegetation oder an emersen Pflanzenteilen statt.

Lebensweise Larven

Überwinterung im Larvenstadium. Entwicklungsdauer vermutlich ein bis zwei Jahre.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist Coenagrion ornatum ausgestorben (RE), doch ist es nicht auszuschliessen, dass die Art wieder auftauchen könnte.

Allgemeine Gefährdungsursachen: Sediment- und Nährstoffeintrag, Gewässerräumungen, Ackerflächen an Stelle ungemähter Grünflächen am Uferrand, Mahd der Gewässerränder während der Flugzeit, Verbuschung der Ufer, Gewässerausbau, Verfüllung, Entwässerung, Grundwasserabsenkung, Austrocknen.

Schutzmassnahmen: Entscheidend ist der Gewässerunterhalt, ähnliche wie bei der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale). Einrichtung von Pufferzonen und ungenutzten Grünflächen entlang der Gewässer, Entbuschung beschatteter Abschnitte, Durchführung der Böschungsmahd im Herbst oder Winter, zum Beispiel nur einseitig, Sohlenräumung nur abschnittsweise und zeitlich versetzt.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    RE - Regional ausgestorben
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Da Coenagrion ornatum in der Schweiz seit 1957 nicht mehr nachgewiesen wurde, sind allfällige Wiederfunde sorgfältig zu dokumentieren. Eindeutiges Ausschlussmerkmal für alle anderen Arten sind die gezähnten Postokularflecken, die im Feld schwer zu erkennen sind. Die Zeichnung auf S2 beim Männchen ist, besonders in Anbetracht der Variabilität, leicht mit der von der Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum) und der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum), aber auch mit jener der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) oder der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) zu verwechseln. Mit letzteren teilt sie sich auch den Lebensraum. Die Weibchen sind vor allem mit den blauen Formen der Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum) und der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) zu verwechseln.

Helm-Azurjungfer – Coenagrion mercuriale
Bevorzugt das gleiche Habitat, dort ebenfalls eher selten.
M: S2 mit Zeichnung eines «geflügelten» Helms (kein W, Dreispitz), S3–S6 mit weniger spitzen Zeichnung (vor allem S5–S6).
W: Oberseite fast durchgehend schwarz, ohne blau. Pronotum-Hinterrand fast gerade, mit kleinem Lappen.

Hufeisen-Azurjungfer – Coenagrion puella
M: Mit schwarzer U-Zeichnung (Hufeisen) auf S2, S3–S6 mit schwarzen dünnen Ringen (ohne Spiesse) und seitlichen Linien, S7 ist ganz schwarz, blauer Ring zwischen S6 und S7 schmal.
W: Blaue Form sehr ähnlich. Pronotum-Hinterrand schwach-gewellt.

Fledermaus-Azurjungfer – Coenagrion pulchellum
M: Schwarze Fledermaus-Zeichnung auf S2. S3–S6 ohne Spiesse, aber mit seitlichen Linien.
W: Blaue Form sehr ähnlich. Pronotum an zwei Stellen stark eingeschnitten.