Skip to main content

Familie:

Libellulidae

Segellibellen

Gattung:

Orthetrum

Blaupfeile

DE:

Grosser Blaupfeil

EN:

Black-tailed Skimmer

FR:

Orthétrum réticulé

IT:

Orthetrum cancellato

Frecciazzurra puntanera

Wissenswertes

Orthetrum cancellatum ist in der Schweiz der häufigste unter den Blaupfeilen. Die Art wird oft in Landhabitaten angetroffen. Beide Geschlechter sitzen dort gerne auf kiesigen Flächen wie Feldwegen, entlang der Gewässer oder auch im offenen Feld. Sie fliegen sehr auffällig vor Spaziergängern und Radfahrern auf. Imagines wie Exuvien sind schwer von jenen des Östlichen Blaupfeils (Orthetrum albistylum) zu unterscheiden. Südlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum) und Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) sind hingegen einfacher von Orthetrum cancellatum abzugrenzen.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 44–50 mm

Flügelmale schwarz, Gesicht bräunlich, Thoraxoberseite ohne helles Band zwischen Flügelansätzen. Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich gefärbt.

Männchen

Abdomen blau bereift, bei frisch geschlüpften Individuen mit gelben Flecken an den Segmentseiten, am Ende verwaschen ins Schwarze übergehend. Hinterleibsanhänge dunkel. Thoraxseiten ohne helle Diagonalbinden. Augen meergrün.

Weibchen

Abdomen dunkelgelb mit schwarzen, geraden Längsstreifen. Im Alter braun nachdunkelnd, bis kaum mehr eine Zeichnung zu erkennen ist.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Weibchen, heller (fast zitronengelb).

Belegfoto

M: Sicht von oben auf Abdomen, Hinterleibsanhänge, Thoraxoberseite.
W: Sicht von oben auf Abdomen, Hinterleibsanhänge.


Verbreitung

In ganz Europa weit verbreitet. Einzig im hohen Norden fehlt die Art.

Kommt in der Schweiz in allen Landesregionen in tiefen Lagen vor. Die meisten Standorte liegen unter 750 m, im Jura und in den Voralpen gibt es Entwicklungsgewässer bis 1000 m. Dort konnte die Art wahrscheinlich etwas in höhere Lagen vordringen. Die deutliche Ausdehnung des Verbreitungsgebietes ist aber auch als Folge der intensivierten Beobachtung zu werten.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Mai bis Mitte Juli (lange Emergenz), selten bis August.
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte September (Maximum: Mitte Juni bis Mitte August).

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Orthetrum cancellatum besiedelt unterschiedliche Gewässer mit grossen freien Wasserflächen. Meist sind es natürliche oder künstliche Seen und Weiher mit offenen, vegetationsarmen Bereichen. Ideal sind auch frische Sekundärgewässer, zum Beispiel in Kiesgruben. An Altwassern und grösseren Flüssen kommt die Art nur in geringer Dichte vor.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringen die Jungtiere meist an Gehölzrändern oder auf offenen Flächen. Häufig sitzen sie in der Vegetation.

Reife Männchen sitzen meist am Ufer auf offenem Boden, auf Röhrichthalmen oder Ästen von Ufergehölzen, seltener auch auf Algenwatten oder Treibholz. Sie verteidigen Reviere und fliegen wellenförmig oder ruckartig 10–20 cm über der Wasseroberfläche. Rivalen werden attackiert und vertrieben. Sobald ein Weibchen am Wasser erscheint, wird es verfolgt und in der Luft ergriffen. Die Paare fliegen meistens noch einige Zeit herum, bevor sie die Kopulation in der Vegetation oder am Boden sitzend beenden.

Die Eiablage findet über der offenen Wasserfläche statt. Mit wippenden Bewegungen streift das Weibchen, oft bewacht vom Männchen, die Eier an verschiedenen Stellen im Wasser, teilweise über Wasserpflanzen, ab.

Der Schlupf findet manchmal recht weit vom Wasser entfernt statt, manchmal auch direkt am Ufer an Röhrichtpflanzen. Die meist schlammverkrusteten Exuvien können vom aufmerksamen Beobachter an beiden Orten relativ leicht entdeckt werden.

Lebensweise Larven

Orthetrum cancellatum überwintert im Larvenstadium, die Entwicklung dauert ein Jahr (teilweise zwei Jahre). Die Larven halten sich auf dem Gewässergrund auf. Meist sind sie im Schlamm eingegraben und können so auch gut mit Fischen zusammenleben. Sofern der Boden nicht durchfriert, können sie in trockengefallenen Gewässern auch einige Wochen im feuchten Grund überdauern.


Gefährdung & Schutz

Die Art ist in der Schweiz und in Europa «nicht gefährdet» (LC). Negative Auswirkungen haben das Verbauen von Seeufern, Verlandung von Weihern, Kanalisierung von Fliessgewässern und Verfüllen von Abbaugewässern.

Mit dem Erhalten von naturnahen Abbaugewässern, See- und Flussufern, sowie der Neuschaffung und Wiederherstellung von Pioniergewässern kann Orthetrum cancellatum gefördert werden.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Die ähnlichste Art ist der Östliche Blaupfeil (Orthetrum albistylum). Der Südliche Blaupfeil (Orthetrum brunneum) und der Kleine Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) sind leichter abzugrenzen. Die Männchen können zudem mit weiteren blau bereiften Arten aus den Gattungen der Segellibellen (Libellula spp.) und Moosjungfern (Leucorrhinia spp.) verwechselt werden. Bei Weibchen und Jungtieren gibt die schwarzgelbe Färbung auf den ersten Blick oft Anlass zu Verwechslungen mit Arten der Keiljungfern (Gomphus spp.).

Östlicher Blaupfeil – Orthetrum albistylum
In der Schweiz nur lokal verbreitet, dort aber im gleichen Habitat anzutreffen. Abdomen schlanker und zierlicher.Färbung mit ausgeprägten Kontrasten.
Abdomen heller blau bereift. Hintere Segmente scharf abgesetzt schwarz, Gesicht und Hinterleibsanhänge weiss. Thorax mit kontrastierenden hellen Diagonalbinden, Thoraxoberseite mit hellem Band zwischen Flügelansätzen.
W: Ebenfalls kontrastreich beige-schwarz gemustert. Gesicht, S10 und Hinterleibsanhänge weiss. Schwarze Längsstreifen am Hinterleib wellenförmig.

Südlicher Blaupfeil – Orthetrum brunneum und Kleiner Blaupfeil – Orthetrum coerulescens
Beide Arten sind seltener, können aber im selben Lebensraum wie Orthetrum cancellatum vorkommen. Beide sind deutlich kleiner und zierlicher. Flügelmal braun/gelblich.
M: Abdomen komplett blau bereift. Augen blau bis blaugrün.
W: Abdomen ohne schwarze, seitliche Längsstreifen.

Spitzenfleck – Libellula fulva
Kommt an Gewässern mit Schilfgürtel oft zusammen mit Orthetrum cancellatum vor. Abdomen breiter und flacher. Schwarzes Dreieck an Hinterflügelbasis. Tiere setzen sich nicht auf den Boden.
Nach der Paarung mit dunklen Paarungsmarken in der blaugrauen Abdomenbereifung (von weitem sichtbar). Durch graue Augen und schwarzes Gesicht eindeutig von allen Libellenarten unterscheidbar.

Plattbauch – Libellula depressa
Bevorzugt Gewässer in frühen Sukzessionsstadien. Abdomen viel breiter und flacher (auch im Flug gut sichtbar). Grosses schwarzes Dreieck an Hinterflügelbasis. Tiere setzen sich nicht auf den Boden.
M: Abdomen komplett blau bereift mit gelben Flecken an den Segmentseiten.

Östliche Moosjungfer – Leucorrhinia albifrons und Zierliche Moosjungfer – Leucorrhinia caudalis
M: Weisses Gesicht und weisse Hinterleibsanhänge. Schwarze Flecken an Flügelbasis.

Keiljungfern – Gomphus spp.
Hinterleib sowie gelbe Mittellinie immer schmaler. Abdomenende meist keilförmig verbreitert. Augen berühren sich nicht.