Orthetrum brunneum
Familie:
Libellulidae
Segellibellen
Gattung:
Orthetrum
Blaupfeile
DE:
Südlicher Blaupfeil
EN:
Southern Skimmer
FR:
Orthétrum brun
IT:
Orthetrum bruno
Frecciazzurra celeste
Wissenswertes
Typische Art von Gewässern mit Pioniercharakter, sowohl von Weihern als auch von Stillgewässern mit offenen, besonnten Bodenstellen. An Gräben und Bächen kann sie zusammen mit dem selteneren, aber sehr ähnlichen Kleinen Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) vorkommen. Die Männchen sitzen meist am Boden und sind scheu.
Merkmale
-
Gesamtlänge: 41–49 mm
Mittelgrosser Blaupfeil. Ohne Antehumeralstreifen. Pterostigmen hell und relativ kurz (weniger als 4 mm). Männchen und Weibchen unterscheiden sich stark.
Männchen
Körper inklusive Thorax komplett blau bereift. Augen blau, Gesicht weisslich. Flügelmal rötlich-braun.
Weibchen
Körper komplett bräunlich oder gelblich. Hinterleib mit dünner schwarzer Mittellinie und paarweisen Punkten beidseits der Linie (S3–S7). Flügelmal gelbbraun, Augen blaugrau. Unterseite von S8 bauchig erweitert.
Jungtiere
Selbe Merkmale wie Weibchen, heller. Blaupfeile färben eher langsam aus, deshalb gibt es bei den Männchen verschiedene Übergangsformen.
Belegfoto
M: Sicht auf Abdomen und Thorax mit Stirn.
W: Sicht von oben auf Abdomen.
Verbreitung
Das Hauptverbreitungsgebiet befindet sich in West- und Südeuropa und erstreckt sich bis ins nördliche Mitteleuropa. In Skandinavien und Grossbritannien fehlt die Art. Seit den 1990er Jahren verschiebt sich das Verbreitungsgebiet der Art nordwärts.
In der Schweiz hauptsächlich in tiefen Lagen bis 700 m: Mittelland, Jura, Alpennordflanke, Tessin, Walliser Rhonetal und Rheintal. Fehlt im Engadin.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Mitte Mai bis Ende Juli.
Flugzeit: Anfang Juni bis Ende August.
Lebensraum
Orthetrum brunneum bevorzugt stehende, vegetationsarme Pioniergewässer sowie frisch renatuierte Bäche, Gräben und Kanäle mit kahlen Ufern. Sie findet sich aber auch in Moorgräben. Häufig kommt die Art in Sekundärlebensräumen wie Kies- und Lehmgruben vor. Stehende Gewässer sind oft klein, untief, gut besonnt, vegetationsarm und warm. Zudem führen sie ganzjährig Wasser, sind eisfrei und von offenen Böden umgeben. Stark beschattete Gewässer mit üppigem Uferbewuchs sowie grosse Fliessgewässer werden nicht besiedelt.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit verbringen frisch geschlüpfte Tiere an wärmebegünstigten, windstillen Stellen. Dabei wandern sie auch weit umher und besiedeln Pioniergewässer rasch.
Am Entwicklungsgewässer sitzen reife Männchen bevorzugt an kahlen, besonnten Stellen auf dem Boden und verhalten sich territorial. Als Jagd- und Sitzwarte dienen auch Stauden und Gebüsche.
Weibchen kommen nur zur Fortpflanzung ans Gewässer. Bei der Paarung ergreift das Männchen das Weibchen im Flug, danach setzen sie sich auf den Boden oder in niedrige Vegetation.
Die Eiablage findet aus dem Wippflug über seichten meist schlammigen und kaum bewachsenen Stellen statt. Das Weibchen taucht dabei das Hinterleibsende ins Wasser und streift die Eier an der Wasseroberfläche ab. Das Männchen bewacht das Weibchen im Schwirrflug und wehrt Rivalen ab.
Schlupfsubstrat sind emerse Pflanzen oder Uferpflanzen. An offenen Gewässern sind die Exuvien an kurzen emersen Pflanzenteilen knapp über dem Wasser gut sichtbar.
Lebensweise Larven
Orthetrum brunneum überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert ein Jahr (teilweise zwei Jahre). Die Larven leben oberflächlich im Schlamm eingegraben oder auf grundnahen Wasserpflanzen oder Armleuchteralgen. An Stellen mit Feinsedimenten hinterlassen die Larven oft Kriechspuren.
Gefährdung & Schutz
Die Art ist in Europa und in der Schweiz nicht gefährdet (LC). In der Schweiz besiedelt sie hauptsächlich Sekundärlebensräume mit Pioniercharakter. Diese können ohne Pflege schnell verlanden oder verschwinden.
Wichtigste Fördermassnahme ist deshalb die Pflege, der Erhalt und die Neuerstellung von Pioniergewässern in ausreichender Dichte. Weitere Fördermassnahmen sind das renaturieren von Bächen mit flachen, nicht bepflanzten Buchten, die abschnittsweise Pflege von Gräben in Feuchtwiesen sowie das Anlegen von flachen Weihern auf Rohböden.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:LC - Nicht gefährdet
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Orthetrum brunneum muss besonders sorgfältig vom Kleinen Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) abgegrenzt werden. Die Arten kommen an Fliessgewässern oft zusammen vor. Die Männchen können auch mit Männchen der beiden grösseren Blaupfeile sowie den blauen Segellibelle (Libellula spp.) verwechselt werden. Die Weibchen müssen dagegen eher von Weibchen der Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) und den Heidelibellen (Sympetrum spp.) unterschieden werden.
Kleiner Blaupfeil – Orthetrum coerulescens
Ähnlichste Art in der Schweiz, bevorzugt seichte Fliessgewässer. Meist mit Antehumeralstreifen.
M: Abdomen ebenfalls komplett blau bereift. Stirn gelblich-bräunlich, Thorax erst im Alter blau bereift.
W: Ebenfalls braun-gelb. Pterostigma lang und gelblich, Unterseite von S8 ohne bauchige Erweiterung. Schwarze dünne Mittellinie auf Hinterleib meist mit schwarzen kurzen Querbalken am Ende jedes Segments.
Grosser Blaupfeil – Orthetrum cancellatum und Östlicher Blaupfeil – Orthetrum albistylum
Flügelmal schwarz.
M: Nur obere Hälfte des Abdomens blau bereift.
W: Schwarze Längslinien auf Abdomenseiten.
Spitzenfleck – Libellula fulva und Plattbauch – Libellula depressa
M: Schwarzes Dreieck an Hinterflügelbasis, Abdomen breiter und flacher, Thorax dunkel.
Feuerlibelle – Crocothemis erythraea
W: Ockergelber Fleck an Hinterflügelbasis. Helle Antehumeralstreifen und heller Strich zwischen Flügelbasen. Abstehende Legescheide.
Heidelibellen – Sympetrum spp.
W: Oft deutlich kleiner und zierlicher. Abdomen ähnlich gefärbt und gemustert, aber meist mit schwarzen Punkten in der Mitte von S8–S9. Augen nie komplett blau-grau.