Gomphus vulgatissimus
DE:
Gemeine Keiljungfer
EN:
Common Clubtail
Club-tailed Dragonfly
FR:
Gomphe vulgaire
IT:
Gonfo volgare
Gonfo comune
Wissenswertes
Gomphus vulgatissimus ist eine mittelgrosse und bei uns häufige Flussjungfer von insgesamt eher dunklem Erscheinungsbild. In der Westpaläarktis ist sie die häufigste und am weitesten verbreitete von neun Arten derselben Gattung, welche sehr schwierig zu unterscheiden sind. Nebst Fliessgewässern besiedelt sie bei uns seltener auch flache Ufer von Seen. Sie nutzt die Vegetation als Sitzwarte und ist bei seichten Fliessgewässerabschnitten mit Sand und Schlick zu finden.
Merkmale
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Gesamtlänge: 45-50 mm
Abdomen mit viel schwarz, gelbe Mittellinie nur von S1–S7. Hinteres Abdomen (S8 und S9) in der Mitte schwarz und keilförmig verbreitert. Thoraxseite mit nur zwei kompletten schwarzen Linien (mittlere nur angedeutet), hinterste gegen das Bein hin gegabelt. Einzige Art der Gattung Gomphus mit komplett schwarzen Beinen. Männchen und Weibchen sehr ähnlich.
Männchen
Grundfarbe erst gelb, im Alter aber stark grünlich bis leicht bläulich verfärbend. Augen blaugrün.
Weibchen
Grundfarbe gelb. Augen grün bis graugrün.
Jungtiere
Junge Männchen sind gelb wie Weibchen.
Belegfoto
Ganze Libelle von oben, hinteres Abdomen (vor allem S8) gut sichtbar oder Thoraxseiten parallel zur Kamera, Beine gut sichtbar.
Verbreitung
In Mittel- und Osteuropa ist Gomphus vulgatissimus weit verbreitet und kommt hauptsächlich im Tiefland vor.
In der Schweiz liegt ihr Hauptverbreitungsgebiet im Mittelland entlang der grösseren Flüsse. Lokal kommt sie auch im nördlichen Jura und an der innerschweizer Nordflanke vor. In den Alpen fehlt sie bis auf Einzelfunde bei Sierre, im Tessin kommt sie an der Tresa vor und wurde auch im Lago Maggiore nachgewiesen. Die meisten Entwicklungsgewässer liegen unter 600 m, der höchste Entwicklungsnachweis gelang an einem See auf 1036 m. Zudem sind herumstreifende Individuen bis über 1400 m anzutreffen.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Mai bis Juli. Maximum Mitte Mai bis Ende Juni.
Flugzeit: Mai bis Mitte August. Maximum Ende Mai bis Anfang Juli.
Lebensraum
Gomphus vulgatissimus bewohnt mittelgrosse bis grosse Flüsse, Kanäle und grössere Bäche der Brachsmen- und Barbenregion, teilweise auch der Äschenregion. Seltener kommt sie an ufernahen, sandigen Flachwasserzonen von Seen vor. Dabei bevorzugt die Art leicht bestockte Ufer. Besonders während der Reifezeit kann sie aber noch kilometerweit weit weg von ihrem Entwicklungsgewässer in der Landschaft beobachtet werden.
Lebensweise Imagines
Die relativ kurze Reifungszeit verbringen sie oft auf Waldlichtungen weit weg vom Entwicklungsgewässer.
Paarungsbereite Männchen sitzen in der Vegetation besonnter Ufer und starten von dort zu Patrouilleflügen über dem Wasser. Dabei wechseln sie oft zwischen verschiedenen Warten und Uferabschnitten und bleiben kaum mehr als eine Stunde durchgehend am Wasser.
Die Paarung wird am Wasser eingeleitet und endet meist in Baumkronen. Danach fliegt das Weibchen zurück in die Ufervegetation und presst einen Eiballen aus. Diesen streift es dann paketweise in der Gewässermitte aus dem Flug direkt ins Wasser ab und wiederholt danach diese Prozedur mehrmals.
Der Schlupf findet meist morgens und unweit vom Wasser statt, bevorzugt an flachen steinigen Ufern, aber auch an vertikalen Wänden. Während dem Schlupf sind die Tiere anfällig auf Wellenschlag und fallen zudem oft Prädatoren wie Bachstelzen zum Opfer.
Lebensweise Larven
Gomphus vulgatissimus überwintert im Larvenstadium. Die Larven halten sich meist eingegraben in sandigem Grund mit hohem Detritusanteil (Laubreste) auf. Zur Nahrungssuche graben sie sich durchs Substrat und lauern auf Beute oder laufen nachts aktiv auf dem Grund. Die Entwicklung dauert zwei bis drei (maximal vier) Jahre und ist stark temperaturabhängig.
Gefährdung & Schutz
Europaweit ist Gomphus vulgatissimus nicht gefährdet. Lokal ist sie in vielen Ländern jedoch anders eingestuft. In der Schweiz ist sie nicht gefährdet (LC) und keine national prioritäre Art.
Die wichtigsten Gefährdungsursachen sind Verschmutzung der Fliessgewässer, Uferverbauungen, fehlende Feinsedimente und übermässiger Freizeitbetrieb, insbesondere Bootsbetrieb. Fördern lässt sich die Art durch strukturelle Verbesserungen der Fliessgewässer (Renaturierung von Flussufern und Revitalisierung ehemaliger Auen), Verbesserung der Geschiebedurchgängigkeit, Anpassung von Unterhaltsarbeiten und Einschränkung des Freizeitbetriebs.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:LC - Nicht gefährdet
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:Geschützt
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Flussjungfern (Gomphidae) sind im Feld generell schwierig zu bestimmen, da sie selten lange aus der Nähe beobachtet werden können. Zur Artbestimmung ist ein möglichst gutes Foto von Vorteil. Am ähnlichsten sind die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus), die Eurasische Keulenjungfer (Stylurus flavipes) und die Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus).
Westliche Keiljungfer – Gomphus pulchellus, Eurasische Keulenjungfer – Stylurus flavipes und Gelbe Keiljungfer – Gomphus simillimus
Abdominalsegmente S8–S10 oberseits mit gelben Flecken in der Mitte. Beine stets mit Gelb.
Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus
Beine gelb-schwarz, nie komplett schwarz.
M: Grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge (unverwechselbar).
W: Abdomenoberseite mit gelben, oben breiten dreieckigen Flecken (keine durchgehende Linie).
Grüne Flussjungfer – Ophiogomphus cecilia
Oberkörper vom Kopf über den Thorax bis S2 vollständig grün.