• Familie: Gomphidae – Flussjungfern
  • Gattung: Stylurus – Keulenjungfern
  • Art: Stylurus flavipes, Gomphus flavipes (Charpentier, 1825)
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  • DE: Eurasische Keulenjungfer, Asiatische Keiljungfer
  • FR: Gomphus à pattes jaunes
  • IT: Gonfo a zampe gialle, Gonfo zampegialle
  • EN: River Clubtail, Yellow-legged Clubtail

Wissenswertes

Stylurus flavipes wurde bislang der Gattung Gomphus zugeordnet. Aufgrund molekulargenetischer Studien gehört die Art nun zur Gattung Stylurus. Stylurus flavipes ist eine typische Libelle grosser Fliessgewässer und die grösste Art der Gattungen Gomphus und Stylurus. In der Schweiz wurde sie zum ersten Mal im Jahr 2008 nachgewiesen. Alle Beobachtungen gelangen am Rhein und ausschliesslich über Exuvien.

StyFla10 M MW
StyFla20 W DK01
StyFla21 W OB
StyFla22 W MP
StyFla40 J OB

 

Merkmale

Gesamtlänge: 50-55 mm

Grundfarben gelb und schwarz. Thoraxoberseite mit deutlichet gelber T-Zeichnung und beidseitig je einem ovalen, fast vollständig von schwarz umrandeten gelben Flecken. Abdomen schmal, Oberseits schwarz mit gelber Mittellinie (auch S8 in der Mitte gelb). Mittlerer schwarzer Streifen auf Thoraxseite nicht durchgehend, hinterster Streifen zu den Beinen hin nicht gegabelt. Schenkel weitgehend gelb, Schienen schwarz mit gelben Streifen. Männchen und Weibchen ähnlich.

Männchen

Thorax im Alter mit Grünstich (nie sattgrün wie bei Ophiogomphus cecilia). Hinteres Abdomen keilförmig verbreitert. Augen blaugrün.

Weibchen

Grundfarbe leuchtend gelb. Hinteres Abdomen etwas weniger schlank und weniger keilförmig verbreitert. Augen grünlich.

Jungtiere

Junge Männchen sind wie Weibchen leuchtend gelb, Augen hell.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben, Thoraxoberseite gut sichtbar. / Thoraxseiten möglichst detailliert und Beine.

Verbreitung

Das europäische Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Frankreich bis Griechenland und Estland. In Mitteleuropa kommt Stylurus flavipes nur lückig vor und beschränkt sich vor allem auf grosse Ströme. Aktuell scheint sie sich in Mitteleuropa aber wieder auszubreiten. In der Türkei wird sie von der sehr ähnlichen Gomphus ubadschii abgelöst, die manchmal auch als Unterart angesehen wird.

In der Schweiz wurde Stylurus flavipes 2008 zum ersten Mal nachgewiesen. Alle Meldungen stammen ausschliesslich vom Rhein. Es fehlt bisher eine solide Datengrundlage.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: In Mitteleuropa lang und wenig synchronisiert von Ende Mai bis Anfang August, in der Schweiz unbekannt.
Flugzeit: In Europa Anfang Juni bis September.

Lebensraum

Stylurus flavipes kommt hauptsächlich an grösseren Strömen und Unterläufen von Flüssen vor. Wichtig sind eine feinsandige Sohle und strömungsberuhigte Stellen. Besiedelt werden auch Altarme mit schwacher Strömung.
In der Schweiz wurde die Art bisher ausschliesslich am Rhein gefunden.

Lebensweise Imagines

Während der relativ langen Reifungszeit (ca. 2 Wochen) können sie sehr weit vom Wasser weg fliegen. Über Wiesen jagen sie in wellenförmigem Flug.
Paarungsbereite Männchen sitzen gerne auf sonnigen Sandufern, von wo aus sie zu längeren Patrouillenflügen über Wasser starten. Die Paarung wird im Flug eingeleitet und endet im Sitzen.

Das Weibchen streift die Eier aus dem Flug direkt ins Wasser ab. Auf grössere Distanz kann es dabei an ein eierlegendes Weibchen von Orthetrum cancellatum erinnern.

Weibchen werden generell selten beobachtet, da sie sich entweder im Landhabitat oder über dem Wasser breiter Flüsse aufhalten.

Die Larven kriechen vor dem Schlupf meist eine kurze Strecke über Land bis sie geeignete Strukturen finden. Exuvien sind auf Steinen, Pflanzen oder auf dem Sandboden zu finden. Neue Nachweise werden am einfachsten über Exuvien gemacht. Dazu ist eine Suche vom Wasser her mit einem Schlauchboot zu empfehlen.

Lebensweise Larven

Den ersten Winter verbringt Stylurus flavipes im Eistadium. Die Larve schlüpft im folgenden Februar/März. Die Larven halten sich ausschliesslich im Substrat auf dem Gewässergrund auf. Die Entwicklungsdauer ist stark von der Wassertemperatur abhängig und dauert insgesamt zwei bis vier Jahre.

Gefährdung und Schutz

Diese Art ist in Europa aufgrund der relativ heimlichen Lebensweise weniger bekannt als andere Arten. Sie gilt gesamteuropäisch als nicht gefährdet und scheint sich seit 1990 weiter auszubreiten. Lokal ist ihre Situation unterschiedlich eingeschätzt. In der Schweiz ist sie aufgrund mangelnder Datengrundlage nicht eingeschätzt (DD).

Auch zu Schutz- und Fördermassnahmen ist bisher wenig bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie von Schutzmassnahmen, die auf andere Arten der Familie Gomphidae ausgerichtet sind, ebenso profitieren kann, insbesondere von strukturellen Verbesserungen der Fliessgewässer.

  • Rote Liste: DD - Ungenügende Datengrundlage
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Stylurus flavipes kann mit allen Arten der Familie Gomphidae verwechselt werden. Am ähnlichsten erscheinen die bei uns häufige Gomphus vulgatissimus, die an Stehgewässern vorkommende Gomphus pulchellus und die ebenfalls seltene Gomphus simillimus. Bei Arten der Gattung Onychogomphus kann es einzig zur Verwechslung mit Weibchen kommen. Onychogomphus Männchen sind leicht an den zangenförmigen Hinterleibsanhängen zu erkennen. Auch Ophiogomphus cecilia ähnelt Stylurus flavipes in Grösse, Gestalt und Verhalten. Kopf, Thorax und vorderer Abdomenbereich sind jedoch grün.

Gomphus vulgatissimus – Gemeine Keiljungfer
Etwas kleiner. S8-S10 dunkel (immer ohne gelben Flecken in der Mitte). Beine komplett schwarz. Thorax ohne typische T-Zeichnung.

Gomphus pulchellus – Westliche Keiljungfer
Kleiner. Thoraxseiten mit durchgehendem, leicht gewelltem schwarzem Mittelstrich.
M: Abdomen hinten nicht deutlich keilförmig verbreitert. Thorax ohne typische T-Zeichnung.

Gomphus simillimus – Gelbe Keiljungfer
Etwas kleiner. Abdomen breiter. Hinterste schwarze Linie an Thoraxseite gegen das Bein hin gegabelt. Beine mehr schwarz, nur mit dünnem gelbem Längsstreifen. Thorax ohne typische T-Zeichnung.

Onychogomphus spp. – Zangenlibellen
M: Grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge (unverwechselbar).
W: Abdomenoberseite mit gelben, oben breiten dreieckigen Flecken (keine durchgehende Linie). Thorax ohne typische T-Zeichnung.