• Familie: Platycnemididae – Federlibellen
  • Gattung: Platycnemis – Federlibellen
  • Art: Platycnemis pennipes (Pallas, 1771)
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  • DE: Blaue Federlibelle, Gemeine Federlibelle, Federlibelle
  • FR: Agrion à larges pattes
  • IT: Agrion a zampe larghe
  • EN: Blue Featherleg, White-legged Damselfly

Wissenswertes

Als einzige Vertreterin ihrer Gattung in der Schweiz ist Platycnemis pennipes trotz ihrer farblichen Variation sehr einfach an den verbreiterten und gefiederten Hinterschienen zu erkennen. Da sie eine sehr lange Schlupfperiode hat, können den ganzen Sommer über immer wieder frische, helle Jungtiere beobachtet werden.

PlaPen10 M DK01
PlaPen11 M AB01
PlaPen12 M CK01
PlaPen20 W CK01
PlaPen21 W CK01
PlaPen22 W BK01
PlaPen30 P TL01
PlaPen31 P BK01
PlaPen40 J BK0
PlaPen60 S AB02

 

Merkmale

Gesamtlänge: 35-37 mm

Beine hell mit schwarzen Längsstreifen. Schienen des 2. und 3. Beinpaares verbreitert und gefiedert. Kopf mit zwei hellen Querstreifen, Augen relativ weit auseinander stehend. Thorax mit doppeltem Antehumeralstreifen (Thorax erscheint „stark gestreift“). Schwarze Abdomen-Zeichnung variabel (von Luftfeuchtigkeit beim Schlupf abhängig; je feuchter, desto mehr schwarz). Abdomenende ohne helles Schlusslicht, mit dünner heller Mittellinie. Männchen und Weibchen meist unterschiedlich gefärbt.

Männchen

Grundfarbe hellblau.

Weibchen

Grundfarbe grünlich, cremefarben oder ebenfalls hellblau.

Jungtiere

Zuerst rosa, später porzellanweiss.

Belegfoto

M/W: Beine/Hinterschienen gut erkennbar!

Verbreitung

Platycnemis pennipes ist in Europa weit verbreitet. Einzig auf der Iberischen Halbinsel, in den Alpen und im hohen Norden fehlt sie.

In der Schweiz ist die Art im Mittelland, den Voralpen, im Wallis und im Tessin verbreitet und häufig. Sie bevorzugt Höhenlagen zwischen 400-500 m. Gelegentlich wird sie aber bis 1000 m beobachtet.

 
 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Mai bis Anfang August (Maximum: Mitte Mai bis Anfang Juli).
Flugzeit: Ende Mai bis Ende August (selten ab Mai und bis September).

Lebensraum

Als Charakterart der Flussauen kommt sie an langsam fliessenden und stehenden Gewässern, wie Flüsse, Bäche, Kanäle, oder Altarme vor, besiedelt aber auch Kiesgruben, Seen und Fischteiche. Diese sind typischerweise gut besonnt, nährstoff- und krautreich und von Röhricht oder Gehölzen umstanden. Die meisten sind fischreich und viele davon fischereilich genutzt.

Lebensweise Imagines

Die Reifungsphase verbringen sie fernab vom Fortpflanzungsgewässer. Auch die geschlechtsreifen Tiere entfernen sich im Tagesverlauf weiter vom Gewässer als andere Kleinlibellen.

Männchen und Weibchen drohen ihren Rivalen im Flug indem sie die verbreiterten Tibien zeigen.
Die Paarbildung geschieht meist abseits des Gewässers.

Die Eiablage erfolgt im Tandem, das Weibchen legt nach der Trennung nicht weiter ab. Die Eier werden meist knapp unter der Wasseroberfläche in nasses Pflanzenmaterial gelegt. Besonders beliebt sind die Stiele der Teichrosen. Oft kommt es dabei zu auffälligen Ansammlungen von mehreren Paaren. Für das einzelne Paar verringert sich dadurch die Gefahr, während der Eiablage von einem Wasserfrosch erbeutet zu werden.

Der Schlupf findet meistens an Röhrichthalmen statt.

Lebensweise Larven

Platycnemis pennipes überwintert im Larvenstadium, meist sind sie univoltin, teilweise auch semivoltin. Die Larven halten sich zwischen Wasserpflanzen und auf dem Grund zwischen totem Pflanzenmaterial auf, manchmal auch zwischen Wurzeln, unter Totholz oder zwischen Steinen. Sie sind wenig aktiv und können durch ihre unauffällige Lebensweise gut mit Fischen koexistieren.

Gefährdung und Schutz

Platycnemis pennipes ist in der Schweiz und in Europa nicht gefährdet.

Sie profitiert von Fliessgewässer- und Auen-Revitalisierungen, abschnittsweiser, alternierender Ufermahd an kleineren Fliessgewässern sowie Förderung der Ufervegetation an Weihern und Fischteichen.

  • Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Männchen von Platycnemis pennipes können insbesondere mit blauen Männchen (oder Männchen-farbigen Weibchen) der Familie Coenagrionidae verwechselt werden. Weibchen sehen manchmal den ebenfalls beige-/hellbraun-farbigen Winterlibellen sehr ähnlich, besonders den Jungtieren.

Coenagrion spp. – Azurjungfern und Erythromma lindenii – Pokal-Azurjungfer, Enallagma cyathigerum – Gemeine Becherjungfer
M: Grundfarbe dunkler blau. Augenabstand weniger gross. Einfacher Antehumeralstreifen. Hinterschienen nicht verbreitert. Blaues Schlusslicht auf unterem Abdomen (um S9). Kopf mit Postokularflecken (nicht zwei durchgehende helle Querlinien).

Sympecma spp. – Winterlibellen
M/W: Hinterschienen nicht verbreitert. Einfacher Antehumeralstreifen. Ausgefärbte Tiere mit brauner torpedoförmiger Zeichnung auf Abdomenoberseite.