• Familie: Corduliidae – Falkenlibellen
  • Gattung: Oxygastra – Flussfalken
  • Art: Oxygastra curtisii (Dale, 1834)
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  • DE: Gekielter Flussfalke, Gekielte Smaragdlibelle
  • FR: Cordulie à ventre fin
  • IT: Cordulia di Curtis, Smeralda di fiume
  • EN: Orange-spotted Emerald

Wissenswertes

Oxygastra curtisii kommt in der Schweiz nur im Südtessin vor. Mit den leuchtend grünen Augen und dem dunkelgrünen Abdomen mit einer gelb-orangen Fleckenkette ist sie unverwechselbar.

Oxycur11 M BK02
Oxycur12 M BK01
Oxycur20 WJ BK01
Oxycur21 W CB01
Oxycur22 W CB02
Oxycur30 P BK01

 

Merkmale

Gesamtlänge: 47-54 mm

Grundfarbe dunkelgrün metallisch glänzend. Augen leuchtend grün. Abdomenoberseite mit einer Kette von langen gelben bis orangen Flecken von S1-S7. Abdomen schlank, am Ende keulenartig verdickt, in der Mitte von S10 befindet sich ein weisser Fleck. Membranula komplett weiss. Flügelbasen safrangelb getönt. Gesicht vollständig dunkelgrün. Männchen und Weibchen sind ähnlich gefärbt.

Männchen

Abdomen schlanker, am Ende stärker keulenförmig. Der weisse Fleck auf S10 erhebt sich zu einem kleinen Kiel. Hinterleibsanhänge länger als beim Weibchen.

Weibchen

Abdomen etwas breiter und weniger stark keulenförmig. Safrantönung der Flügelbasen meist ausgedehnter.

Jungtiere

Ähnlich den Adulten. Augen rötlich lila bis pflaumenfarbig. Flügel rauchig getönt.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben.

Verbreitung

Oxygastra curtisii ist vorwiegende im westlichen Mittelmeerraum verbreitet, mit Schwerpunkt in Frankreich. Sie ist in Südwesteuropa und Marokko endemisch und zudem weltweit einziger Vertreter ihrer Gattung.

In der Schweiz ist sie nur im Südtessin zu finden, wo sie vor allem am Luganer- aber auch am Origliosee vorkommt. Zudem wurde sie vermehrt an der Tresa, dem Ausfluss des Luganersees, festgestellt. Sie entwickelt sich bei uns ausschliesslich unterhalb von 500 m. Jagende Individuen wurden auch auf den umliegenden Hügeln bis 1000 m Höhe beobachtet.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Juni bis Juli.
Flugzeit: Juni bis Oktober (Hauptflugmonat: Juli).

Lebensraum

Während Oxygastra curtisii im Hauptverbreitungsgebiet hauptsächlich an Fliessgewässern und Kanälen vorkommt, besiedelt sie in der Schweiz bevorzugt Seen. Die Ufer sind mit Bäumen, häufig Erlen, bestockt und weitgehend unverbaut. Sie kommt sowohl am steilufrigen Luganer- als auch am flacheren Origliosee vor. Beobachtungen von der Tresa beruhen möglicherweise auf Larvendrift und Dispersion. Besonders am Luganersee sind grosse, direkt am Ufer stehende Bäume und alte, lückige Ufermauern wichtige Strukturelemente ihres Lebensraumes.

Lebensweise Imagines

Zur Reifung und Jagd sucht Oxygastra curtisii vielfältige Landhabitate in der Umgebung der Entwicklungsgewässer auf: Sonnige Kastanienwälder, Waldlichtungen, Hecken oder auch Wiesen, Feldwege und Gärten. Dort jagen sie einzeln oder in kleinen Gruppen im Kronenbereich von Bäumen. Erste Paarungen können bereits im Reifehabitat stattfinden.

Am Gewässer patrouillieren die Männchen über der offenen Wasserfläche entlang der Uferlinie in sonnigen und schattigen Bereichen. Sie fliegen dabei geradlinig, seltener auch zickzackartig, mit langsamen und schnellen Gleit- und gelegentlichen Rüttelphasen.
Die Eiablage erfolgt ohne Begleitung des Männchens in Ufernähe aus dem Flug ins freie Wasser, meist in Nischen und Höhlungen, unter überhängenden Ästen oder zwischen Baumwurzeln.

Der Schlupf findet nachts oder am frühen Morgen statt. Die Exuvien findet man meist senkrecht hängend an Bäumen, Felsen oder Mauern, bis zu 3 m über dem Wasser.

Lebensweise Larven

Oxygastra curtisii überwintert im Larvenstadium. Im Luganersee und der Tresa, welche nur wenige Wasserpflanzen aufweisen, halten sich die Larven vermutlich meist in grösserer Tiefe auf. Am Origliosee befinden sie sich wahrscheinlich zwischen Wurzeln der Uferpflanzen. Die Entwicklung dauert zwei bis drei Jahre.

Gefährdung und Schutz

Oxygastra curtisii ist in Südwesteuropa und Marokko endemisch und europaweit als potenziell gefährdet eingestuft. In der Schweiz gilt sie aufgrund des isolierten Vorkommens als stark gefährdet (EN).

Damit die Art langfristig bei uns überleben kann, ist sie weiterhin auf naturnahe Ufer mit geeigneten Strukturen angewiesen. Gefällte und umgefallene Uferbäume sollen ersetzt werden, Uferbefestigungen sollen naturnah, aber nicht durch Lebendverbau mit Weidengeflechten vorgenommen werden. Zudem müssen Motorboote einen gewissen Mindestabstand zum Ufer einhalten, um Wellenschlag zu verhindern. Starker Besatz durch exotische Fische wirkt sich ebenfalls negativ aus.

Zum Artenschutzblatt

  • Rote Liste: EN - Stark gefährdet
  • Nationale Priorität: 3 - Mittlere Priorität
  • NHV: Geschützt

Ähnliche Arten

Oxygastra curtisii ist bei guter Beobachtung unverwechselbar. Keine andere Falkenlibelle hat gelbe Flecken auf der Oberseite des Abdomens.