• Familie: Gomphidae – Flussjungfern
  • Gattung: Ophiogomphus – Flussjungfern
  • Art: Ophiogomphus cecilia (Fourcroy, 1785)
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  • DE: Grüne Flussjungfer, Grüne Keiljungfer
  • FR: Gomphe serpentin
  • IT: Gonfo serpentino
  • EN: Green Snaketail, Green Clubtail

Wissenswertes

In der Schweiz ist Ophiogomphus cecilia die grösste Art ihrer Familie und an der Grünfärbung des Vorderkörpers leicht zu erkennen. Imagines können gut von einem Boot aus beobachtet werden, da sie sich gerne darauf niederlassen. Oft ist sie jedoch einfacher durch Exuvienfunde nachzuweisen. Dazu empfiehlt sich die Suche von der Wasserseite her. Gelegentlich wird auch noch ihr alter Name Ophiogomphus serpentinus angetroffen.

OphCec10 M FK01
OphCec11 M TL01
OphCec12 M AB01
OphCec40 J DK01
OphCec41 J CB01
OphCec60 S CK01

 

Merkmale

Gesamtlänge: 50-60 mm

Kopf inkl. Augen, Thorax und S1-S2 auffällig grün. Thorax mit dünnen schwarzen Linien. Abdomenoberseite schwarz mit gelben Flecken auf S3-S10. S8-S9 keilförmig verbreitert, oberseits mit runden gelben Flecken. Beine gelb mit schwarzen Streifen. Hinterleibsanhänge auffällig hell, gelblich bis weiss. Männchen und Weibchen sehr ähnlich.

Männchen

Abdomen schlank mit stark verbreitertem Ende. Hinterflügelbasis winklig.

Weibchen

Abdomen breiter und Ende weniger stark verbreitert. Helle Flecken auf Abdomenseite oft eher weisslich als gelb. Hinterflügelbasis abgerundet.

Jungtiere

Grundfarbe gelblich-schwarz. Grüne Färbung an Kopf und Thorax entwickelt sich erst später.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben, Abdomenende (v.a. S8) gut sichtbar.

Thoraxseiten mit Beinen parallel zur Kamera abbilden.

Verbreitung

Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt im Osten Europas. In Mitteleuropa ist sie eher lokal verbreitet.

In der Schweiz war die Art früher an den Flüssen des Mittellands vermutlich weit verbreitet. Heute ist sie vor allem an tief gelegenen Flüssen in der Nordschweiz zu finden und in den letzten Jahren breitete sie sich zudem etwas nach Süden und Westen aus. Ihre Entwicklungsgewässer liegen zwischen 300-600 m, herumstreifende Individuen können in höheren Lagen bis 1600 m angetroffen werden.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Juni bis Anfang August (Maximum: Ende Juni bis Anfang Juli; abhängig von der Wassertemperatur).
Flugzeit: Juni bis Mitte Oktober (Maximum: August).

Lebensraum

Ophiogomphus cecilia ist an Fliessgewässer gebunden. Das Spektrum reicht von kleinen beschatteten Bächen bis zu Mittelläufen grösserer Flüsse. In der Schweiz sind Populationen an Mittelläufen grosser und kleiner Tieflandflüsse bekannt. Dabei werde Gewässerabschnitte mit sonnigen Uferpartien direkt unterhalb grösserer Seen bevorzugt, da diese auf Wasserhaushalt und Wassertemperatur eine Pufferwirkung ausüben. Ein strukturreiches Umland mit Feldern, Wiesen und Wäldern als Landlebensraum ist für die Art wichtig.

Lebensweise Imagines

Die relativ lange Reifungszeit (2-3 Wochen) verbringen die Tiere meist abseits des Gewässers. Auch während der Fortpflanzungszeit (insbesondere anfangs August) können reife Tiere noch weit umherstreifen und dabei in höheren Lagen angetroffen werden.

Zur Partnersuche sitzen die Männchen in offenen Uferbereichen, bevorzugt auf Steinen oder Holz im Fluss, manchmal auch an exponierten Stellen in der Ufervegetation. Dabei sind sie scheu und störungsanfällig, und weisen eine hohe Fluchtdistanz auf. Von den Warten aus starten sie zu längeren Patrouillenflügen über der Flussmitte. Danach kehren sie oft zur angestammten Sitzwarte zurück, wechseln aber im Verlauf des Tages die Warten sowie die Uferabschnitte. Morgens und abends sind sie in der Umgebung des Gewässers anzutreffen.

Das Weibchen kehrt nach der Paarung allein ans Wasser zurück und presst am Ufer sitzend Eiballen aus dem Hinterleib. Dann fliegt es zur Flussmitte und streift auf dem Hin- und Rückweg die Eier direkt ins Wasser ab.

Der Schlupf findet meist morgens oder spätabends statt. Exuvien sind direkt am Ufer auf verschiedensten Substraten wie Uferpflanzen, Wurzelgeflecht von Weiden oder bemoosten Steinen zu finden.

Lebensweise Larven

Ophiogomphus cecilia überwintert in der Regel im Larvenstadium. Spät abgelegte Eier können aber überwintern. Die Larven halten sich meist im Gewässergrund im sandigen Sediment der Uferbereiche auf. Die Entwicklung dauert zwei bis vier, meistens drei Jahre.

 

Gefährdung und Schutz

Europaweit ist die Art dank grosser Bestände im Osten nicht gefährdet. In der Schweiz ist sie aufgrund ihres beschränkten Vorkommens als stark gefährdet (EN) eingestuft.

Wichtigste Gefährdungsursachen sind die Begradigung und Kanalisierung sowie harte Uferverbauungen von Fliessgewässern. Zudem ist die Unterbindung des natürlichen Geschiebetriebs sowie die Beschattung durch Ufergehölze ein Problem für O. cecilia. Auch beeinträchtigt die Erholungsnutzung der Gewässer, wie Wellenschlag von Motorbooten während der Schlupfzeit und Badebetrieb, die Art.

Prioritäre Fördermassnahme ist die Renaturierung von Fliessgewässern. Wichtig sind zudem eine gute Wasserqualität, eine naturnahe Gestaltung der Uferbereiche, Offenhaltung des Umlandes sowie die Regulierung der Erholungsnutzung.

Zum Artenschutzblatt

  • Rote Liste: EN - Stark gefährdet
  • Nationale Priorität: 2 - Hohe Priorität
  • NHV: Geschützt

Ähnliche Arten

Ophiogomphus cecilia ist an der satten Grünfärbung des Vorderkörpers leicht zu erkennen und ausgereifte Tiere sind praktisch unverwechselbar. Jungtiere sind hingegen noch nicht grün gefärbt und schwieriger zu bestimmen. Insbesondere ist eine Verwechslung mit den beiden häufigen und im selben Lebensraum vorkommenden Arten Onychogomphus forcipatus und Gomphus vulgatissimus möglich.

Onychogomphus forcipatus – Kleine Zangenlibelle
Thoraxoberseite stärker schwarz gemustert (erscheint wie zwei schwarz umrandete gelbe Augen).
M: Zangenartige Hinterleibsanhänge. Körper typisch S-förmig geschwungen.
W: Abdomenende nicht keilförmig verbreitert. Hinterleibsanhänge gelb, nicht weisslich.

Gomphus spp. – Keiljungfern
Gelbe Mittellinie auf Abdomenoberseite relativ dünn (nicht mit stark verbreiterten Dreiecken). Hinterleibsanhänge schwarz (nicht hell).