• Familie: Gomphidae – Flussjungfern
  • Gattung: Onychogomphus – Zangenlibellen
  • Art: Onychogomphus uncatus (Charpentier, 1840)
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  • DE: Grosse Zangenlibelle
  • FR: Gomphe à crochets
  • IT: Gonfo a uncini, Gonfo pinzato
  • EN: Large Pincertail, Blue-eyed Hooktail

Wissenswertes

Onychogomphus uncatus ist in der Schweiz ausgestorben und wurde 1979 zum letzten Mal am Rhein festgestellt. Da die Art O. forcipatus sehr ähnlich ist, müssen Beobachtungen dieser Art genau überprüft und durch detaillierte Fotos belegt werden.

OnyUnc10 M CB01
OnyUnc11 M CB02
OnyUnc12 M CB03
OnyUnc13 M CB04
OnyUnc40 J CB01

 

Merkmale

Gesamtlänge: 50-53 mm

Augen auffällig blau bis blaugrau (ähnlich O. f. unguiculatus). Nur ein gelber Streifen zwischen den Augen. Körperfärbung schwarz-gelb und sehr variabel. Äusserer schwarzer Streifen auf Thoraxoberseite nicht eingeschnürt und nicht mit schwarzem Rückenband verbunden. Zwei hintere schwarze Bänder auf Thoraxseite durchgehend, ausgedehnt und teilweise verwachsen.

Männchen

Hinterleibsanhänge zangenförmig. Obere Anhänge meist leuchtend gelb (nicht braun). Untere Anhänge ohne Fortsatz an der Spitze.

Weibchen

Abdomen etwas dicker, oberseits mit grösseren gelben Dreiecken. Hintere Segmente nicht verbreitert

Jungtiere

Mit Jungtieren ist in der Schweiz kaum zu rechnen.

Belegfoto

Libelle von oben, Thorax und Hinterleibsanhänge gut sichtbar. Oberer Thorax und Augen in Grossaufnahme. Thoraxseiten in Grossaufnahme parallel zur Kamera. Detailaufnahme der unteren Hinterleibsanhänge von der Seite (nur M).

Verbreitung

Onychogomphus uncatus ist in Europa rund um das westliche Mittelmeer verbreitet.

In der Schweiz gab es früher ein inselartiges Vorkommen am Rhein, wo sie sogar häufig war. Mit abnehmender Qualität des Lebensraums wurde sie jedoch seltener und wurde 1979 zum letzten Mal nachgewiesen.
Es ist denkbar, dass die Art bei uns von Südwesten her wieder einwandert.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Juni bis Mitte August.
Flugzeit: Ende Juni bis Anfang September.

Lebensraum

Das erloschene Vorkommen in der Schweiz war das am weitesten flussabwärts gerichtete Vorkommen überhaupt. Im Mittelmeergebiet kommt die Art eher in der Bachregion vor und ist in den Hauptrinnen der Flüsse selten. Sie bevorzugt Bäche, Nebengerinne von Altarmen und durchströmte Kanäle und kommt bis 1000 m vor.

Lebensweise Imagines

Über ihre Lebensweise in der Schweiz ist wenig bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese nicht gross von derjenigen ihrer Vorkommen im Mittelmeerraum abweicht.

Reife Tiere jagen meist in offenen, vegetationsarmen Bereichen nahe den Fliessgewässern. Männchen warten auf Steinen nahe der Wasseroberfläche auf Paarungspartner. Artgenossen werden vehement vertrieben. Dabei fliegen sie zwischendurch kurz auf und fliegen über dem Wasser.

Das Männchen ergreift das Weibchen am Gewässer, danach fliegt das Paarungsrad in nahe Büsche und Bäume.

Lebensweise Larven

Onychogomphus uncatus überwintert im Larvenstadium. Die Larven leben bevorzugt eingegraben im Gewässergrund und lauern auf Beute. Ein zeitweiliges Austrocknen des Gewässers können die Larven für einige Tage im feuchten Gewässer. Die Entwicklung dauert in der Regel drei Jahre, ausnahmsweise zwei oder vier.

Gefährdung und Schutz

In ihrem Hauptverbreitungsgebiet im westlichen Mittelmeerraum ist die Art noch relativ häufig und nicht gefährdet (LC). In der Schweiz ist sie ausgestorben (RE).

Der letzte Nachweis der Art am Rhein erfolgte im Jahr 2000 auf deutscher Seite. Seither sind keine Tiere mehr gefunden worden. Ob es im Zuge einer Klimaerwärmung zur Ausbreitung der Art in den Norden kommen kann ist unklar. Sollte es dazu kommen, könnte die Art wie die anderen einheimischen Flussjungfern durch weitere Revitalisierungen von Fliessgewässern gefördert werden.

  • Rote Liste: RE - Regional ausgestorben
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: Geschützt

Ähnliche Arten

Onychogomphus uncatus kann grundsätzlich mit allen Vertretern der Familie Gomphidae verwechselt werden. Am ähnlichsten ist O. f. unquiculatus, welche ebenfalls blaue Augen und eine sehr ähnliche und variable Körperfärbung aufweist.

Onychogomphus forcipatus unguiculatus – Westliche Zangenlibelle
Zwei gelbe Bänder zwischen den Augen (nicht nur eines). Äusserer schwarzer Streifen auf Thoraxoberseite eingeschnürt, oben mit schwarzem Rückenband verbunden. Schwarzes Rückenband erreicht den Thoraxvorderrand in der Mitte nicht. Dadurch erscheint ein durchgehendes, gelbes Halsband. Das mittlere schwarze Band auf den Thoraxseiten ist in der Regel unterbrochen. Untere Hinterleibsanhänge mit Fortsatz an der Spitze.

Onychogomphus forcipatus forcipatus – Kleine Zangenlibelle
Augen grün. Sonst dieselben Unterscheidungsmerkmale wie bei O. f. unguiculatus.

Ophiogomphus cecilia – Grüne Flussjungfer
Kopf und Thorax vollständig grün gefärbt (gilt bei jungen Weibchen nicht). Thoraxoberseite deutlich weniger schwarz gemustert, keine schwarz umrandeten augenförmigen Flecke.

Gomphus spp. – Keiljungfern
Abdomenoberseite stets mit relativ durchgehender, dünnen gelben Mittellinie. Keine isolierten, oben breiten dreieckigen Flecken.
M: Ohne grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge.

 

Gomphus spp. – Keiljungfern
Oberes Abdomen stets mit relativ durchgehender dünnen gelben Mittellinie (keine isolierten, oben breiten dreieckigen Flecken).
M: Ohne grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge.