• Familie: Lestidae – Teichjungfern
  • Gattung: Lestes – Binsenjungfern
  • Art: Lestes virens (Charpentier, 1825)
  • Unterart: Lestes virens vestalis (Rambur, 1842)
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  • DE: Kleine Binsenjungfer
  • FR: Leste verdoyant
  • IT: Leste virente, Verdina minore
  • EN: Small Spreadwing, Late Spreadwing, Small Emerald Damselfly

Wissenswertes

Sie ist die kleinste, zierlichste und späteste einheimische Binsenjungfer mit Hauptflugzeit im September, wenn die Hauptflugzeit der häufigeren Lestes sponsa abgeklungen ist. Lestes virens vestalis ist in Mitteleuropa verbreitet und in der Schweiz die einzige nachgewiesene Unterart.

LesVir10 M TR01
LesVir11 M DK01
LesVir12 M CK01
LesVir20 W CK02
LesVir21 W TR01
LesVir22 W CK01
LesVir50 S AB01
Lesvir80 Z01
Lesvir80 Z02

 

Merkmale

Gesamtlänge: 30-39 mm

Klein und zierlich. Körper metallisch grün, im Alter kupferfarben. Hinterkopf wie bei Lestes barbarus scharf abgegrenzt gelb gefärbt. Pterostigmen hellbraun mit weissen Seitenrändern.

Männchen

Blaue Abdominal-Bereifung auf S9-10 beschränkt (fehlt am oberen Abdomen). Untere Hinterleibsanhänge kurz und gerade.

Weibchen

Ohne blaue Bereifung. Ovipositor reicht nur bis zum Ende von S10, überragt dieses nicht. Ovipositor sehr hell (wie Lestes barbarus), Scheide leicht zugespitzt (nicht rund).

Jungtiere

Einzige verlässliche Merkmale sind die Genitalien. Hinterkopf- und Pterostigmenfarben nicht eindeutig.

Belegfoto

M: Libelle von oben mit gut sichtbarer Abdomenbasis und Hinterkopf (Pterostigmen).
W: Libelle von oben mit gut sichtbarem Hinterkopf und Pterostigmen. / Hinterleib, bzw. Ovipositor von der Seite.

Verbreitung

Lestes virens ist eine südliche Art mit einer Verbreitung von Nordafrika bis zur Ostsee. In Europa kommen zwei sehr ähnliche Unterarten vor. Die Nominatform L. v. virens besiedelt den westlichen Mittelmeerraum und Sizilien. Im übrigen Europa, somit auch in der Schweiz, findet man ausschliesslich L. v. vestalis.

In der Schweiz war die Art früher im ganzen Mittelland verbreitet. Heute ist sie selten und aktuelle Nachweise beschränken sich weitgehend auf die Nordostschweiz, wo sie allerdings in den letzten 15 Jahren wieder leicht zugelegt hat. Die meisten Fundorte liegen zwischen 400 und 600 m, gelegentlich wird sie auch höher festgestellt.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Ende Juni bis August.
Flugzeit: Juli bis September (vereinzelt auch vorher oder bis Oktober/November).

Lebensraum

Gut besonnte, stehende Gewässer geringer Tiefe mit lockerer bis mässiger Emersvegetation aus Binsen, Sumpfbinsen, Seggen oder Schachtelhalmen. Günstig sind langsam verlandende Torfgewässer mit dünnhalmigen Pflanzen. Gewässer mit starker Beschattung oder dichtem Schilf- und Rohrkolbenbewuchs werden gemieden. Wichtig ist bei Lestes virens auch der Landlebensraum im nahen Umkreis des Entwicklungsgewässers. Zur Jagd, Ruhe und Reifung hält sie sich gerne in umliegenden Streuwiesen, Moorheiden und an lichten Waldrändern auf.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit wird in geeignetem Habitat in der Umgebung des Brutgewässers verbracht. Männchen erscheinen vor den Weibchen wieder am Fortpflanzungsgewässer.

Die Paarung findet am Wasser statt. Dabei sitzen die Paarungsräder meist an der Wasser- oder Ufervegetation.

Die Eiablage beginnt meistens im Tandem, das Weibchen legt aber oft alleine weiter ab, nachdem sich das Männchen getrennt hat. Die Eier werden in frische oder trockene über das Wasser ragende Pflanzen gestochen. Das Weibchen taucht dabei nie ganz ab, sondern höchstens bis zu den Hinterflügeln.

Exuvien sind an dünnhalmigen Pflanzen über dem Wasser zu finden.

Lebensweise Larven

Lestes virens überwintert im Eistadium. Die Larven schlüpfen im Frühling und halten sich meist zwischen abgestorbenen Teilen von Wasserpflanzen auf. Eine Überflutung des Gewässers mit kühlerem Wasser wirkt sich negativ auf ihre Entwicklung aus, ein Austrocknen des Gewässers während dieser Zeit überleben sie nicht. Noch im selben Jahr schlüpfen die Larven zur Imago.

Gefährdung und Schutz

Europaweit ist Lestes virens nicht gefährdet (LC). Da in der Schweiz viele Populationen ganz verschwunden sind, ist sie hier als vom Aussterben bedroht (CR) eingestuft und hat eine hohe nationale Priorität (2).

Der Rückgang dieser Art ist im Schweizer Mittelland vor allem auf die grossflächige Entwässerung von Sümpfen und Mooren zurückzuführen. Die verbliebenen Lebensräume sind heute meist geschützt. Absinkende Grundwasserspiegel, Verwachsen oder Beschattung der Entwicklungsgewässer gefährden die Art aber weiterhin.

Eine genaue Überwachung der bestehenden Populationen sowie des Wasserregimes in den Entwicklungsgewässern (kein Austrocknen während der Larvalentwicklung!) sind grundlegende Voraussetzungen für ihren Schutz. Sind Populationen rückläufig, werden Pflegemassnahmen nötig, wie zum Beispiel das Auslichten von dichter Vegetation und Gehölzen, ohne Zerstörung der emersen Wasservegetation (Zerstörung von Eigelegen). Eine besondere Bedeutung hat auch die Erhaltung geeigneter Landhabitate in der Nähe der Entwicklungsgewässer. Umliegende Wiesen sind extensiv zu nutzen und alternierend zu mähen. Die Art breitet sich generell nur langsam aus. Neue Gewässer in unmittelbarer Nähe bestehender Populationen werden aber schnell besiedelt.

Zum Artenschutzblatt

  • Rote Liste: CR - Vom Aussterben bedroht
  • Nationale Priorität: 2 - Hohe Priorität
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Lestes virens ist die einzige einheimische Art mit scharf abgegrenztem gelbem Hinterkopf und hellbraunem Pterostigma mit weissen Seitenrändern. Insbesondere bei Jungtieren, bei denen das Pterostigma noch hell ist und auch der gelbe Hinterkopf schwer zu beurteilen sein kann, sind Farbe und Form der Geschlechtsteile häufig die verlässlichsten Merkmale. Am ähnlichsten sind Weibchen von Lestes barbarus, welche ebenfalls einen gelben Hinterkopf aufweisen, und von Lestes sponsa, bei welchen die Pterostigmen manchmal auch weiss umrandet erscheinen.

Lestes barbarusSüdliche Binsenjungfer
Deutlich grösser und heller. Antehumeralstreifen breit und weiss. Seiten von S9-S10 hell. Pterostigmen zweifarbig, aussen hell, innen dunkel.
M: Ohne blaue Bereifung. Die unteren Hinterleibsanhänge sind zudem divergent.
W: Scheide des Ovipositors gerundet.

Lestes sponsa und Lestes dryas – Gemeine und Glänzende Binsenjungfer
Hinterkopf und Pterostigmen dunkel.
M: S2 und S9-S10 blau bereift. Augen blau. Untere Hinterleibsanhänge lang und gerade.

Chalcolestes viridis – Weidenjungfer
Hinterkopf dunkel. Pterostigmen einfarbig hellbraun.