• Familie: Lestidae – Teichjungfern
  • Gattung: Lestes – Binsenjungfern
  • Art: Lestes dryas (Kirby, 1890)
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  • DE: Glänzende Binsenjungfer
  • FR: Leste dryade
  • IT: Leste dryade, Verdina rubusta
  • EN: Scarce Emerald Damselfly, Emerald Spreadwing (Amerika)

Wissenswertes

Lestes dryas ist der viel häufigeren Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa) sehr ähnlich und kommt oft mit ihr zusammen vor. Generell wirkt L. dryas intensiver und glänzender gefärbt und etwas kräftiger gebaut. Der lateinische Name Lestes dryas kommt vermutlich von der mythologischen Figur der Dryaden, Baumnymphen, die mit dem Wald verschmelzen können. Entsprechend lebt die Art eher versteckt und heimlich und kann vor allem bei gleichzeitigem Vorkommen mit der häufigeren Lestes sponsa schwierig festzustellen sein.

Lesdry10 M SK
Lesdry11 M SK
Lesdry20 W CB
Lesdry21 W CB
Lesdry22 W SK
Lesdry23 W SK
Lesdry80 Z01
Lesdry80 Z02

 

Merkmale

Gesamtlänge: 35-40 mm

Körper metallisch grün, im Alter kupferfarben. Pterostigmen einfarbig dunkel. Hinterkopf dunkel.

Männchen

Abdominalsegment S2 nur in den ersten zwei Dritteln und S1 sowie S9-S10 komplett blau bereift. Augen tief blau. Untere Hinterleibsanhänge löffelförmig verbreitert und nach innen gebogen.

Weibchen

Körper komplett metallisch grün. Robust gebaut. Oberseite von S2 mit viereckigen grünen Flecken (nicht dreieckig). Legebohrer überragt S10.

Jungtiere

Junge Männchen sehen weibchenfarbig aus, bevor die blaue Bereifung auftritt. Pterostigmen hell.

Belegfoto

M: Libelle von oben mit gut sichtbarem S2. Hinterleibsanhänge möglichst in Detailaufnahme.
W: Libelle von oben mit gut sichtbarem S2. Ovipositor von der Seite.

Verbreitung

Das europäische Verbreitungsgebiet überschneidet sich weitgehend mit jenem von L. sponsa. Sie kommt in ganz Europa und fast bis zum Polarkreis vor, ist aber in den meisten Gebieten wenig verbreitet und selten. Sie ist die einzige europäische Binsenjungfer, die auch in Nordamerika vorkommt.

In der Schweiz existieren grössere Populationen nur im Kanton Waadt und Graubünden. Ansonsten tritt sie sehr lokal auf. In der Regel findet man sie unter 600 m. Nur im Kanton Wallis werden höhere Lagen bis 2000 m bewohnt. Im Kanton Tessin fehlt sie ganz.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: In den Niederungen von Ende Mai bis Mitte Juli, in höheren Lagen von Juli bis Ende August.
Flugzeit: Juli und August (vereinzelt ab Juni und bis September). In höheren Lagen kürzer.

Lebensraum

Flache Gewässer mit schwankendem Wasserstand. Die Gewässer oder zumindest weite Uferbereiche trocknen zeitweise aus. Volle Besonnung und Nähe zu Wald wird bevorzugt. Die Pflanzendecke ist in der Regel ziemlich dicht und lässt nur kleine Wasserflächen offen. Typischer Vegetationstyp ist das Grossseggenried, welches bei fehlender Mahd bultig ausgebildet ist, was sich negativ auf die Art auswirkt. Es werden auch neu angelegte Flachgewässer mit Pioniervegetation besiedelt. Viele Standorte liegen im Wald.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit wird bis zu einigen hundert Metern entfernt auf Wiesen, Seggenrieden und an Waldrändern verbracht. Dabei wandern sie gerne ab.

Reife Männchen besetzen Sitzwarten am Gewässer und warten auf Weibchen Die Paarung findet meist um die Mittagszeit und über Wasser statt.

Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier meistens im Tandem ab. Die Eier werden über Wasser oder über trockenem Boden, seltener auch unter Wasser in Binsen oder andere Pflanzen gestochen.

Exuvien sind meist an emerser Vegetation nahe der Wasseroberfläche zu finden.

Lebensweise Larven

Lestes dryas überwintert im Eistadium. Die Larve schlüpft im Frühling, wenn das Gelände überflutet ist. Bei Trockenheit kann das Ei überliegen. Nach dem Schlupf entwickelt sich die Larve im gleichen Jahr zur Imago.

Gefährdung und Schutz

In Europa ist die Art nicht gefährdet. In der Schweiz dagegen ist sie aufgrund des starken Rückgangs vor allem im letzten Jahrhundert vom Aussterben bedroht (CR).

Die Hauptgefährdungsursachen beziehen sich auf Eingriffe in den Wasserhaushalt der Entwicklungsgewässer. Eine Absenkung des Gewässers ist dabei genauso fatal wie eine Überstauung. Wichtigste Schutzmassnahme ist demnach die Erhaltung oder Wiederherstellung des natürlichen Gewässerregimes.

Negative Auswirkungen haben zudem Überdüngung, Verbuschung und Beschattung. Deshalb sollte jährlich eine Mahd stattfinden, diese allerdings niemals ganzflächig, sondern im Rotationsprinzip.
Lestes dryas kann auch durch neu geschaffene Gewässer gefördert werden. Optimal sind dabei mehrere benachbarte Gewässer verschiedener Grösse und Tiefe.

Zum Artenschutzblatt

  • Rote Liste: CR - Vom Aussterben bedroht
  • Nationale Priorität: 2 - Hohe Priorität
  • NHV: Geschützt

Ähnliche Arten

Ähnlichste Art ist die viel häufigere Lestes sponsa, welche oft im selben Lebensraum vorkommt. Anhand ihres dicken Hinterleibes sind Weibchen von Lestes dryas auf Distanz fast schneller und einfacher zu bestimmen als Männchen. Sämtliche anderen weiblichen Lestiden sind deutlich schlanker.

Lestes sponsa – Gemeine Binsenjungfer
Färbung weniger intensiv.
M: S2 komplett blau bereift. Augen weniger leuchtend blau. Untere Hinterleibsanhänge gerade und nicht löffelförmig und nach innen gebogen.
W: Deutlich schlanker. Grüne Flecken auf S2 sind dreieckig. Ovipositor endet Ende S10.

Lestes virens – Kleine Binsenjungfer
Unterseite des Hinterkopfes scharf abgegrenzt und gelb. Pterostigmen hellbraun mit weissen Rändern.
M: S2 unbereift. Untere Hinterleibsanhänge kurz und gerade.

Lestes barbarus – Südliche Binsenjungfer
Unterseite des Hinterkopfes scharf abgegrenzt und gelb. Pterostigma zweifarbig, innen hellbraun, aussen weisslich. Antehumeralstreifen auffällig breit und hell. Wirkt insgesamt heller.
M: Höchstens S10 teilweise bereift, sonst unbereift. Hinterleibsanhänge hell, untere Anhänge kurz, nach aussen gebogen.
W: Ovipositor vollständig hell gefärbt. Scheide des Ovipositors abgerundet.

Chalcolestes viridis – Weidenjungfer
Pterostigmen einfarbig hellbraun. Thoraxseite mit spornartiger Zeichnung.
M: Komplett unbereift.