• Familie: Lestidae – Teichjungfern
  • Gattung: Lestes – Binsenjungfern
  • Art: Lestes barbarus (Fabricius, 1798)
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  • DE: Südliche Binsenjungfer
  • FR: Leste sauvage
  • IT: Leste selvaggio, Verdina barbara
  • EN: Migrant Spreadwing, Southern Emerald Damselfly

Wissenswertes

Lestes barbarus gehört zu den grösseren Binsenjungfern in der Schweiz. Insgesamt wirkt sie sehr hell und ist eindeutig über ihr zweifarbiges Pterostigma zu bestimmen. In der Schweiz sind keine dauerhaften Populationen bekannt. Sie taucht aber seit vielen Jahren immer wieder bei und auf.

LesBar10 M CB
LesBar10 M FK01
LesBar11 M CB
LesBar12 M FK01
LesBar13 M AB01
Lesbar80 Z01
Lesbar80 Z02

 

Merkmale

Gesamtlänge: 40-45 mm

Körper metallisch grün bis kupferfarben. Antehumeralstreifen auffällig breit und hell. Seiten von S9 und S10 elfenbeinfarben/hell (wirkt gesamthaft sehr hell). Pterostigma zweifarbig, innen hellbraun, aussen weisslich. Unterseite des Hinterkopfes scharf abgegrenzt und gelb. Männchen und Weibchen sind sich ähnlich.

Männchen

S10 teils oberseits leicht bereift. Hinterleibsanhänge hell/weiss, untere Anhänge kurz und nach aussen gebogen.

Weibchen

S10 stets ohne Bereifung. Ovipositor vollständig hell gefärbt. Scheide des Ovipositors abgerundet.

Jungtiere

Gleiche Merkmale wie Adulte. Pterostigmen bei sehr jungen Tieren teils einfarbig hell und Farbe des Hinterkopfes nur schwach abgegrenzt.

Belegfoto

M: Seitenansicht parallel zur Kamera. / Von schräg oben. Pterostigmen, Hinterleibsanhänge und Hinterkopf.
W: Seitenansicht parallel zur Kamera. / Von schräg oben. Pterostigmen und Hinterkopf. / Detail Legescheide.

Verbreitung

Lestes barbarus hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum. In Mitteleuropa kommt sie bis an die Nord- und Ostseeküste vor. Viele Populationen sind jedoch unstet und hängen von geeigneten Entwicklungsgewässern ab.
In der Schweiz sind keine dauerhaften Populationen bekannt. Temporär tritt die Art vor allem im Mittelland meist unterhalb von 600 m auf. Als wanderfreudige Art wurde sie aber auch in höheren Lagen beobachtet. Im Wallis und im Tessin fehlt sie komplett.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Juni bis Ende Juli.
Flugzeit: Anfang Juni bis Anfang Oktober. Wandernde Tiere werden hauptsächlich von Mitte August bis Ende September angetroffen.

Lebensraum

Die Art stellt hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie bevorzugt sehr kleine Gewässer mit temporärem Charakter oder schwankendem Wasserstand und binsenartigen Gewächsen, die sich dank ganztägiger Besonnung schnell erwärmen. Solche Gewässer trocknen im Sommer oft aus. Für eine erfolgreiche Entwicklung muss die Larvalentwicklung vor dem Austrocknen abgeschlossen sein. Die Art kann durch frühzeitiges Austrocknen des Fortpflanzungsgewässers lokal verschwinden. Wiederum ist winterliches Austrocknen des Gewässers eine Bedingung dafür, dass sie langfristig nicht durch stärkere Arten verdrängt wird.
Die Imagines halten sich auch gerne abseits des Gewässers in umliegenden Feuchtwiesen oder Brachen auf. In solchen werden sie auf ihren Wanderungen auch weit von geeigneten Brutgewässern entfernt gefunden.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit dauert 6 Wochen und wird zuerst am Brutgewässer verbracht, später auch in der weiteren Umgebung.

Die Paarung findet am Gewässer statt. Das Weibchen legt die Eier im Tandem, bei niedriger Männchen-Dichte auch alleine ab.

Die Eier werden stets über Wasser meist in Binsen oder Seggen eingestochen, seltener auch auf trockenem Boden.

Exuvien sind meist nahe über der Wasseroberfläche an aufrechten Pflanzenteilen in der Uferzone zu finden.

Lebensweise Larven

Lestes barbarus überwintert im Eistadium. Die Larven schlüpfen zu Beginn der Vegetationsperiode. Danach halten sich während ihrer rund zweimonatigen Entwicklung meist am Grund oder zwischen abgestorbenen Pflanzenteilen auf. Sie sind sehr lebhaft und empfindlich auf Konkurrenz. Trocknet das Gewässer aus, sterben sie. Noch im selben Jahr entwickeln sie sich zur Imago.

Gefährdung und Schutz

Lestes barbarus ist europaweit nicht gefährdet. Da es in der Schweiz nur wenige Entwicklungsnachweise und keine dauerhaften Populationen gibt, gilt sie nicht als indigen und ihr Gefährdungsgrad ist nicht eingeschätzt (NE).

Grund für ihre Seltenheit ist der Mangel an geeigneten Entwicklungsgewässern. Wichtigste Schutzmassnahme ist die Erhaltung bestehender Populationen. Optimale Bedingungen würde L. barbarus wohl in einer Auenlandschaft mit ursprünglicher Dynamik vorfinden, welche es in der Schweiz kaum mehr gibt.

Zur Förderung der Art können aber, insbesondere im Bereich der Flussauen, mehrere nebeneinander liegende Flutmulden und Kleingewässer geschaffen werden. Diese sollten im optimalen Fall von März bis September Wasser führen, dazwischen aber austrocknen und nicht verlanden. Die Mahd sollte nicht vor September durchgeführt werden.

  • Rote Liste: NE - Nicht beurteilt
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Lestes barbarus ist die einzige einheimische Art der Familie Lestidae mit zweifarbigem Pterostigma. Bei Jungtieren ist das Pterostigma jedoch häufig nicht ausgefärbt und kein sicheres Merkmal. Deshalb sollte bei diesen die Form der Geschlechtsteile als Bestimmungsmerkmal verwendet werden. Ähnlichste Art ist Lestes virens, welche ebenfalls einen gelben Hinterkopf hat.

Lestes virens – Kleine Binsenjungfer
Erscheint insgesamt dunkler. Pterostigmen hellbraun mit weissen Rändern.
M: Segment 9 und 10 vollständig blau bereift. Untere Cerci nicht divergent.
W: Scheide des Ovipositors mehr zugespitzt.

Lestes sponsa und Lestes dryas – Gemeine und Glänzende Binsenjungfer
Hinterkopf und Pterostigmen dunkel.
M: S2 und S9-S10 blau bereift. Augen blau. Untere Hinterleibsanhänge lang und gerade.
W: Ovipositor zweifarbig , Scheide zugespitzt und ebenfalls zweifarbig.

Lestes macrostigma – Dunkle Binsenjungfer
Beide Geschlechter blau bereift. Bei uns erst einmal beobachtet.

Chalcolestes viridis – Weidenjungfer
Hinterkopf dunkel. Pterostigmen einfarbig hellbraun. Ohne auffällig helle Antehumeralstreifen oder helle Seiten von S9-S10.