• Familie: Coenagrionidae – Schlanklibellen
  • Gattung: Ischnura – Pechlibellen
  • Art: Ischnura elegans (Vander Linden, 1820)
  •  

  • DE: Grosse Pechlibelle
  • FR: Agrion élégant, Ischnure élégante
  • IT: Agrion elegante, Codazzurra comune
  • EN: Common Bluetail, Blue-tailed Damselfly

Wissenswertes

Ischnura elegans ist eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Libellen in der Schweiz. Sie schlüpft über eine lange Zeitspanne in ziemlich gleichmässiger Zahl und markiert damit durch die ganze Saison eine starke Präsenz in der gesamten Libellenfauna. Zudem stellt sie wenig Ansprüche an ihren Lebensraum, erscheint schon früh morgens und scheut auch schlechteres Wetter nicht. Obwohl sie landesweit nicht die häufigste Art ist, fällt sie dem Beobachter schnell als omnipräsent auf.

Iscele10 M CK01
Iscele11 M DK01
Iscele20 W AB01
Iscele21 W DK01
Iscele22 W DK02
Iscele30 P AB01
Iscele31 P CK01
Iscele40 J CK01
Iscele50 E BK01

 

Merkmale

Gesamtlänge: 30-34 mm

Grundfarbe schwarz. Mit hellem Schlusslicht auf S8. Dieses ist offensichtlich nicht endständig, es folgen noch zwei komplett schwarze Segmente. Postokularflecken rundlich. Flügelmal rautenförmig. Männchen und Weibchen sind sehr ähnlich gezeichnet, Weibchen haben aber eine grössere Variabilität in der Färbung.

Männchen

Kopf, Thorax, Abdomenbasis und S8 komplett blau ("Schlusslicht"). Abdomenunterseite S3-S6 gelb. Augen unten blau/grün, oben schwarz. Flügelmal zweifarbig (Vorder- und Hinterflügel), dunkel-grau und weiss. Pronotum-Hinterrand mit langem, aufgerichtetem Mittellappen.

Weibchen

Augenunterseite grün, Oberseite dunkelbraun. Verschiedene Farbvarianten kommen vor, z.B. blau (wie Männchen) oder bräunlich/matt-grünlich. "Schlusslicht" auf S8 blau, bräunlich, teils schlecht sichtbar. Schwarze Humeralstreifen teilweise fehlend. Flügelmale hell.

Jungtiere

Zeichnung wie bei den Adulten. Beim Weibchen kommen besondere Farbvarianten vor, z.B. Thorax lila mit blauem "Schlusslicht" oder Thorax pink mit blauem "Schlusslicht".

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen-Oberseite.
W: Sicht schräg von der Seite auf Abdomen, inkl. Flügelmale.

Verbreitung

Ischnura elegans ist eine der häufigsten Arten in Europa. Einzig in Nordskandinavien, im Westen der iberischen Halbinsel, Südsizilien und einigen Mittelmeerinseln kommt sie nicht vor.

Auch in der Schweiz ist die Art sehr häufig und kommt in tiefen Lagen praktisch überall vor. Sie ist eine typische Tieflandart, kommt über 700 m seltener und über 1000 m nur noch vereinzelt vor. Die höchsten Beobachtungen gelangen auf über 2000 m.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Ende April bis Ende August (lange Emergenz ohne klares Maximum).
Flugzeit: Ende April bis Ende Oktober (von Mai bis August konstant und gleichmässig vertreten).

Lebensraum

Ischnura elegans ist wenig anspruchsvoll und besiedelt verschiedenste Gewässertypen. Sie kommt an Steh- und Fliessgewässern und sogar an Gartenteichen vor. Sie kann problemlos mit Fischen koexistieren. Einzig Hochmoorgewässer, stark beschattete Weiher und schnell fliessende Bäche besiedelt sie nicht. Gut besonnte Gewässer mit lockerer Ufervegetation und strukturreicher Umgebung werden bevorzugt.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringt Ischnura elegans in Gewässerumgebung. Bevorzugt werden insektenreiche Bracheflächen und Feuchtwiesen. Bei der Jagd kann sie Tiere erbeuten, die so gross sind wie sie selbst.

Paarungsbereite Männchen kommen bereits früh am Morgen an die Fortpflanzungsgewässer und sitzen meist auf Halmen in Ufernähe oder an Land. Die Paarung wird entweder in der Ufervegetation oder über dem Gewässer eingeleitet und wird am Ufer oder weiter landeinwärts beendet. Sie kann bis zu 7.5 Stunden dauern. Deshalb sind im Uferbereich häufig viele Paarungsräder zu beobachten. Paarungen finden oft auch bei schlechtem Wetter statt, wenn andere Libellen sich längst zurückgezogen haben.

Nach der Paarung trennt sich das Weibchen vom Männchen und beginnt nach 30 min Pause mit der Eiablage. Die Weibchen legen die Eier immer alleine ab und nutzen abgestorbene und lebende auf dem Wasser flutende Pflanzenteile als Substrat. Meist tauchen sie dabei nur etwa die Hälfte des Abdomens ein, selten tauchen sie vollständig ab.

Der Schlupf findet meist in der Verlandungszone an Röhrichtpflanzen statt. Als einzige Libellenart kann sie auch kopfüber hängend schlüpfen.

Lebensweise Larven

Überwintert im Larvenstadium. Entwicklungsdauer meist 1 Jahr, im Gebirge 2 Jahre. Unter günstigen Bedingungen selten zwei Generationen pro Jahr. Larven leben oft im dichten Pflanzengewirr der Wasservegetation, in den kälteren Jahreszeiten entfernen sie sich vom Ufer in tiefere Zonen und leben im Bodenschlamm.

Gefährdung und Schutz

Ischnura elegans ist in der Schweiz und gesamteuropäisch nicht gefährdet (LC). Sie kann sich sogar in Gewässern mit Fischbesatz und wenig Submersvegetation entwickeln.

Deshalb besteht für diese Art momentan kein Handlungsbedarf.

  • Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Sehr ähnlich ist ihre Schwesterart Ischnura pumilio, die aber etwas anspruchsvoller und weniger weit verbreitet ist. Auch die Männchen der Granataugen (Erythromma najas und Erythromma viridulum) können mit ihrem dunklen Abdomen und dem blauen Schlusslicht mit Ischnura elegans verwechselt werden. Ansonsten sind Männchen, Weibchen und Jungtiere aufgrund des hellen Schlusslichtes auf S8 praktisch unverkennbar.

Ischnura pumilio Kleine Pechlibelle
Meist etwas kleiner und vorwiegend an Pioniergewässern vorkommend.
M: Brustseiten oft grünlich. Mit blauem "Schlusslicht" auf S9 (S8 nur am Ende wenig blau), S10 schwarz. Blaues "Schlusslicht" wirkt somit fast endständig. Flügelmal auf Vorderflügeln grösser als auf Hinterflügeln, nur auf Vorderflügeln zweifarbig.
W: Hinterleibsoberseite komplett schwarz, nie mit "Schlusslicht", Flügelmal auf Vorderflügeln grösser als auf Hinterflügeln (Unterschied weniger gross als beim Männchen). Junges Weibchen hell orange mit wenig schwarz auf Kopf, Thorax und Abdomen.

Erythromma najas und Erythromma viridulum Grosses und Kleines Granatauge
Kommen hauptsächlich an reiferen Gewässern mit guter Unterwasser- und Schwimmblattvegetation vor und fliegen meist über dem offenen Wasser. Postokularflecken fehlend oder zu Schlitzen reduziert. Pterostigmen nicht rautenförmig.
M: Mit leuchtend roten Augen. Abdomen schwarz, S9-S10 blau (endständiges Schlusslicht).
W: Mit rotbraunen Augen. Abdomen durchgehend schwarz, ohne Schlusslicht.