• Familie: Coenagrionidae – Schlanklibellen
  • Gattung: Erythromma – Granataugen
  • Art: Erythromma viridulum (Charpentier, 1840)
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  • DE: Kleines Granatauge
  • FR: Naïade au corp vert, Agrion vert
  • IT: Ninfa dal corpo verde, Occhirossi minore
  • EN: Small Redeye, Small Red-eyed Damselfly

Wissenswertes

Als südliche Art hat sich Erythromma viridulum in den letzten Jahren deutlich stärker ausgebreitet als die Schwesterart Erythromma najas und schlüpft rund einen Monat später als diese. Bei Zählungen sind die beiden Granataugen weit vom Ufer entfernt auf See- oder Teichrosenblättern sitzend oft kaum sicher zu unterscheiden.

Eryvir10 M SK01
Eryvir11 M VS01
Eryvir12 M CK01
Eryvir13 M BK01
Eryvir30 P UP01
Eryvir31 P BK01

 

Merkmale

Gesamtlänge: 26-32 mm

Gesamthaft sehr dunkle Kleinlibelle mit deutlich roten/rötlichen Augen. Ansonsten sind Männchen und Weibchen sehr unterschiedlich gefärbt.

Männchen

Augen rot (teils rot-braun), Postokularflecken fehlend. Antehumeralstreifen komplett oder unterbrochen (nie abwesend), Abdomen-Oberseite S2-S8 schwarz, Segmentseiten S2-S3 blau, S9-S10 bilden ein blaues Schlusslicht, das sich seitlich als Keil auf S8 weiterzieht. Oberseite S10 mit schwarzem X.

Weibchen

Grösstenteils sehr dunkel, an Brustseiten sowie Hinterleib (v.a. Basis und Ende) blau/grün/gelb, Augen oben braun-rötlich, Postokularflecken fehlend oder zu Schlitzen reduziert, Antehumeralstreifen immer vollständig und meist grün, Pronotum-Hinterrand ohne mittigen Lappen.

Jungtiere

Junge Männchen sind weibchenfarbig gelb mit Schlusslicht, Farben blass. Junge Weibchen auch bronzefarbig (Achtung: Verwechslung mit Lestes spp.).

Belegfoto

M: Sicht auf Thorax-Oberseite. / Sicht auf Abdomen-Seite.
W: Sicht auf Thorax-Oberseite.

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in West-, Süd- und Zentraleuropa. In den letzten hundert Jahren hat sich ihr Verbreitungsgebiet nach Nordwesten erweitert. Nördlichste Populationen befinden sich in Südostengland, Südfinnland, Lettland und Littauen. Verglichen mit Erythromma najas liegt der Schwerpunkt ihres Verbreitungsgebiets deutlich südlicher.

Bis 1974 war Erythromma viridulum in der Schweiz selten. Heute kommt sie hauptsächlich im Mittelland und um Genf vor, seltener in tiefen Lagen im Wallis, Tessin, Graubünden und Jura. Die meisten Entwicklungsgewässer liegen auf 400-500 m, maximal auf 800 m. Beobachtet wurde die Art bis 1800 m.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Juni bis Ende Juli, grösstenteils erst im Juli (schlüpft ca. 1 Monat später als Erythromma najas).
Flugzeit: Ende Juni bis Ende August (Hauptflugzeit ab Mitte Juli).

Lebensraum

Hauptlebensraum sind kleinere und mittelgrosse, gut besonnte und teils nährstoffreiche Stehgewässer mit gut ausgebildeter, bis an die Wasseroberfläche reichender Submersvegetation. Teilweise weisen die Gewässer Schwimmblattvegetation, Algewatten und Röhricht auf. Auch werden langsam fliessende Flüsse, Moorgewässer und Baggerweiher besiedelt. Die Art kommt häufig zusammen mit Fischen vor.

Lebensweise Imagines

Wo die Art die Reifungszeit verbringt ist nicht bekannt. Sie hat eine gute Ausbreitungsfähigkeit und kann neue Standorte schnell auffinden.

Erythromma viridulum ist eine wärmeliebende Art, fortpflanzungsbereite Männchen kommen frühestens am späten Vormittag an die Gewässer und sitzen wie Erythromma najas häufig auf Schwimm- und Tauchblattpflanzen, Sprossspitzen oder Algenwatten. Anders als Erythromma najas sitzen sie oft mit angehobenem Abdomen (hohles Kreuz). Die nähere Umgebung ihrer Sitzwarte verteidigen sie gegen Rivalen. Ihr Flug ist hektisch, Zickzack-linig und wenige Zentimeter tief über der Wasseroberfläche. Die Paarung findet meist über dem Wasser, auf dem Eiablagesubstrat oder in niedriger Ufervegetation statt.

Die Eiablage findet im Tandem statt. Das Männchen hält sich dabei am Substrat fest oder steht horizontal schräg in der Luft. Die Eier werden in feinblättrige Unterwasservegetation abgelegt.

Schlupfsubstrat sind an die Wasseroberfläche reichende Unterwasserpflanzen sowie schräge/senkrechte Stängel.

Lebensweise Larven

Erythromma viridulum überwintert im Larvenstadium, die Entwicklung dauert 1 Jahr. Die Larven leben im dichten Pflanzengewirr oder auf dem Gewässergrund (v.a. im Winter). Für die Häutung zum letzten Larvenstadium und zur Imago benötigt Erythromma viridulum eine Temperatur von über 15 °C.

Gefährdung und Schutz

Erythromma viridulum ist in der Schweiz und gesamteuropäisch nicht gefährdet (LC).
Lokale Gefährdungsursachen sind hoher Fischbesatz (insbesondere mit Graskarpfen), Entfernung von Wasserpflanzen, winterliches Ablassen von Teichen, Beschattung durch Bäume und Freizeitbetrieb.

Wichtigste Fördermassnahme ist der Schutz der Unterwasservegetation. Zudem sollen stark beschattende Bäume ausgelichtet werden und auf hohen Fischbesatz (v.a. mit Graskarpfen) sowie winterliches Trockenlegen verzichtet werden. Auch profitiert die Art von neu angelegten gut besonnten Flachgewässern.

  • Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Besonders ähnlich bezüglich Lebensraumpräferenz, Verhalten und Aussehen ist Erythromma najas. Obschon Erythromma lindenii in die gleiche Gattung eingeteilt ist, weist sie kaum offensichtliche Gemeinsamkeiten auf. Dagegen kann Erythromma viridulum leicht mit beiden Geschlechtern der Pechlibellen (Gattung Ischnura) verwechselt werden. Die weitgehend schwarz gefärbten Weibchen haben Ähnlichkeiten mit vielen dunklen Formen weiblicher Kleinlibellen und müssen für eine sichere Bestimmung genau betrachtet werden.

Erythromma najas – Grosses Granatauge
Erscheint etwa einen Monat früher und ist oft etwas grösser.
M: S9-S10 vollständig blau, Schlusslicht seitlich gerade abgeschnitten, nicht auf S8 erweitert. Abdomen komplett schwarz und S2-S3 ohne blaue Seiten. Antehumeralstreifen fehlend. Fliegt geradlinig und weniger hektisch. Hebt beim Sitzen auf See- und Teichrosenblättern das Abdomen nie an.
W: Antehumeralstreifen nicht komplett, Pronotum-Hinterrand mit Lappen (dreilappig).

Ischnura spp. – Pechlibellen
Halten sich selten über dem offenen Wasser, sondern eher in der Ufervegetation auf. Postokularflecken rund.
M: Augen nie leuchtend rot. Das blaue Schlusslicht ist nicht endständig (S10 immer komplett schwarz). Vorderflügel mit zweifarbigem Pterostigma.
W: Pterostigmen hell und rautenförmig.

Erythromma lindenii – Pokaljungfer
Ebenfalls oft weit vom Ufer entfernt über dem Wasser fliegend. Kommt allerdings eher an langsam fliessenden Flüssen vor.
M: Mit leuchtend blauen (nie roten) Augen, ganzer Körper vorwiegend blau.
W: Dreifarbige Grundfärbung (gelblich-blau-grünlich), breite Antehumeralstreifen.

Coenagrion spp. und Enallagma cyathigerum – Azurjungfern und Gemeine Becherjungfer
W: Postokularflecken voll ausgebildet, Antehumeralstreifen komplett.