• Familie: Libellulidae – Segellibellen
  • Gattung: Crocothemis – Feuerlibellen
  • Art: Crocothemis erythraea (Brullé, 1832)
  •  

  • DE: Feuerlibelle, Westliche Feuerlibelle
  • FR: Crocothémis écarlate
  • IT: Libella scarlatta, Frecciarossa
  • EN: Broad Scarlet, Scarlet Darter

Wissenswertes

Crocothemis erythraea ist bei uns ein relativ junges Faunenelement und erst seit 1980 regelmässig zu beobachten. Heute ist sie im geeigneten Habitat häufig und ist im Frühling mit Abstand die häufigste rote Grosslibelle. Im Herbst wird sie dann von den im männlichen Geschlecht ebenfalls meist roten Arten der Gattung Sympetrum (Heidelibellen) abgelöst, ist aber mit komplett rotem Kopf und roten  Beinen die röteste von allen.

Croery00 M TR01
Croery11 M DK01
Croery12 M SK
Croery20 W CK01
Croery21 W DK
Croery22 W RK
Croery40 J DK02
Croery41 J DK01
Croery42 J CK

 

Merkmale

Gesamtlänge: 36-45 mm

Ockergelber Fleck an Hinterflügelbasis. Abdomen abgeflacht. Flügelmale relativ gross (grösser als bei den meisten Heidelibellen). Ansonsten erscheinen Männchen und Weibchen unterschiedlich.

Männchen

Kopf (inkl. Stirn und Augen), Thorax, Abdomen (mit dunklem Mittelband) und Beine leuchtend rot ohne Schwarz-Zeichnungen. Grosse Flügeladern rot, Flügelmale gelb/rötlich. Augenhinterrand blau.

Weibchen

Grundfarbe braun-gelblich, Kopf, Thorax und Beine ohne schwarz. Helle Antehumeralstreifen und heller Strich zwischen Flügelbasen. Flügelmale hell/gelblich. Abstehende Legescheide. Feuerrote Weibchen kommen selten auch vor.

Jungtiere

Junge Männchen sind weibchenfarbig (ohne Legeklappe).

Belegfoto

M/W: Sicht von oben auf Thorax und Abdomen.

Verbreitung

Crocothemis erythraea ist im Mittelmeerraum weit verbreitet. Nördlich der Alpen konnte sie sich erst seit den 90er Jahren etablieren. Heute kommt sie bis zur Nord- und Ostseeküste vor, in England gibt es erst einzelne Beobachtungen.

In der Schweiz war die Art früher sehr selten, erst seit 1980 wird sie regelmässig beobachtet. Heute kommt sie überall in Tieflagen meist auf 300-600 m und besonders in Flusstälern vor. In den Alpen und im Jura fehlt sie weitgehend. Der höchste Entwicklungsnachweis gelang auf 660 m, Einzeltiere wurden bis 2090 m beobachtet.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Mai bis Ende Juli (Höhepunkt: Juni)
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte August (Höhepunkt: Juli; Spätfunde bis Oktober)

Lebensraum

Gut besonnte, flache Stehgewässer unterschiedlicher Art mit gut ausgebildeter Submersvegetation (teilweise auch ohne). Entwicklung ist auch in temporären Gewässern möglich.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringt die Art weit entfernt vom Schlupfort auf Wiesen, Weiden, Brachen, Getreidefeldern, oder an Wegrändern.

Geschlechtsreife Imagines befinden sich am frühen Vormittag meist abseits des Gewässers in der Vegetation. Danach sitzen Männchen zuerst auf kiesigen Flächen am Gewässerufer und besetzen danach ihre Sitzwarten (schräge Halme, oft einige Meter vom Ufer entfernt). Diese verteidigen sie gegen Artgenossen. Ihren Hinterleib verwenden sie als Sonnenkollektor, nur bei sehr grosser Hitze nehmen sie die Obeliskstellung ein. Die Paarung findet im Flug statt und dauert nur gerade 5-10 s, bei Störung wird sie gelegentlich auch im Sitzen beendet.

Die Weibchen legen ihre Eier alleine ab, oft unter Bewachung der Männchen, welche im Rüttelflug über der Eiablagestelle wachen. Dabei taucht das Weibchen mit wippenden Bewegungen das Abdomen regelmässig ins Wasser und gibt die Eier ab.

Der Schlupf findet meist am frühen Morgen (spätestens am Mittag) an senkrechten Uferpflanzen statt.

Lebensweise Larven

Crocothemis erythraea überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert 1-2 Jahre. Die Larven halten sich meist im Wurzelgewirr von Röhrichtpflanzen auf und verhalten sich sehr lebhaft.

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Schweiz und in Europa nicht gefährdet (LC). Mögliche Gefährdungsursachen sind allenfalls zu intensive Freizeitnutzung oder zunehmende Beschattung.

Sie profitiert von der Neuerstellung und vom Erhalt seichter, gehölzfreier Stillgewässer sowie von eingeschränkter Freizeitnutzung und offen gehaltenem Umland von Entwicklungsgewässern.

  • Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Als einzige Art ihrer Gattung in der Schweiz ist Crocothemis erythraea hier vor allem mit Arten der Gattung Sympetrum zu verwechseln, da deren Männchen ebenfalls meistens rot und die Weibchen braun-gelb gefärbt sind. Besonders Sympetrum fonscolombii bietet durch ihr frühes Auftreten Anlass zu Verwechslungen. Die Weibchen müssen zudem von weiblichen Orthetrum spp. und Libellula spp. abgegrenzt werden, da diese ebenfalls gelblich-braun gefärbt sind. Besonders das Weibchen von Orthetrum coerulescens sieht Crocothemis erythraea sehr ähnlich.

Sympetrum fonscolombii – Frühe Heidelibelle
Einzige Heidelibelle im Frühling, ebenfalls mit gelbem Fleck an Hinterflügelbasis und roten Flügeladern. Augen oben rot, unten blau. Abdomen im Querschnitt rund, nicht abgeflacht. Beine schwarz-gelb längs gestreift.
M: Thoraxseiten mit hellem Streifen unter Flügelbasis.
W: Thoraxoberseite ohne weissen Streifen zwischen Flügelbasen.

Sympetrum spp. – Heidelibellen
Die meisten Heidelibellen erscheinen erst später im Jahr, ihre Flugzeiten überlappen aber mit der von Crocothemis erythraea. Abdomen nicht oder nicht stark abgeflacht, Thorax mit schwarzen Linien, Beine schwarz oder schwarz-gelb.
M: Meist mit schwarzen, braunen oder hellen Farbtönen, nie durchgehend von der Stirn bis zum Abdomen leuchtend rot.
W: Stets ohne hellen Strich auf der Thoraxoberseite zwischen den Flügeln.

Orthetrum coerulescens – Kleiner Blaupfeil
W: Grundfarbe gelblich, ebenfalls mit weissem Strich zwischen den Flügeln und hellen Antehumeralstreifen. Im Gegensatz zu Crocothemis erythraea sind aber die Antehumeralstreifen oft auffälliger als der weisse Strich. Erscheint auch schlanker, ohne abgeflachtes Abdomen. Hinterflügelbasen ohne gelb.

Orthetrum spp. – Blaupfeile
Abdomen weniger abgeflacht.
W: Keine ockergelben Flecken an Hinterflügelbasis, keine sichtbare abstehende Legescheide.

Libellula spp. – Segellibellen
W: Schwarzes Dreieck an Hinterflügelbasis, keine sichtbare abstehende Legescheide.