• Familie: Cordulegastridae – Quelljungfern
  • Gattung: Cordulegaster – Quelljungfern
  • Art: Cordulegaster boltonii (Donovan, 1807)
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  • DE: Zweigestreifte Quelljungfer
  • FR: Cordulégastre annelé
  • IT: Cordulegaster annelato, Guardaruscello commune
  • EN: Common Goldenring, Golden-ringed Dragonfly

Wissenswertes

Cordulegaster boltonii ist an kleinen Wiesen- und Waldbächen zu finden. Meist muss man eine Weile warten bis sie auftaucht und oft verschwindet sie auch gleich wieder. Markierungsexperimente haben gezeigt, dass sich meistens bedeutend mehr Individuen an einem Bach aufhalten, als dies auf Grund der Beobachtungen geschätzt wird. Verglichen mit Cordulegaster bidentata hat sie ein breiteres Habitatspektrum und wird auch häufiger angetroffen.

Corbol10 M DK01
Corbol11 M CK01
Corbol20 W BK01
Corbol30 P DK01
Corbol40 J TL01
Corbol50 E VS01

 

Merkmale

Gesamtlänge: Männchen 74-80 mm, Weibchen 80-85 mm (mit Legestachel)

Sehr gross. Augen grün, berühren sich nur in einem Punkt (Gattungsmerkmal). Thorax und Abdomen schwarz mit gelber Zeichnung, S2-S8 mit je zwei gelben Querstreifen pro Abdominalsegment. Stirn gelb mit schwachem schwarzem Balken, Hinterhauptsdreieck gelb. Männchen und Weibchen sehr ähnlich gefärbt.

Männchen

Abdomen bei S3 tailliert, verbreitert bei S7-S8.

Weibchen

Abdomen überall etwa gleich breit. Langer, den Hinterleib überragender schwarzer Legestachel.

Jungtiere

Bereits kurz nach dem Schlupf selbe Merkmale wie Adulte, Augen blass braungrün.

Belegfoto

M/W: Sicht auf Abdomen, Hinterkopf.

Verbreitung

Cordulegaster boltonii ist in Europa weit verbreitet. Einzig in Irland, im nördlichen Skandinavien, Süditalien und auf der Balkanhalbinsel fehlt sie.

In der Schweiz ist sie im Mittelland, Jura und Tessin häufig. Im Wallis, Graubünden und in den Tälern der Voralpen ist sie seltener. Meist kommt sie auf 300-600 m vor, vereinzelt über 1700 m.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Mai bis Ende Juni (etwas später als Cordulegaster bidentata)
Flugzeit: Ende Mai bis Anfang September (Höhepunkt: Juli und August)

Lebensraum

Cordulegaster boltonii besiedelt Fliessgewässer unterschiedlicher Art. Das Spektrum reicht von Quellbereichen und schmalen Moorgräben bis zu grösseren Bächen und Flüssen. Im Unterschied zu Cordulegaster bidentata entwickelt sie sich auch in Gewässern ohne Flohkrebse. Die Gewässer können beschattet oder voll besonnt sein. Einzig für die Entwicklung der Eier braucht sie sommerwarme Gewässer.

Lebensweise Imagines

Während der Reifungszeit hält sich Cordulegaster boltonii meist auf Lichtungen, Waldwegen und Wiesen auf.

Geschlechtsreife Männchen patrouillieren entlang der Gewässer (über längere Abschnitte in beiden Richtungen) auf der Suche nach Weibchen. Dabei setzen sie sich regelmässig senkrecht auf besonnte Pflanzen und Ästchen. Gegenüber Artgenossen verhalten sie sich agressiv. Sie sind aber nicht territorial. Die Partner finden sich am Gewässer, die Paarung findet meist in Baumkronen statt.

Die Eiablage erfolgt recht geräuschvoll (oft hört man Eier legende Weibchen bevor man sie sieht) ohne Männchen an versteckten Stellen mit flach überströmtem Grund bestehend aus Feinsubstrat und Detritus. Wie bei Cordulegaster bidentata bohren die Weibchen im Flug die Eier mit senkrechtem Abdomen in das weiche Bodensubstrat ein.

Der Schlupf findet meist in den frühen Morgenstunden in der Nähe des Gewässers auf Treibgut, an Uferpflanzen, Gebüschen, Brückenwänden, ausgespülten Uferwänden und Baumstämmen (teils auch weit oben und etwas weiter entfernt) statt.

Lebensweise Larven

Die Überwinterung findet im Larvenstadium statt. Die Entwicklung dauert 3-5 Jahre. Larven leben im Bodensubstrat eingegraben, wobei meist nur die Augen und die Afteröffnungen (zur Atmung) herausschauen, und lauern so auf Beutetiere.

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Schweiz und in Europa nicht gefährdet (LC). Lokale Gefährdungsursachen sind wasserbauliche Eingriffe (Aufstau, Eindolen, Begradigung), ungeeignete Pflege (ausbleibende Ufermahd, maschineller Unterhalt von Wiesengräben, Lagerung von Forstabfällen), Versauerung (Aufforstungen mit Nadelbäumen) sowie Besatz mit Fischen und gebietsfremden Krebsen in fischfreien Gewässern.

Wichtigste Schutzmassnahmen betreffen den Erhalt und die schonende Pflege kleiner Fliessgewässer.

  • Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Sehr ähnlich und im Flug kaum sicher zu unterscheiden ist die deutlich seltenere Schwesterart Cordulegaster bidentata. Auf Grund der schwarz-gelben Zeichnung kann sie zudem mit Arten der Familie Gomphidae verwechselt werden. Diese unterscheiden sich aber in der Lebensraumpräferenz, im Verhalten und in der gesamten Erscheinung von Cordulegaster boltonii.

Cordulegaster bidentata – Gestreifte Quelljungfer
Fliegt oft im selben Lebensraum, bewohnt aber meist kleinere Bäche im Quellbereich.
M/W: Abdominalsegmente S5-S8 mit nur je einem gelben Querstreifen, Stirn gelb mit dickem schwarzem Balken, Hinterhauptsdreieck schwarz.

Gomphidae – Flussjungfern
Eher an grösseren Flüssen oder auch Stillgewässern, meiden in der Regel schattige Bereiche. Bedeutend kleiner, scheu und unauffällig. Sitzen am Boden oder auf Warten, aber nie in hängender Position. Ihre Augen sind oft blau und stets deutlich voneinander getrennt (Familienmerkmal).