• Familie: Coenagrionidae – Schlanklibellen
  • Gattung: Coenagrion – Azurjungfern
  • Art: Coenagrion ornatum (Sélys, 1850)
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  • DE: Vogel-Azurjungfer
  • FR: Agrion orné
  • IT: Agrion ornato, Azzurrina balcanica
  • EN: Ornate Bluet

Wissenswertes

Coenagrion ornatum gilt in der Schweiz als ausgestorben und wurde 1967 zum letzten Mal gesehen. Da sie im selben Lebensraum wie Coenagrion mercuriale (Helm-Azurjungfer) vorkommt, ist es aufgrund intensiver Schutz- und Fördermassnahmen für Coenagrion mercuriale durchaus denkbar, dass Coenagrion ornatum in der Schweiz wieder auftaucht.

Coeorn10 M CB
Coeorn11 M CB
Coeorn12 M CB
Coeorn20 W CB

 

Merkmale

Gesamtlänge: 30-31 mm

Relativ kleine aber kräftig gebaute Azurjungfer. Postokularflecken mit gezähntem Hinterrand. Abdomenoberseite beider Geschlechter ausschliesslich blau-schwarz gefärbt, unterscheidet sich aber durch Form und Ausdehnung der schwarzen Musterung deutlich.

Männchen

Schwarz-blaue Grundfärbung mit schwarzer W-Zeichnung auf S2, die an einen fliegenden Vogel erinnern soll (Achtung: variabel). S3-S6 mit schwarzen Spiessen mit lang ausgezogenen Spitzen.

Weibchen

Thorax mit grüner Grundfarbe. Hinterleib oberseits schwarz mit viel blau an Segmentbasis, unterseits allenfalls grünlich. Zentrale Spitze der Schwarzzeichnung auf S3-S4 überragt seitliche Spitzen. Pronotum-Hinterrand wellenartig mit kleinem Fortsatz in der Mitte.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte, Farben blass.

Belegfoto

Obschon die Art aufgrund von Färbung und Musterung bestimmbar ist, sollten auf einem Belegfoto für einen Nachweis in der Schweiz unbedingt die Postokularflecken klar zu erkennen sein.
M/W: Sicht auf Abdomen-Oberseite (Postokularflecken!)

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Südost-Europa. Isolierte Vorkommen sind aus Deutschland und Zentralfrankreich bekannt.

Coenagrion ornatum ist in der Schweiz ausgestorben. Der letzte Nachweis gelang im Jahr 1967 am Lobsigensee (BE). Ältere Beobachtungen stammen aus dem Kanton Bern, eine aus Basel.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Relativ kurze Emergenz von Mitte Mai bis Ende Juni.
Flugzeit: Mitte Mai bis Anfang August.

Lebensraum

Besiedelt ausschliesslich Fliessgewässer. Meist schmale, langsam fliessende Gräben und Bäche mit guter Besonnung und ganzjähriger Wasserführung, häufig mit dunkler Sohle. Die Gewässer sind mit krautartigen emersen Wasserpflanzen bewachsen und nur abschnittsweise bestockt. Das Habitat ist dem von Coenagrion mercuriale sehr ähnlich. Die Arten können auch zusammen vorkommen.

Lebensweise Imagines

Als Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat werden extensive Wiesen genutzt.

Geschlechtsreife Männchen sitzen oft auf Krautvegetation im Bachbett oder fliegen in geringer Höhe über offenen Wasserflächen. Die Paarung beginnt meist in der Ufervegetation.

Bei der Eiablage, welche meist im Tandem stattfindet, sticht das Weibchen die Eier unter Wasser in Pflanzenteile ein. Oft taucht es dabei nur mit dem Hinterleib unter Wasser. Coenagrion ornatum breitet sich meist nur über mehrere hundert Meter entlang von offenen Fliessgewässern aus, kann aber auch bis zu wenige Kilometer Landfläche überqueren.

Der Schlupf findet in der Ufervegetation oder an emersen Pflanzenteilen statt.

Lebensweise Larven

Überwinterung im Larvenstadium. Entwicklungsdauer vermutlich 1-2 Jahre.

Gefährdung und Schutz

In der Schweiz ist Coenagrion ornatum ausgestorben und auf der Liste der national prioritären Arten geführt.

Allgemeine Gefährdungsursachen: Sediment- und Nährstoffeintrag, Gewässerräumungen, Ackerflächen anstatt ungemähte Grünflächen am Uferrand, Mahd der Gewässerränder während der Flugzeit, Verbuschung der Ufer, Gewässerausbau, Verfüllung, Entwässerung, Grundwasserabsenkung, Austrocknen.

Schutzmassnahmen: Entscheidend ist der Gewässerunterhalt, ähnliche wie bei Coenagrion mercuriale. Einrichtung von Pufferzonen und ungenutzten Grünflächen entlang der Gewässer, Entbuschung schattiger Abschnitte, Durchführung der Böschungsmahd im Herbst/Winter, z.B. nur einseitig, Sohlenräumung nur abschnittsweise und zeitlich versetzt.

  • Rote Liste: RE - Regional ausgestorben
  • Nationale Priorität: 3 - Mittlere Priorität
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Da Coenagrion ornatum in der Schweiz seit über 50 Jahren nicht mehr nachgewiesen wurde, muss eine Bestimmung sorgfältig erfolgen. Eindeutiges Ausschlussmerkmal für alle anderen Arten sind die gezähnten Postokularflecken, die im Feld schwer zu erkennen sind. Die Zeichnung auf S2 beim Männchen ist, besonders in Anbetracht der Variabilität, leicht mit der von Coenagrion pulchellum und Coenagrion scitulum, aber auch mit jener von Coenagrion puella oder Coenagrion mercuriale zu verwechseln. Mit letzteren teilt sie sich auch den Lebensraum. Die Weibchen sind vor allem mit den blauen Formen von Coenagrion pulchellum und Coenagrion puella zu verwechseln.

Coenagrion mercuriale – Helm-Azurjungfer
Bevorzugt das gleiche Habitat, dort ebenfalls eher selten.
M: S2 mit Zeichnung eines gehörnten Helms (kein W, Dreispitz), S3-S6 mit weniger spitzen Zeichnung (v.a. S5-S6).
W: Oberseite fast durchgehend schwarz, ohne blau. Pronotum-Hinterrand fast gerade, mit kleinem Lappen.

Coenagrion puella – Hufeisen-Azurjungfer
M: Mit schwarzer U-Zeichnung (Hufeisen) auf S2, S3-S6 mit schwarzen dünnen Ringen (ohne Spiesse) und seitlichen Linien, S7 ist ganz schwarz, blauer Ring zwischen S6 und S7 schmal.
W: Blaue Form sehr ähnlich. Pronotum-Hinterrand schwach-gewellt.

Coenagrion pulchellum – Fledermaus-Azurjungfer
M: Schwarze Fledermaus-Zeichnung auf S2. S3-S6 ohne Spiesse, aber mit seitlichen Linien.
W: Blaue Form sehr ähnlich. Pronotum an zwei Stellen stark eingeschnitten.