• Familie: Calopterygidae – Prachtlibellen
  • Gattung: Calopteryx – Prachtlibellen
  • Art: Calopteryx splendens splendens (Harris, 1780)
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  • DE: Gebänderte Prachtlibelle
  • FR: Caloptéryx éclatant
  • IT: Calotterige splendido
  • EN: Banded Demoiselle

Wissenswertes

Calopteryx splendens ist bei uns die bekannteste Fliessgewässerlibelle überhaupt. Zudem ist sie eine der grössten Kleinlibellen und zeigt ein ausgeprägtes Balzverhalten. Verglichen mit Calopteryx virgo besiedelt sie meist die tiefer gelegenen Abschnitte und stärker besonnte Bereiche von Fliessgewässern.

CalSpl10 M VS01
CalSpl11 M CK02
CalSpl12 M CK01
CalSpl20 W AB01
CalSpl21 W TL01
CalSpl22 W CK01
CalSpl30 P TL01
CalSpl60 S CK01

 

Merkmale

Gesamtlänge: 45-48 mm

Flügel, v.a. Hinterflügel, deutlich schmaler als bei Calopteryx virgo. Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich gefärbt und müssen separat unterschieden werden.

Männchen

Körper metallisch blau. Flügel mit blauem Band, dessen Ausdehnung regional und sogar individuell variabel ist. Flügelspitzen und -basen bis zum Nodus transparent. Signalfleck auf Unterseite von S8 bis S10 hellgelb bis grauweiss, schwarz gefleckt.

Weibchen

Körper metallisch grün. Flügel grünlich transparent mit weissen Pseudopterostigmen. Selten kommen auch männchenfarbige Weibchen vor (mit blauem Band und weissem Pseudopterostigma und verdicktem Hinterleibsende). Flügel ohne Braunfärbung.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte. Nur Bestimmung von ganz frisch geschlüpften Tieren, v.a. Weibchen, schwierig.

Belegfoto

M/W: Sicht auf Flügelflächen, parallel zur Kamera.

Verbreitung

Calopteryx splendens ist in ganz Europa weit verbreitet und kommt in einer Vielzahl von Formen und Unterarten vor, deren Abgrenzung teils noch nicht vollständig geklärt ist. Sie toleriert feucht-kühles Klima weniger gut als Calopteryx virgo, weshalb sich ihr Verbreitungsgebiet nicht ganz so weit in den Norden (bis Südskandinavien) erstreckt. In Spanien wird sie durch Calopteryx xanthostoma abgelöst, welche früher als Unterart gegolten hat, heute aber als eigene Art gilt. Alte Funde dieser Art in der Schweiz sind zweifelhaft. Rund um das westliche Mittelmeer kommt zudem eine weitere Prachtlibellen-Art vor: Calopteryx haemorrhoidalis. Bei beiden Arten ist nicht völlig auszuschliessen, dass sie in der Zukunft auch in der Schweiz auftauchen könnten.

In der Schweiz besiedelt Calopteryx splendens splendens Fliessgewässer nördlich der Alpen sowie im Wallis bis ca. 1100 m. Im Tessin fehlt sie und wird von der Unterart C. s. caprai abgelöst.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: April bis September (Maximum: Mitte Mai bis Ende August ).
Flugzeit: Mitte Mai bis Ende August, vereinzelt bis September.

Lebensraum

Mittel- und Unterlauf von breiteren (mind. 60 cm), eher langsam fliessenden Bächen und Flüssen mit guter Besonnung (Barben- und Brachsenregion). Auch an kanalisierten Fliessgewässern und organisch stärker belasteten Gräben und Kanälen ohne sichtbare Fliessbewegung. In Flussauen ist sie Charakterart von Giessen und durchströmten Altarmen. Beschattete Gewässer mit beidseitigem Gehölzbewuchs der Ufer werden gemieden. Wichtiger als die Beschaffenheit der Sohle (Kies, Sand oder Schlamm) sind eine krautige Ufervegetation und Wasserpflanzen als Lebensraum für die Larven.

Die Art kann mehrere Kilometer über Land fliegen und kann weitab von ihrem Entwicklungsgewässer auch an Stehgewässern beobachtet werden.

Lebensweise Imagines

Die Reifezeit verbringen die Tiere in der Nähe des Entwicklungsgewässers auf Wiesen, Lichtungen und Hecken.

Die Männchen besetzen in der Regel Reviere am Wasser, welche sie von Sitzwarten mit Blick auf das Wasser überwachen und mit gelegentlichen Patrouilleflügen optisch markieren. Mit Drohflügen werden Kontrahenten frontal oder seitlich bedrängt. Solche Kämpfe können lange dauern und die Männchen beträchtliche Energie kosten. Die Balzflüge sind durch ein arttypisches Flügelschlagmuster charakterisiert. Das Männchen lässt sich bei der Balz auch auf dem Wasser treiben und zeigt dem Weibchen den Eiablageplatz durch Präsentation des hellen Signalflecks.

Die Paarung findet in der Ufervegetation statt.
Das Weibchen legt die Eier ohne Männchen an der Wasseroberfläche oder bei hoher Männchendichte auch abgetaucht in Wasserpflanzen ab. Es wird dabei vom Männchen aus Distanz bewacht.

Der Schlupf findet an vertikalen Stängeln, an der Unterseite von Blättern an Uferpflanzen im Röhricht statt.

Lebensweise Larven

Calopteryx splendens überwintert im Larvenstadium. Die Larven halten sich meist im Wurzelgeflecht in Ufernähe auf. Insgesamt sind sie weniger anspruchsvoll als die Larven von Calopteryx virgo. Die Entwicklung dauert ein bis zwei Jahre.

Gefährdung und Schutz

Calopteryx splendens splendens gilt in Europa und in der Schweiz als nicht gefährdet (LC).

Begradigung, Hartverbauung, häufige maschinelle Räumung und Gewässerbelastung der Fortpflanzungsgewässer führt zum Rückgang der Art.

Profitieren kann sie von Renaturierungen verbauter Ufer und Wiederherstellung naturnaher Flussauen. An grösseren Fliessgewässern schaffen ins Wasser ragende umgekippte oder gefällte Bäume strömungsberuhigte Stellen als Lebensraum für die Larven.

An breiten Wiesenbächen soll die Räumung der verkrauteten Sohle räumlich und zeitlich gestaffelt sowie die Ufermahd einseitig alternierend durchgeführt werden. Auch durch Fällen von Ufergehölzen zur besseren Besonnung der Ufer kann die Art profitieren. In naturbelassenen Gewässern (Flussauen) genügt die natürliche Dynamik zur Erhaltung des Habitats.

  • Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Eine Verwechslung ist einzig mit Vertretern der Gattung Calopteryx möglich, wobei insbesondere Calopteryx splendens caprai und die in der Schweiz nicht sicher nachgewiesene Calopteryx xanthostoma sowie Weibchen von Calopteryx virgo ssp. sehr ähnlich sind. Männchen von Calopteryx virgo ssp. und beide Geschlechter der in der Schweiz nicht vorkommenden Calopteryx haemorrhoidalis sind hingegen einfach von Calopteryx splendens zu unterscheiden.

Calopteryx splendens caprai
M: Flügel mit deutlich breiterem blauem Band. An der Flügelspitze bleibt nur ein dünner Streifen ungefärbt.
W: Nur an der Ausdehnung der gelblichen Verfärbung der Flanken und unter dem Metathorax zu unterscheiden.

Calopteryx virgo ssp. – Blauflügel-Prachtlibelle
Flügel etwas breiter.
M: Flügel vollständig blau gefärbt, nur Flügelbasen und ev. Flügelspitzen leicht aufgehellt
W: Flügel weniger transparent und stets mit Bronzestich oder Braunfärbung; Pseudopterostigmen weiter von Flügelspitzen entfernt.

Calopteryx xanthostoma – Westliche Prachtlibelle
M: Flügelbasis transparent, jedoch bis zur Spitze blau gefärbt. Signalfleck gelb mit ausgedehnterer schwarzen Zeichnung.
W: Kaum zu unterscheiden. Pseudopterostigma liegt etwas näher an der Flügelspitze.

Calopteryx haemorrhoidalis – Bronzene Prachtlibelle
M: Körper rötlich bis bronzefarben. Flügel sind fast ganz dunkel gefärbt, ausser an der Basis. Signalfleck auf der Unterseite von S8-S10 rosa bis karminrot, „wie Haemorrhoiden“.
W: Mit dunkler Flügelspitze, dadurch sticht das Pseudopterostigma besonders leuchtend weiss hervor.