• Familie: Aeshnidae – Edellibellen
  • Gattung: Anax – Königslibellen
  • Art: Anax ephippiger (Burmeister, 1839)
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  • DE: Schabrackenlibelle, Schabracken-Königslibelle
  • FR: Anax porte-selle
  • IT: Anax sellato, Imperatore migrante
  • EN: Vagrant Emperor

Wissenswertes

Anax ephippiger ist bei uns eine Invasionsart, die nur in einzelnen Jahren gehäuft auftritt und hier nicht überwintern kann. Sie sieht der bei uns viel häufigeren und dauerhaft anwesenden Kleinen Königslibelle (Anax parthenope) sehr ähnlich. Ein Blick auf die Augen reicht jedoch um die beiden Arten zu unterscheiden. Bei Anax ephippiger sind diese braun, bei Anax parthenope deutlich grün.

AnaEph20 W CB
AnaEph40 J CB
AnaEph60 S CB

 

Merkmale

Gesamtlänge: 61-70 mm

S2 oberseits mit blauem Sattel, unterseits gelblich (nicht blau). Grundfarbe hellbraun bis strohgelb (nicht düster). Abdomen mit dunkler Mittellinie, die sich auf S8-S10 ausweitet und dort wie bei einer Aeshna nur noch zwei gelbe Flecken offen lässt. Thorax braun, unten oft gelblich. Grosser Kopf mit auffällig grossen, oben braunen und unten grünlich-gelben Augen. Stirn mit zwei schwarzen Querbalken. Hinterflügel in der Mitte oft bräunlich getönt. Obere Hinterleibsanhänge zugespitzt. Männchen und Weibchen sind sich ähnlich.

Männchen

Reife Tiere immer mit deutlichem blauem Sattel. Mittellinie des Abdomens beginnt erst auf S3. Untere Hinterleibsanhänge dreieckig mit kleinen Zähnchen.

Weibchen

Blauer Sattelfleck weniger ausgeprägt bis nicht vorhanden. Dunkle Mittellinie des Abdomens beginnt bereits auf S2. Obere Hinterleibsanhänge sehr breit.

Jungtiere

Die Grundfarbe kann bei Jungtieren sehr orange wirken, und kontrastiert dann mit den gelben Flecken der hinteren drei Segmente. Dabei entsteht das Bild einer bunten, blau-orange-gelb gefärbten Libelle. Junge Männchen sind, ähnlich den Weibchen, allenfalls manchmal noch ohne blauen Sattel.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben, Augen und S2 gut sichtbar.
M: Ev. Detailaufnahme der Hinterleibsanhänge. / Seitenansicht von Thorax und S2.
W: Ev. Detailaufnahme der Hinterleibsanhänge.

Verbreitung

Ihr Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich von Afrika bis Indien. Als extrem wanderfreudige Art tritt sie in Europa häufig auf. Während sie im Mittelmeerraum oft mit einer zweiten Jahresgeneration bodenständig werden kann, handelt es sich bei Beobachtungen aus dem Norden, welche selbst in Skandinavien und sogar Island vorkommen, meistens lediglich um umherstreifende Tiere.

In der Schweiz taucht sie seit einer Massenentwicklung im Aargauer Reusstal im Jahr 1989 dort und auch an anderen Orten einigermassen regelmässig auf. Die Funde in der Schweiz liegen zwischen 300-600 m. Trotz vereinzelten Entwicklungsnachweisen ist sie nicht dauerhaft bodenständig und dürfte den Winter hier nicht überleben. Beobachtungen dieser Art bleiben bei uns eine aussergewöhnliche Seltenheit.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Ab Ende Juli bis Mitte September, abhängig vom Zeitpunkt des Einfluges der Art und den Temperaturen.
Flugzeit: Lange Flugzeit von Mai bis Oktober. Frühe Tiere gehören dabei immer der eingeflogenen Generation an, Beobachtungen ab August dürften die lokal geschlüpfte, zweite Generation betreffen. Im Hauptverbreitungsgebiet, im Süden, fliegt sie das ganze Jahr über.

Lebensraum

Sie kann bei uns an stehenden Gewässern jeglicher Art auftreten, bevorzugt aber seichte, voll besonnte und damit sehr warme Gewässer mit Pioniercharakter. Ganz kahle und sehr dicht bewachsene Gewässer werden gemieden. Entscheidend für die Auswahl der Entwicklungsgewässer hierzulande sind strukturelle Ähnlichkeiten mit den spärlich bis kaum bewachsenen Wüstentümpeln ihrem Ursprungsgebiet.

Lebensweise Imagines

Als Invasionsart tritt Anax ephippiger in Europa, und damit auch in der Schweiz, nur in einzelnen Jahren vermehrt auf und fehlt in anderen Jahren ganz. Auslöser für ihre Wanderungen in den Norden sind Regenereignisse in der Sahara und anderen Trockengebieten. Dann entwickelt sie sich im Ursprungsgebiet massenweise und wird mit günstigen Winden nach Norden verfrachtet. Mit ihren breiten, bestens zum Segeln ausgerüsteten Flügeln können sie mehrere tausend Kilometer zurücklegen und fliegen dann auch nachts.

Die Männchen erscheinen am späten Vormittag am Wasser und fliegen dort ununterbrochen bis zum Nachmittag, auch wenn es anderen Libellen zu heiss ist. Der stete Flug ist dabei oft von Gleitphasen unterbrochen. Sobald ein Weibchen am Gewässer auftaucht wird es ergriffen und es bildet sich das Paarungsrad. Die Paarung dauert nur kurz und findet in der Luft oder in der Vegetation statt.

Die Eiablage erfolgt wie bei Anax parthenope meist in horizontaler Lage im Tandem. Dabei kommt es gelegentlich vor, dass das Männchen wie bei Coenagrion spp. auf dem Weibchen steht. Das Weibchen kann aber nach der Trennung auch alleine weiter Eier legen. Die Eier werden meist in horizontaler oder schräger Position in pflanzliche Substrate, Holz oder trockenen Schlamm gestochen.

Der Schlupf erfolgt meistens in der Nacht oder am frühen Morgen. Anders als Anax imperator schlüpft sie bei kühlerem Wetter aber auch während des ganzen Tages. Eine tagsüber schlüpfende Anax ist also immer einen zweiten Blick wert! Exuvien findet man an Pflanzen jeglicher Art, direkt am Ufer oder über dem Wasser. Die zweite Generation wandert meistens direkt wieder ab. Über ihr Leben abseits des Wassers ist relativ wenig bekannt. Reife-, Jagd- und Ruhehabitate sind weitgehend unerforscht. Mit ihren grossen Augen ist sie gut an die Jagd in der Dämmerung oder sogar nachts angepasst.

Lebensweise Larven

Als ursprüngliche Art schnell austrocknender Wüstentümpel ist ihre Entwicklung extrem schnell. Von zugeflogenen Tieren abgelegte Eier entwickeln sich bei uns noch im gleichen Jahr zur zweiten Generation. Weder die Eier noch die Larven können aber bei uns den Winter überdauern.

Gefährdung und Schutz

Anax ephippiger ist in Europa nicht gefährdet. In der Schweiz gilt sie als Wanderer und Vermehrungsgast und ist deshalb in keiner Gefährdungskategorie aufgeführt (NE).

Da sie hier nur zu Gast ist und nicht dauerhaft überleben kann, drängen sich keine speziellen Fördermassnahmen auf. Zur spontanen Fortpflanzung profitiert sie jedoch von Massnahmen, die auf Arten wie die Kreuzkröte (Epidalea calamita), den Östlichen Blaupfeil (Orthetrum albistylum) oder die Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) ausgerichtet sind.

  • Rote Liste: NE - Nicht beurteilt
  • Nationale Priorität: Keine
  • NHV: -

Ähnliche Arten

Mit blauem "Sattel" auf S2 und brauner Grundfärbung ist Anax parthenope dieser Art zum Verwechseln ähnlich. Die dritte Vertreterin dieser Gattung in der Schweiz, Anax imperator, unterscheidet sich hingegen deutlich.

Anax parthenope – Kleine Königslibelle
Augen grün (nicht braun). Thorax einheitlich braun ohne gelbe Unterseite. Abdomen wirkt gesamthaft dunkler. Nicht nur S2, sondern auch teilweise S3 blau. Gelber Ring am oberen Rand von S2 (bei reifen Anax ephippiger braun oder fehlend). Kleines Dreieck an der Stirnbasis.
M: Abdomenfärbung düster braun, Sattelfleck deutlich. Untere Hinterleibsanhänge klein, kaum sichtbar.
W: Sattelfleck weniger ausgeprägt bis nicht vorhanden. Obere Hinterleibsanhänge schmal.

Anax imperator – Grosse Königslibelle
Erscheint deutlich grösser und farbiger. Thorax apfelgrün. Augen grünlichblau schillernd. In der Mitte der Stirnbasis mit dunklem fünfeckigem Fleck.
M: Im Flug mit leicht nach unten gebogenem Abdomen. Abdomen mehrheitlich leuchtend himmelblau gefärbt.
W: Abdomen mehrheitlich grün gefärbt.