• Familie: Aeshnidae – Edellibellen
  • Gattung: Aeshna – Mosaikjungfern
  • Art: Aeshna subarctica elisabethae (Djakonov, 1922)
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  • DE: Hochmoor-Mosaikjungfer
  • FR: Aeschne subarctique
  • IT: Aeshna subarctica, Dragone artico
  • EN: Bog Hawker, Subarctic Hawker

Wissenswertes

Die Nominatform A. s. subarctica kommt nur in Nordamerika vor. In Europa ist ausschliesslich die Unterart Aeshna subarctica elisabethae zu finden. Sie ist eine der seltensten Libellenarten der Schweiz, kommt ausschliesslich in hohen Lagen in Moorgewässern vor und ist der viel häufigeren Aeshna juncea sehr ähnlich. Insgesamt erscheint sie aber einiges dunkler.

AesSub10 M RZ02
AesSub11 M RZ01
AesSub12 M SK
AesSub20 W CB
Aessub40 J CB01
Aessub41 J CB02
AesSub60 S SK01
AesSub61 S SK02

 

Merkmale

Gesamtlänge: 70-76 mm

Thorax braun mit zwei blass gelblichen oder weisslichen bis bläulichen Seitenstreifen. Flügelvorderrand braun (nicht gelb). Hinter den Augen völlig schwarz (ohne gelben Flecken). Waagrechte Linie unterhalb Stirn einheitlich dick (nicht gegen die Augen hin schmaler). Obere Hinterleibsanhänge relativ breit.

Männchen

Abdomen mit viel schwarz und nur kleinen mosaikartigen Flecken in blassen Farbtönen von bläulich, grünlich bis gelblich. Mit langen, schmalen, nagelförmigen und blass bläulichen Antehumeralstreifen.

Weibchen

Abdomen dunkelbraun, mit kleinen gelben bis grünlichen Flecken, die auch bläulich erscheinen können. Antehumeralstreifen kaum sichtbar, auf kleine helle Punkte reduziert.

Jungtiere

Noch blasser als die ausgereiften Tiere. Frische Jungtiere sind am besten über strukturelle Detailmerkmale wie die breiten Hinterleibsanhänge oder die breite waagrechte Linie im Gesicht zu bestimmen (siehe Artmerkmale). Da frische Jungtiere auf Berührung sehr empfindlich sind, sollen die entsprechenden Merkmale am besten kontaktlos mit einem guten Makro-Objektiv festgehalten werden.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben mit Antehumeralstreifen, Hinterleibsanhänge scharf abgebildet. / Seitenansicht von schräg hinten, so dass der schwarze Hinterkopf ohne gelbe Flecken hinter dem Auge sichtbar ist.

Verbreitung

Aeshna subarctica elisabethae ist eine nördliche Art. In Europa liegt ihr Hauptverbreitungsgebiet rund um die Ostsee und reicht im Norden bis zum 69. Breitengrad. In Mitteleuropa existieren lediglich in höheren Lagen einige isolierte und lückig verstreute Populationen.

Auch in der Schweiz ist sie nur inselartig verbreitet. Ihr Vorkommen hierzulande wurde erst 1970 entdeckt. Auch heute beschränken sich die Fundorte auf Bergregionen mit Hoch- und Zwischenmooren zwischen 900-1900 m. Grössere Vorkommen gibt es nur in der Innerschweiz und im Berner Oberland.

 

Biologie

Phänologie

Emergenzperiode: Ende Juni bis Mitte August. Schlupfnachweise sind in der Schweiz selten.
Hauptflugzeit: Ende Juli bis Anfang September, vereinzelt schon ab Ende Juni und bis Anfang Oktober.

Lebensraum

Vorwiegend Hochmoore ,die mit Torfmoosen bewachsen und meist von Nadelwald umgeben sind, aber grössere baumfreie Zentren aufweisen. Oft liegen diese in Gebieten mit niederschlagsreichem und eher kühlem Klima. Bevorzugt werden nährstoffarme, saure, gut besonnte Gewässer, welche nicht vollständig von Wald eingeschlossen sind.

Lebensweise Imagines

Die Reifezeit verbringt sie bis zu 10 km vom Schlupfgewässer entfernt an lichten Stellen im Wald. Nur ein geringer Teil der Tiere kehrt zum Entwicklungsgewässer zurück, die meisten wandern ab.

Das Paarungsverhalten gleicht dem von Aeshna juncea. Das Männchen patrouilliert für jeweils etwa eine halbe Stunde an einem Gewässer und zieht dann weiter. Zum Aufwärmen setzt es sich besonders morgens und abends gerne auf besonnte Baumstämme. Das Paarungsrad bildet sich am Gewässer, danach fliegt es in die Baumkronen.

Das Weibchen legt die Eier alleine ab, bevorzugt in horizontaler Lage in Torfmoose, aber auch in totes Pflanzenmaterial oder nassen Uferschlamm. Anders als Aeshna juncea legt es nie in senkrecht stehender Position ab.

Schlüpft am Vormittag. Exuvien findet man im Gegensatz zu jenen von Aeshna juncea nur in Hoch- und Zwischenmooren und auch bei ungünstigem Flugwetter, meist wenige Zentimeter über dem Wasser an senkrechter Vegetation oder auch an Torfmoos.

Lebensweise Larven

Den ersten Winter verbringt Aeshna subarctica elisabethae im Eistadium. Die Larven schlüpfen ab Mitte des darauffolgenden Juni. Meist halten sie sich zwischen flutenden Moosen auf. Insgesamt dauert die Entwicklung 3-4 Jahre. Im letzten Winter vor dem Schlupf zur Imago macht die ausgewachsene Larve einen Entwicklungsstillstand.

Gefährdung und Schutz

Aeshna subarctica ist im Norden Europas nicht gefährdet. Die verstreuten Populationen der Gebirge Mitteleuropas dagegen sind regional unterschiedlich stark bedroht. In der Schweiz gilt sie aufgrund der geringen Anzahl an Vorkommen als verletzlich (VU) und hat eine mässige nationale Priorität (3). Ihre Entwicklungsgewässer befinden sich fast immer in Hochmooren, welche in der Schweiz selten und überall, trotz gesetzlichem Schutz, gefährdet sind. Beweidung, Überdüngung und Wintertourismus (v.a. Betrieb von Langlaufloipen) sind besonders schädlich für die Entwicklungsgewässer.

Zum Schutz dieser Art muss der gesetzliche Schutz von Hochmooren konsequent durchgesetzt werden. Dies beinhaltet Verzicht auf Drainagen auch in der weiteren Umgebung, Einzäunung von Entwicklungsgewässern zum Schutz vor Weidevieh und Verhinderung jeglicher Nährstoffeinträge. Entwässerte Moore können durch entsprechende Massnahmen regeneriert werden. Mit ihrer Vorliebe für kühleres Klima ist es denkbar, dass sie im Zuge der Klimaerwärmung in höhere Lagen verdrängt wird. Fehlt diese Ausweichmöglichkeit, so können Populationen auch erlöschen. 

Zum Artenschutzblatt

  • Rote Liste: VU - Gefährdet
  • Nationale Priorität: 3 - Mittlere Priorität
  • NHV: Geschützt

Ähnliche Arten

Die ähnlichste und sehr viel häufigere Art ist Aeshna juncea. Im Flug sind die beiden Arten kaum zu unterscheiden, Aeshna juncea wirkt jedoch durch die grossen und leuchtenden Farbflecken auf dem Abdomen viel bunter und weniger dunkel.

Aeshna juncea  – Torf-Mosaikjungfer
Flügelvorderrand gelb. Zwei gelbe Flecken hinter den Augen. Thoraxseiten mit breiteren gelben Bändern, die höchstens oben bläulich enden. Obere Hinterleibsanhänge bei beiden Geschlechtern schmaler. Waagrechte Linie im Gesicht wird gegen die Augen hin schmaler.
M: Blau- und Gelbfärbung leuchtender und kontrastreich voneinander abgegrenzt, nicht blass und verwaschen. Abdomen schwarz, mit relativ grossen blauen und kleinen gelben Flecken.
W: Abdomen mit leuchtend gelben Flecken, die sich im Alter grünlich oder bläulich verfärben.

Aeshna mixta – Herbst-Mosaikjungfer und Aeshna affinis – Südliche Mosaikjungfer
Tieflandarten mit ähnlichem Farbmuster, Höhenverbreitung überlappt aber nicht. Deutlich kleiner.

Aeshna caerulea – Alpen-Mosaikjungfer
Deutlich kleiner. Thorax mit zwei schmalen, S-förmig gewellten, hellen Seitenlinien. Augen berühren sich nur auf einer kurzen Linie.
M: Abdomen schwarz mit grossen, mosaikartigen blauen Flecken.
W: Keine Antehumeralstreifen.

Aeshna cyanea – Blaugrüne Mosaikjungfer
Ebenfalls gross. Antehumeralstreifen sehr breit, oval, grün. Thoraxseiten meist grün mit zwei breiten, schwarzen Schrägstreifen
M: Abdomen schwarz, oberseits mit grünen Flecken auf S1-S7. Flecken auf Abdomenseite und oberseits auf S8-S10 sind blau.
W: Abdomen braun, mit grünen Flecken.

Brachytron pratense – Früher Schilfjäger
Deutlich kleiner. Thorax und oberes Abdomen sind auffällig dicht behaart. S1 mit arttypischem kleiner Fleck zu sehen. Thorax grün, mit zwei durchgehenden schwarzen Linien an der Seite.

Anax spp. – Königslibellen
Thorax einfarbig, ohne Antehumeralstreifen. Abdomen ohne Mosaikzeichnung, beinahe einfarbig oder mit dunklen Längsstreifen.